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Die orangefarbene Jubeltraube in der 100. Spielminute strahlte eine Mischung aus Freude und Erleichterung aus. Die kurze Umarmung zwischen Vorbereiter Lukas Mai und dem Torschützen Mathias Honsak verdeutlichte den Kraftakt, der hinter dem SV 98 lag, bis er an diesem Punkt angelangt war. Die Lilien hatten in diesem Augenblick eine Partie gedreht, in der sie erst in der zweiten Halbzeit wirklich angekommen waren. Die sie dann aber mit ihrer Spielweise, Leidenschaft und dem Glauben an die eigene Stärke doch noch zu einem Happy End bringen konnten.

Foto: Stefan Holtzem

Als Manuel Gräfe den ersten Durchgang nach 47 Minuten beendete, da prangte eine 2:0-Führung der Magdeburger auf der Anzeigetafel der MDCC-Arena. Verdientermaßen, wie die Akteure des SV 98 im Nachgang unisono eingestanden. "Wir haben eine schlechte erste Halbzeit gespielt", bekannte Tobias Kempe, während Cheftrainer Markus Anfang davon sprach, dass seine Elf im ersten Abschnitt "überhaupt nicht in das Spiel gekommen" sei.

Ein Umstand, der sich mit dem Seitenwechsel schlagartig ändern sollte. Auch, weil auf Darmstädter Seite nie das Vertrauen in die eigene Qualität verloren ging. "Das Spiel war in der Pause noch lange nicht vorbei", verdeutlichte Kempe, der ergänzte: "Aber wir mussten eine Reaktion zeigen. Und das haben wir getan."

Mit Wiederanpfiff nahmen die Lilien das Spielgeschehen komplett in die Hand und befolgten dann auch den Plan, den Anfang ihnen bereits vor Anpfiff mit auf den Weg gegeben hatte. "Wir haben in der Pause einige Dinge angesprochen. Das haben die Jungs dann sehr gut umgesetzt“, so der Übungsleiter, der immer wieder den Diagonalball hinter die Defensivreihe des FCM einforderte.

Die richtige Lösung gefunden, Charakter bewiesen

Sowohl Marvin Mehlems Anschluss- als auch Kempes Ausgleichstreffer entsprangen aus einem dieser vertikalen Zuspiele, die schlussendlich den Schlüssel zum Erfolg bildeten. "Der Trainer hat uns gesagt, dass die Kette hochsteht und wir diesen Raum bespielen müssen", verriet Mathias Honsak, dessen Siegtor in der Verlängerung ebenfalls nach diesem Muster fiel. Und doch war es nicht allein das richtige Konzept gegen die Abwehrkette der Magdeburger, welches für den Einzug in die nächste Pokalrunde sorgte. Die fußballerische Lösung wurde ergänzt durch die Eigenschaften, die an einem solchen Pokalabend ebenfalls unabdingbar sind. "Das zeigt unseren Charakter", bilanzierte Kempe mit Blick auf die Willensleistung der Lilien, während Honsak von einem "anderen Gesicht" sprach, das die Darmstädter mit Beginn der zweiten Hälfte zeigten.

Einschätzungen, die auch Anfang so teilte: "Die Jungs haben alles getan, sich reingeworfen und gefightet. Ein Spiel in Magdeburg zu drehen – das ist nicht so einfach. Kompliment an die Mannschaft."

"Die Jungs müssen Erfahrungen machen"

Natürlich hätte der Cheftrainer gerne auf die Leistung der ersten Halbzeit verzichtet und ein Weiterkommen schon in der regulären Spielzeit realisiert. Aber die 120 Minuten von Magdeburg bringen den Lilien neben dem Einzug in die zweite Runde auch enorm wichtige Erkenntnisse. "Die Jungs müssen Erfahrungen machen mit unserer Spielweise. Dafür brauchen sie Bilder im Kopf und Spiele."

Die von Anfang genannten Bilder aus Magdeburg sind vielfältig. Negative und lehrreiche, wie die, die im ersten Durchgang entstanden. Positive und eindrucksvolle aus dem Spielgeschehen nach dem Seitenwechsel. Das Wissen, dass die Spielweise zum richtigen Ergebnis führen kann. Wenn die Abläufe stimmen. Wenn das Konzept umgesetzt wird. Und wenn die Grundtugenden auf den Platz gebracht werden.

„Wir nehmen einiges für den Ligastart mit“, resümierte dann auch Honsak abschließend. „Wir haben gesehen, dass wir auf dieser Art erfolgreich sein können. Und wir werden die heutige Mentalität auch in der Saison benötigen.“

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