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Kranzniederlegung auf dem Dr.-Karl-Heß-Platz

Allgemeines

Am 27. Januar 2021 jährte sich zum 76. Mal der Tag, an dem die Überlebenden im Konzentrationslager Ausschwitz durch die Rote Armee befreit wurden. Anlässlich des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus fand im Vorfeld des Spiels gegen den SV Sandhausen eine Kranzniederlegung am Toten-Gedenkstein auf dem Dr.-Karl-Heß-Platz statt.

Sowohl das Lilien-Präsidium als auch die Fan- und Förderabteilung des SV 98 legten einen Kranz nieder. Eine Geste gegen das Vergessen an einem Ort mit symbolischer Bedeutung. Karl Heß wurde fast genau 121 Jahre zuvor, am 13. Januar 1900, in Darmstadt geboren und war schon mit 28 Jahren der Vereinsvorsitzende des SV Darmstadt 98. Er wurde als Deutscher jüdischen Glaubens 1933 im Zuge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten mit einem Berufsverbot belegt und musste auch als Vereinsvorsitzender zurücktreten.

Rüdiger Fritsch: "Diese Form der Erinnerung hat für uns als Gesamtverein Darmstadt 98 eine extrem hohe Bedeutung. Die Verbrechen des Nationalsozialismus dürfen niemals in Vergessenheit geraten und sollten uns stets als Warnung dienen, damit so etwas nie wieder passieren kann. Als Verein stehen wir entschieden gegen jegliche Form von Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus ein."

Durch die Kranzniederlegung unterstützt der SV 98 zudem den 17. Erinnerungstag im deutschen Fußball, der 2004 durch die Initiative „!NieWieder“ ins Leben gerufen wurde.

In diesem Jahr soll dabei besonders an die Menschen erinnert werden, die aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität als "Abartige und Homosexuelle" brutal verfolgt wurden. Insgesamt wurden Tausende zu Haftstrafen verurteilt oder in Konzentrationslager verschleppt. Dort hatten sie, stigmatisiert durch den "Rosa Winkel", ein rosa Stoffdreieck auf ihrer Häftlingskleidung, kaum Überlebenschancen. "Totgeschlagen, totgeschwiegen" – mit diesen beiden Worten erinnern heute winkelförmige Gedenktafeln an verschiedenen Orten in Deutschland an ihr Schicksal. Bis 1969 verurteilte man die Überlebenden mit dem "Rosa Winkel" aufgrund des von den Nationalsozialist*innen verschärften Paragraphen 175 StGB. (Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung). Gestrichen wurde er 1994. 2002 hob der Bundestag alle NS-Urteile nach Paragraph 175 auf, 57 Jahre nach dem Befreiungstag.

Es gehört zu den unumstößlichen Menschenrechten, die eigene sexuelle und geschlechtliche Identität frei leben zu können. Der deutsche Fußball hat den Mut und das Verantwortungsbewusstsein, sich für jene Werte und Vorstellungen einzusetzen, die dem Fußball von jeher innewohnen. Er bekennt sich zur europäischen Wertegemeinschaft, zur Demokratie und Toleranz – individuell ebenso wie gemeinschaftlich und auf allen Ebenen. Diskriminierung und Ausgrenzung haben im Fußball keinen Platz und müssen mit Zivilcourage in die Schranken gewiesen werden.

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