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"This is f**king Darmstadt"

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Die Emotionen mussten einfach raus. Bei jedem Einzelnen. Zu viele davon hatten sich angestaut. Der Frust der letzten Wochen. Die Wut über sich selbst. Über den Fußballgott. Und nun endlich auch die pure Freude. Über drei Punkte. Einen Fight mit Happy End. 28 Kehlen schrien gemeinsam in den Paderborner Abendhimmel. So laut, dass es vom Blech der Stadionwände dröhnte. Als die Rufe langsam verhallten, da war nur noch eine Stimme zu hören. Sie gehörte Victor Palsson. "This is f**king Darmstadt!"

Ein Satz, der als Überschrift für eine verrückte Woche diente. "Aufgrund der vielen Verletzungen mussten wir den Physiotherapeuten, den Teammanager,  den Torwart- und Co-Trainer mit ins Training einbauen", verriet Markus Anfang nach Spielende. Es waren die ersten von vielen Hürden, die sich den Lilien bis zu den Jubelschreien im Mannschaftskreis in den Weg stellten. Und die allesamt gemeinsam überwunden wurden.

Schon vor Anpfiff versammelten sich die 20 Spieler des Kaders auf dem Spielfeld, um sich einzuschwören. "Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir noch enger zusammenrücken und es gemeinsam schaffen. Dafür brauchen wir alle“, so Immanuel Höhn angesprochen auf die Szene, die auch Marcel Schuhen am Samstag noch einmal hervorhob: "Das war sinnbildlich. Wir wollten es nach außen tragen und zeigen, wie groß die Geschlossenheit in dieser Truppe ist."

"Wir waren fest davon überzeugt"

Was folgte war einmal mehr eine Achterbahnfahrt. Die in Paderborn aber mit keinem weiteren Rückschlag endete. Die Täler dieser Fahrt in der Benteler-Arena? Sie wurden vom SV 98 durchwandert. Obwohl sie zahlreich waren. Angefangen bei kleinen Dingen, wie der harten Gelben Karte für Patric Pfeiffer bereits nach 7. Minuten. Oder der Platzwunde des Innenverteidigers, der sich fortan mit blau-weißem Turban in alle Zweikämpfe warf. Bis hin zum prompten Ausgleichstreffer nach der eigenen Führung, einem strittigen Zweikampf vor dem 1:2-Rückstand und gleich zwei annullierten Treffern. "Wir haben gegen alle Widerstände angekämpft. Von der ersten bis zur letzten Sekunde haben wir alles dafür getan, die Partie zu gewinnen“, resümierte daher Anfang, dessen Aussagen auch Schuhen vollends zustimmte: "Im Laufe der zweiten Halbzeit ist ein Gefühl aufgekommen, dass es uns komplett egal ist, was noch passiert. Wir waren einfach fest davon überzeugt, das Ding zu gewinnen."

Überzeugung, die im vierten Auswärtssieg der Saison mündete. Und damit in einem wahnsinnigen Glücksgefühl. "Es tat einfach gut, nach dem Spiel im Kreis zu stehen und die Freude rauszuschreien. Das war emotional und unheimlich wichtig für die Mannschaft", so Höhn über die Emotionen des Erfolges, an dem auch die Lilienfans an einen großen Anteil hatten. Zwar weiterhin nicht im Stadion, aber doch ganz nah an der Mannschaft, wie Schuhen mit emotionalen Worten verdeutlichte: "Es ist ein unglaubliches Video von den Fans in die Mannschaft getragen worden. Das hat noch einmal die Verbindung gezeigt, die diesen Verein ausmacht.“

Gegen alle Widerstände ankämpfen. Einen Innenverteidiger mit Turban. Eine spezielle Symbiose zwischen Fans und Mannschaft. Spiegelstriche, die sich alle mit dem Überbegriff Darmstadt 98 zusammenfassen lassen. Oder im Adrenalinrausch mit dem Ausruf: „This is f**cking Darmstadt!“

"Nächste Woche wieder!"

Als der Lilien-Tross um 1:15 Uhr in der Nacht an das Böllenfalltor zurückkehrte, da prangte dort bereits ein Banner. "Das war Darmstadt!“, war in der ersten Zeile zu lesen. Es folgte die zweite: "Nächste Woche wieder!“ Denn eines ist klar. Der Sieg in Paderborn? Er fühlt sich unheimlich gut an. Doch die Tabellensituation bleibt eine angespannte. Es braucht mehr Punkte. Am besten direkt am Samstag gegen Aue. "Im Rückblick wird sich zeigen, ob Paderborn ein Wendepunkt war", sagte Schuhen am Samstag, bevor er ergänzte: "Aber ich bin sehr guter Dinge. Die Aufgabe wird sein, irgendwann wieder das spielerische mit diesem kämpferischen zu kombinieren. Aber wir wissen, worauf es aktuell ankommt."

Auf alles, was Darmstadt 98 ausmacht. F**king Darmstadt 98.

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