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"Die Bestätigung für unseren Weg"

Die Saison 2020/21 ist für das Nachwuchsleistungszentrum der Lilien eine ganz besondere. Warum? Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte des SV Darmstadt 98 sind alle Jugendteams in den höchstmöglichen Spielklassen vertreten. Genau darüber, aber auch über den bereits erfolgten Saisonstart einiger NLZ-Mannschaften, den Austausch mit den Profis sowie über die Ziele der U19 in der A-Junioren-Bundesliga haben wir mit Björn Kopper, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, gesprochen.

Björn Kopper (Leiter des NLZ)

sv98.de: Björn, die Junglilien stehen vor der ersten Saison überhaupt, in der alle Jugendmannschaften in den höchsten Spielklasse vertreten sind. Was bedeutet das für den Verein?

Björn Kopper: Das ist einfach eine schöne Belohnung für unsere Arbeit in den letzten Jahren, die sich jetzt auch in den Ergebnissen niedergeschlagen hat. Wobei man die Ausbildung im Nachwuchsbereich nicht nur daran festmachen sollte. Es geht vielmehr um zwei Dinge: die Weiterentwicklung der Spieler sowie die Ergebnisse. Denn auch in der Vergangenheit – wie im letzten Jahr, als unsere U19 in der Hessenliga aktiv war – haben wir den einen oder anderen interessanten Spieler für die Profis dabeigehabt. Ensar Arslan hat beispielsweise sein Profidebüt gefeiert und im Sommer seinen Vertrag verlängert. Dass all unsere Teams in den höchsten Ligen spielen, bedeutet eben nicht, dass die Ausbildung plötzlich besser ist oder vorher nicht so gut war. Am Ende sehen wir die aktuelle Situation als Belohnung. Das ist die Bestätigung für unseren Weg, den wir in den letzten Jahren eingeschlagen haben. Natürlich ist die sportliche Herausforderung aber größer, wenn Du in der national höchsten Liga spielst, was uns wiederum auch in der Weiterentwicklung der Spieler hilft.

sv98.de: Sorgt dieser Umstand denn auch für eine gewissen Strahlkraft in der Region?

Kopper: Natürlich hilft es in der Außenwirkung, wenn alle Mannschaften in den höchsten Ligen spielen. Denn es ist nicht selbstverständlich – weder in der 1. noch in der 2. Bundesliga – dass ein Verein alle Teams in den höchsten Ligen hat. Dafür ist die Leistungsdichte gerade in der A- und B-Junioren-Bundesliga sowie in der C-Jugend-Regionalliga einfach zu eng. Es kann immer mal einen erwischen.

sv98.de: Mit Ensar Arslan, Henry Crosthwaite und Alexander Vogler wurden drei NLZ-Spieler frisch mit Profiverträgen ausgestattet. Dazu sind etliche U19-Akteure bei den Testspielen zum Einsatz gekommen. Spricht das für die gute Jugendarbeit, die im NLZ geleistet wird?

Kopper: Unsere Arbeit, mit der wir mit der Anerkennung als NLZ 2014 begonnen haben, trägt nun Früchte. Im Jugendbereich ist es so, dass es nicht von heute auf morgen geht. Es ist ein Prozess. Aber natürlich ist es schon eine Bestätigung unserer Arbeit, weil wir das in der Fülle vor vier oder fünf Jahren noch nicht so hatten. Anhand der Jungs, die bei den Profis mittrainieren, die teils langfristige Profiverträge unterschrieben haben, sehen wir, dass sie mithalten können. Natürlich dauert es bis man ein gestandener Profi ist, ganz klar. Aber in den Testspielen hat sich gezeigt, dass neben Ensar, Henry und Alex auch noch andere Jungs dabei waren. Wir haben außerdem in den jüngeren Jahrgängen – U17 bis U14 – vielversprechende Talente in unseren Reihen. Diese gilt es, über die Jahren heranzuführen.

sv98.de: Man sieht Dich regelmäßig am Trainingsplatz am Bölle, auch U19-Trainer Georg Martin Leopold schaut gerne mal vorbei. Wie intensiv ist der Austausch mit den sportlich Verantwortlichen?

Kopper: Ob wir am Trainingsplatz stehen oder nicht: Wir sind mit allen Beteiligten im ständigen Austausch über unsere Talente. Auch über Talente, die erst in der Zukunft im Fokus stehen. Jungs, die vielleicht erst 15 oder 16 Jahre alt sind. Wir sind daher stets im Austausch, um dann eben auch frühzeitig für das ein oder andere Talent, das es zusätzlich zu fördern gilt, die Weichen zu stellen. Weiter ist es natürlich wichtig, dass man immer mal wieder vor Ort vorbeischaut. Das machen wir. Wir schauen, worauf die Profis Wert legen. Wie lösen sie gewissen Situationen im Training? Daraus ziehen wir auch Erkenntnisse für unsere Arbeit im NLZ. Insgesamt können wir festhalten, dass die Türen sowohl von unserer Seite als auch von Seiten des Profibereichs jederzeit offenstehen, sodass wir uns regelmäßig und intensiv austauschen können. Das sollte in einem Profiklub schließlich auch so sein.

sv98.de: Einige NLZ-Teams sind bereits in die Saison gestartet. Kannst Du uns einen kleinen Überblick über den Stand der Dinge geben?

