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Kämpferherz

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Ein Ausgleichstreffer in der 97. Minute in Regensburg. Ein bitteres Ausscheiden im DFB-Pokalachtelfinale nach Elfmeterschießen in Kiel. Eine unnötige Niederlage aufgrund eines Eigentores in der Nachspielzeit gegen Nürnberg. Drei Tiefschläge, die der SV Darmstadt 98 kürzlich und binnen weniger Tage einstecken musste. Drei psychologische Fausthiebe, die am Selbstvertrauen der Lilien kratzten. Drei Nackenschläge, die die Protagonisten am Böllenfalltor enorm selbstkritisch aufarbeiteten. Doch was braucht es, um diese wegzustecken? Was braucht es, um niemals aufzugeben und stattdessen immer wieder aufzustehen? Ein blau-weißes Kämpferherz.

Foto: Claus

Die Lilien, sie zeigten ihr Herz am Valentinstag. So liegt es in ihrer Natur. “Unter Kämpfernatur”, heißt es in der Definition, “versteht man einen willensstarken Menschen, der niemals aufgibt und sich stattdessen stets durchbeißt.” Eine Erklärung, die beim 1:0-Heimsieg des SV 98 gegen den VfL Osnabrück auf jeden zutraf, dessen Brust im Merck-Stadion am Böllenfalltor eine Lilie zierte. Dank Kampf, unbedingten Einsatzwillen und purer Leidenschaft krallten sich die Darmstädter die so wichtigen drei Punkte gegen einen direkten Tabellennachbarn. “Es war mehr ein Kampf- als ein normales Fußballspiel”, befand Markus Anfang auf der Pressekonferenz nach der Partie.

"Es geht um Kampf und Leidenschaft"

Kein Wunder. Am Bölle trafen zwei Mannschaften aufeinander, die ganz und gar nicht vor Selbstvertrauen strotzten. Wie auch? Während die Lilien in 2021 erst vier Punkte einfuhren, sammelten die Niedersachsen im neuen Kalenderjahr lediglich einen Dreier und gastierten mit sechs Niederlagen in Folge im Gepäck in Südhessen. Mit Schönspielerei also, so hatte es der Cheftrainer des SV 98 schon im Mediengespräch vor dem Duell betont, käme man nicht weiter - schon gar nicht in der unteren Tabellenhälfte nahe der gefährlichen Abstiegszone. Hurra-Fußball zwischen den punktgleichen Tabellendreizehnten und -fünftzehnten durfte man nicht erwarten. Das wäre auch vermessen gewesen. Tobias Kempe: “Vielmehr geht es um Kampf und Leidenschaft. Und das haben wir heute gezeigt.”

Das unterstrich auch Anfang: “Wir müssen in unserer Situation annehmen, dass es vermehrt darum geht, Punkte zu holen und sich diese Punkte zu erkämpfen.” Das taten die Lilien - von der ersten bis zur letzten Sekunde. Sie nahmen jeden Zweikampf an, agierten konzentriert sowie diszipliniert. Die Defensive stand sicher, ließ bis auf wenige Ausnahmen nur selten gefährliche Aktionen des Gegners zu. Und in der Offensive machten die Lilien nach einer blitzsauberen Konteraktion durch Mathias Honsak das wichtige 1:0 - wohlgemerkt die erste Möglichkeit überhaupt für die Lilien in diesem Spiel. “Es war natürlich wichtig, dass wir die erste gute Chance auch direkt genutzt haben”, erklärte Marcel Schuhen. “Das hat uns geholfen”, ergänzte Anfang.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass es die Lilien trotz weiterer hochkarätiger Möglichkeiten versäumten, den Sack frühzeitig zuzumachen. So blieb es bis zum Ende hin aufgrund des knappen Ein-Tore-Vorsprungs spannend. Und wie oft hatte der SV 98 in dieser Saison schon in der Schlussphase bittere Gegentore schlucken müssen? Doch nicht an diesem Sonntag am Böllenfalltor. “Die Mannschaft hat alles dafür getan, das Spiel zu gewinnen”, attestierte Anfang seinen Mannen die so wichtige Willensstärke. Natürlich warfen die Osnabrücker kurz vor Schluss noch einmal alles nach vorne, ohne allerdings zwingend auf den Ausgleich zu pochen. Und wenn der VfL dann doch mal durchkam, “haben wir ja auch noch einen super Torwart im Kasten”, sprach Kempe sein Lob in Richtung des Darmstädter Schlussmannes aus, der mit zwei starken Paraden den Heimsieg festhielt. “Es gibt Auftrieb, dass wir das Ding gewonnen und auch zu Null gespielt haben”, so die Nummer elf der Südhessen weiter.

Selbstkritische Aufarbeitung fruchtet

War es doch die Zielstrebigkeit und Abschlussschwäche im gegnerischen sowie die Inkonsequenz in der Verteidigungsarbeit im eigenen Sechzehner, welche noch in der vergangenen Woche heftigst sowie zurecht kritisiert wurde. Also galt für den SV 98: Kritik annehmen, Fehler abstellen, es besser machen. Und die Südhessen zeigten, dass ihre selbstkritische Aufarbeitung fruchtete. “Die Einstellung war gut, die Kommunikation war eine andere”, betonte Schuhen und unterstrich: “All die Dinge, die wir angesprochen haben, waren heute da.”

Doch der Lilien-Torhüter fordert: “Aber ich bin ehrlich: Diese Dinge müssen auch nächste Woche in Hamburg da sein.” Dann, wenn der SV Darmstadt 98 im Millerntor-Stadion gegen den FC St. Pauli (20.2., 13 Uhr) erneut auf einen direkten Tabellennachbarn trifft. Das, woran es in solchen Duellen bedarf, brachten die Lilien gegen den VfL Osnabrück auf den Rasen. Belohnt wurden sie mit einem wichtigen Sieg und drei Punkten, die das Konto mit den Zählern 23, 24 und 25 auffüllten. Weitere  Dreier müssen folgen, das ist Fakt. Was es dafür braucht, ist auch klar: Einsatz, Leidenschaft und ein blau-weißes Kämpferherz.

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