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"Jedes Mal wieder eine Ehre"

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25. Juni 2002. WM-Halbfinale. Deutschland gegen Südkorea. In der 75. Minute schießt Michael Ballack das entscheidende 1:0 für die DFB-Elf. "Das war ein trauriger Moment", erinnert sich Seung-ho Paik im Interview mit sv98.de. Damals saß er vor dem Fernseher, heute ist er selbst Nationalspieler. Mit ihm haben wir über die Weltmeisterschaft 2002, die südkoreanische Fußballbegeisterung und seine vergangenen beiden Einsätze im Nationaltrikot gesprochen.

Foto: Korea Football Association

sv98.de: Paik, du bist aktueller Nationalspieler deines Landes. Doch wann hast du die südkoreanische Auswahl erstmals wahrgenommen?

Seung-ho Paik: Der allererste Berührungspunkt mit der Nationalmannschaft war die Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea. Damals war ich gerade mal fünf Jahre alt. Aber in diesem Jahr hat das ganze Land nur noch über diese WM gesprochen. Ich saß jeden Tag, das ganze Turnier lang vor dem Fernseher und habe die Spiele oder die Highlights verfolgt.

sv98.de: Ein Spiel, welches sicherlich hängen geblieben ist, ist das Halbfinale zwischen Deutschland und Südkorea.

Seung-ho Paik: Ja, auf jeden Fall. Ich habe das Spiel zusammen mit meiner Familie geschaut. Ich glaube, dass ganze Land saß an diesem Tag vor dem Fernseher. Jeder hat gewusst, dass Deutschland zu dieser Zeit eines der besten Teams des Turniers war. Dementsprechend schwierig war die Partie dann auch für Südkorea. Aber sie haben gekämpft und alles gegeben. Doch dann kam Michael Ballack und hat getroffen. Das war ein sehr trauriger Moment für mich, aber auch für alle Südkoreaner.

sv98.de: Wie fußballverrückt sind die Menschen in Südkorea?

Seung-ho Paik: Sehr fußballverrückt. Die WM 2002 hat das Denken der Menschen in Südkorea sehr beeinflusst. Plötzlich wollte jedes Kind nur noch Fußball spielen. Die WM war ein sehr wichtiger Moment in der Geschichte des südkoreanischen Fußballs. Der Hype um den Fußball ist in diesem Jahr regelrecht explodiert. Auch die guten Leistungen der Nationalmannschaft haben dafür gesorgt haben, dass sich etliche junge Fußballer für diese Sportart begeistern.

sv98.de: War die WM auch ein wichtiger Moment in deiner fußballerischen Laufbahn?

Seung-ho Paik: Absolut. Meine Eltern fragten mich damals, welche Sportart ich gerne betreiben würde. Und in diesem Jahr, 2002, habe ich dann auch mit dem Fußballspielen begonnen. Ein paar Freunde aus meiner Umgebung haben zu diesem Zeitpunkt schon Fußball gespielt. Also haben mich meine Eltern im Verein angemeldet und so ging es los.

sv98.de: Mittlerweile bist du selbst Nationalspieler. Was bedeutet es für dich, für dein Land zu spielen?

Seung-ho Paik: Seitdem ich mit dem Fußball begonnen habe, war es immer mein Traum, einmal für die Nationalmannschaft zu spielen – für das Land, in dem ich geboren bin. Bereits mit zwölf Jahren habe ich dann erstmals ein einem Turnier mit einer südkoreanischen Jugendauswahl teilgenommen. Aber noch heute ist es jedes Mal wieder eine Ehre, wenn ich den Anruf bekomme und für die Länderspiele nominiert werde. Für die südkoreanische Nationalmannschaft aufzulaufen? Das war schon immer mein Traum und es ist der Grund, warum ich Fußball spiele.

sv98.de: Mit dem U23-Nationalteam warst du in dieser Länderspielpause auf Reisen. Ihr habt euch gegen Ägypten ein torloses Remis erkämpft und gegen Brasilien leider 1:3 verloren. Wie zufrieden bist du mit deinen Leistungen?

Seung-ho Paik: Ganz egal, ob ich zwei Tore schieße oder zwei Tore vorbereite: Ich bin nie zufrieden. Ich finde immer Dinge, die nicht so gut waren und die ich verbessern kann. Die beiden Spiele waren ok. Ich habe das getan, was der Trainer von mir verlangt hat und habe mein Bestes gegeben. Gegen Brasilien durfte ich knapp 30 Minuten ran, gegen Ägypten habe ich nahezu das komplette Spiel gemacht. In beiden Partien habe ich versucht, viele Chancen zu erarbeiten und damit dem Team zu helfen.

sv98.de: Vor allem die Partie gegen Brasilien war nicht leicht. Die brasilianische U23-Auswahl war extrem stark besetzt.

Seung-ho Paik: Ja, allein die Angriffsreihe mit Rodrygo von Real Madrid, Matheus Cunha von Hertha BSC und David Neres von Ajax Amsterdam war extrem stark. Insgesamt war die Qualität der Brasilianer schon enorm. Sie haben viele Top-Spieler in ihren Reihen. Wir waren teilweise geschockt, mit welcher Technik sie im Passspiel aber vor allem im Dribbling agiert haben.

sv98.de: Gegen Ägypten hast du die Mannschaft sogar als Kapitän aufs Feld geführt. Was bedeutet das für dich und dein Selbstvertrauen?

Seung-ho Paik: Natürlich tut so etwas gut fürs Selbstbewusstsein. Schon vor dem Spiel hat der Trainer mir mitgeteilt, dass ich Kapitän sein werde. Also konnte ich mich schon vorab darauf einstellen. Ich wollte dem Team sowie jedem Einzelnen so gut es geht helfen und mein Bestes geben. Ich habe versucht, ein guter Kapitän zu sein. Und ich glaube, es ist mir gelungen (grinst).

sv98.de: Die nächsten Länderspiele sind erst wieder im kommenden Jahr angesetzt. Was sind deine Ziele mit der südkoreanischen Nationalmannschaft?

Seung-ho Paik: Im nächsten Sommer stehen die Olympischen Spiele an. Noch weiß niemand, wer nominiert wird. Daher muss ich hart an mir arbeiten und versuchen mich weiterzuentwickeln, um bei Olympia dabei zu sein. Harte Arbeit ist der Schlüssel, um seine Ziele zu erreichen.

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