Kopper: Die U19 und U17 starten erst am kommenden Wochenende in die neue Saison. Die anderen Teams sind spätestens am vergangenen Wochenende wieder in den Ligabetrieb gestartet. Das war sehr schön, weil die Teams sechs Monate kein Pflichtspiel mehr bestritten hatten. Es war sowohl für uns als auch für die Gegner ein gewisses Neuland nach so einer langen Zeit.

sv98.de: Wie liefen die ersten Pflichtspiele?

Kopper: Unsere U16 ist als junger Jahrgang in der Hessenliga souverän in die Saison gestartet. Nachdem das erste Spiel abgesagt wurde, haben sie am zweiten Spieltag 3:0 gewonnen und dabei eine gute Leistung gezeigt. Für unsere U14 ist es ebenfalls als junger Jahrgang in der Hessenliga eine große Herausforderung. Doch sie haben die ersten beiden Spiele gewonnen und stehen aktuell auf dem ersten Tabellenrang. Allerdings wartet jetzt am kommenden Wochenende mit Hessen Kassel der erste harte Brocken auf die Jungs. Kassel ist körperlich ein Jahr älter und dementsprechend überlegener. Dazu spielen sie noch guten Fußball. Die 1:2-Niederlage der U15 zum Saisonauftakt gegen Kickers Offenbach war sehr unglücklich und ärgerlich. Wir waren über die gesamte Zeit die spielbestimmende Mannschaft. Alle Beteiligten – sowohl Spieler als auch Trainer – waren daher über das Endergebnis sehr enttäuscht. Aber sowas passiert nun einmal – gerade in diesem Alter. Das ist ein Lernprozess für die Jungs. Dennoch haben sie vor allem in der Vorbereitung mit Siegen gegen Bayer Leverkusen, Mainz oder den 1. FC Nürnberg gezeigt, dass wir auch in der U15 wieder einen sehr guten Jahrgang haben.

Lass uns noch einmal auf die U19 zusprechen kommen. Die Jungs sind in der vergangenen Saison aufgestiegen und spielen fortan in der A-Junioren-Bundesliga. Was sind Eure Ziele?

Kopper: Einerseits geht es darum, die Jungs weiterzuentwickeln. Die Jungs, die bereits bei den Profis sind, wollen wir bestmöglich vorbereiten. Aber auch die anderen Spieler wollen wir logischerweise weiterentwickeln. Andererseits versuchen wir natürlich, in der Liga gut abzuschneiden. Für uns, wie für allen anderen Teams auch, stellt die kommende Saison eine Sondersituation dar. Die Struktur der Liga ist eine andere: Es gibt 18 Mannschaften und fünf Abstiegsränge. Dazu ist es nur eine einfache Runde, in der jedes Team nur einmal gegen alle Mannschaften spielt. Es ist eine besondere Situation. Bis auf die Top-Vier– das sind für gewöhnlich Bayern, Hoffenheim, Stuttgart und Mainz – steht für den Rest der Liga das Thema Klassenerhalt erstmal im Vordergrund. So ist es bei uns auch. Wir wollen einfach die bestmögliche Runde spielen, die Jungs weiterentwickeln und natürlich in der Liga bleiben.

sv98.de: Wie sehr fiebern die Jungs dem Saisonstart am Freitag (18.9.) beim FC Astoria Walldorf entgegen?

Kopper: Alle fiebern dem Freitag sehr entgegen, weil es eine sehr lange Vorbereitung war. Nach der coronabedingten Pause haben wir bis zu den Sommerferien trainiert, hatten einen kurzen Break und sind dann wieder in die Vorbereitung eingestiegen. Wir haben also zehn bis elf Wochen auf das erste Spiel hingearbeitet. Wobei zu Beginn der Vorbereitung noch nicht einmal feststand, wann der erste Spieltag überhaupt stattfinden wird. Die Vorfreude ist daher riesig.

sv98.de: Wie lief die Vorbereitung?

Kopper: Die Vorbereitung hatte positive Aspekte. Sie hatte aber auch Aspekte, bei denen wir gesehen haben, an was wir noch arbeiten müssen. Wir haben bei den Testspielen auf Spieler verzichtet, die bei den Profis dabei waren. Henry Crosthwaite war zum Beispiel die komplette Vorbereitung bei den Profis und noch gar nicht bei der U19. Aber auch Spieler wir Alexander Vogler, Lukas Konietzko, John Peter Sesay oder Mario Shuteriqi waren zwischendrin immer mal wieder oben mit dabei. Diese Jungs haben wir dann bewusst bei uns rausgelassen, damit sie frisch die Testspiele bei den Profis machen können. Insgesamt wissen das Trainerteam und die Spieler, worauf es bis Freitag noch zu achten gilt. Es wird aber Zeit, dass es endlich wieder losgeht.

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