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Déjà-vu

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Fabian Holland braucht einen Moment für sich. Er steht im Mittelkreis, ungläubig. Sein Blick ist leer. Dann hebt der Kapitän der Lilien den Kopf, sein Blick klart auf. Mit beiden Augen fixiert Holland die riesige LED-Großleinwand an der Düsseldorfer Stadiondecke - 3:2 für Fortuna Düsseldorf, so prangt es dort. Nach so einem Spiel. Unfassbar. Auf den Tag genau vier Monate später ist es Immanuel Höhn, der nach Schlusspfiff einen Moment für sich braucht. Im eigenen Sechzehner lässt er seinen Körper nieder, nur Gesäß und Füße berühren den Rasen. Die Arme hat er frustriert um die Knie geschlungen. Dann lässt Höhn einen mit Leere gefüllten Blick durchs Stadion schweifen. Ein Blick, der wenige Wimpernschläge später wieder aufklart. Spätestens als er die provisorische Old-School-Anzeigetafel auf der gegenüberliegenden Darmstädter Südtribüne entdeckt - 2:1 für Fortuna Düsseldorf, so prangt es dort. Nach so einem Spiel. Déjà-vu.

Foto: Dominik Claus

"Wir waren über die 90 Minuten das klar bessere Team", sagte Tobias Kempe im Dezember 2020. Markus Anfang schlug vor vier Monaten auf der Pressekonferenz in den Katakomben der Merkur Spiel-Arena in die gleiche Kerbe: "Bei allem Respekt vor Fortuna Düsseldorf, aber heute hat nicht die bessere Mannschaft gewonnen." Es sind Worte, die das Hinspiel in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt perfekt zusammenfassten. Sätze, die aber auch für das Rückspiel im südhessischen Darmstadt exemplarisch sind. April 2021, Patrick Herrmann: "Es hat heute nicht die bessere Mannschaft gewonnen." Denn wieder machten die Lilien ein wirklich gutes Spiel, wieder kreierte sich der SV 98 zahlreiche gute Torchancen, wieder ließ die blau-weiße Hintermannschaft nahezu nichts anbrennen. "Und trotzdem verlieren wir mit 1:2, das tut natürlich weh", erklärte Höhn.

Guter Fußball, viele Chancen, keine Punkte

Das Duell am Böllenfalltor waren abermals 90 Minuten, wie sie schon so oft in dieser Saison zu beobachten waren - guter Fußball, viele Chancen, aber keine Punkte. Was nützt es da, wieder für einen ansehnlichen Auftritt gelobt zu werden? "Düsseldorf hat aus beiden Spielen gegen uns sechs Punkte geholt, deswegen können wir jetzt natürlich keine große Klappe haben", betonte Holland. Dennoch wurde deutlich, wie die Gästemannschaft zunächst keine Mittel gegen die Darmstädter Muster fand. Düsseldorf habe auch im Rückspiel nicht wirklich gewusst, "wie sie uns verteidigen sollen", fügte der Lilien-Kapitän an.

Mit der identischen Spielanlage aus den vergangenen drei Partien bestritten die Darmstädter auch das Duell am Ostersonntag. Eine Spielweise, die vor der Länderspielpause sieben von möglichen neun Zählern aufs Punktekonto bugsierte. Wenig Risiko, der Schwerpunkt auf die Defensive, vorne die sich bietenden Räume konsequent bespielen. So funktionierte es gegen Paderborn, Aue und Braunschweig. So sollte es auch gegen Düsseldorf gelingen. Warum es das allerdings nicht tat, erklärte Holland folgendermaßen: "Die Fortuna hat das Maximum aus ihren Möglichkeiten herausgeholt." Darmstadt dagegen nicht. Während die Nordrhein-Westfalen aus zwei Abschlusssituationen zwei Tore machten, ließen die Lilien teils hochkarätige Chancen aus. Die gnadenlose Effizienz der Gäste, sie sorgte für den Unterschied in diesem Spiel. Es ist das, was sich die Südhessen ankreiden lassen müssen: vorne die eigenen Chancen nicht genutzt, hinten in zwei Momenten nicht aufmerksam genug verteidigt.

"Wir fahren dorthin, um das Spiel zu gewinnen"

Viel Zeit haben die Lilien allerdings nicht, um sich lange über die liegengelassen Punkte zu ärgern. Eine kurze Woche wartet auf sie, welche schon am Freitag (9.4., 18.30 Uhr) im Auswärtsspiel beim Hamburger SV ihren Höhepunkt findet – gegen den Tabellenzweiten, gegen einen der Aufstiegsfavoriten schlechthin. Doch egal, ob gegen den Spitzenreiter, den Zweitplatzierten oder das Schlusslicht. "Wir fahren dorthin, um das Spiel zu gewinnen", gab Höhn die Marschroute bereits am Sonntag vor.

Im Volksparkstadion gibt es dann wie schon in Düsseldorf zwei riesige LED-Großleinwände unter der Stadiondecke. Was am Freitagabend hoch über dem Rasen aufleuchten soll, ist ein dem Spielverlauf entsprechendes Ergebnis – bestenfalls für die Lilien. Ein erneutes Déjà-vu will keiner der blau-weißen Protagonisten nach Schlusspfiff erleben.

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