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"Wir sind noch nicht satt"

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Dass in diesem Spiel noch so viele Tore fallen, damit hätte wohl niemand gerechnet. Es war vielmehr eines dieser typischen Unentschieden-Spiele – ausgeglichen, wenig klare Torchancen. Und dennoch zappelte der Ball irgendwann im Netz. Nach einer Standardsituation. In der Schlussphase. Normalerweise gewinnt die Mannschaft ein solches Duell, die den ersten Treffer markiert. Doch war es so? Mitnichten. Das Gegentor? Eine Initialzündung - für die Gastgeber, die sich plötzlich in einen Rausch spielten, binnen zwei Minuten die Partie drehten und nach einem irren Finish als Sieger vom Platz gingen. Das war er, der Spielfilm des Hinspiels im Bochumer Ruhrstadion.

Foto: Claus

Fast vier Monate später, Rückspiel. Darmstadt, Böllenfalltor. Und das Drehbuch? Es war das gleiche. Wieder ging die Auswärtsmannschaft spät in Führung. Wieder agierten die Hausherren im Anschluss wie beflügelt – erst der Ausgleich durch Christian Clemens, dann der Führungstreffer durch Serdar Dursun. Mit seinem 21. Saisontor legte letzterer sogar noch einen drauf, aus 0:1 wurde ein 3:1. "Manchmal ist Fußball schwer zu erklären. Aber der Rückstand war wie eine Initialzündung für uns, dass wir gar nichts mehr zu verlieren haben", erklärte Clemens nach Spielende. Gerade die Minuten nach der Bochumer Führung waren beispielhaft dafür, wie eine Mannschaft auf einen Rückstand reagieren sollte – ohne Kompromisse, konsequent, eiskalt. Auch Marcel Schuhen befand: "Die Reaktion auf das 0:1 war wirklich super."

Gut, kompakt und diszipliniert

Festzuhalten bleibt aber auch, dass die Lilien nicht erst in der Schlussphase ein gutes Spiel machten. Über die gesamte Spielzeit lieferten die Darmstädter einen erwachsenen und sehr stabilen Auftritt. Vor allem defensiv ließ der SV 98 gegen den Tabellenführer und eine der besten Offensiven der Liga nahezu gar nichts anbrennen. Markus Anfang zeigte sich darübersehr zufrieden und sprach seiner Mannschaft ein großes Kompliment aus. Seine Mannen hätten gut, kompakt und diszipliniert gegen den Ball gearbeitet. "Und das gegen ein Team wie Bochum mit so hoher Qualität", führte der Cheftrainer der Lilien aus. Eine stabile Defensive und eine kaltschnäuzige Offensive, dazu die eingewechselte Qualität von der Bank: Sie waren der Schlüssel zum Sieg gegen den VfL Bochum.

Ein Sieg, der dem SV Darmstadt 98 mit nun insgesamt 42 Punkten am 31. Spieltag den sicheren Klassenerhalt bescherte. Dabei hatten die Lilien vor acht Spielen genau darum noch bangen müssen. Die 0:1-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC war der Tiefpunkt dieser Saison. Ein Tal, aus dem sich die Südhessen aber aus eigener Kraft wieder hinauskämpften. Umso höher ist es daher einzuordnen, was für eine Serie die Darmstädter im Anschluss starteten: 17 Punkte aus acht Partien. Darunter Siege in Hamburg und gegen Bochum sowie ein Unentschieden gegen Greuther Fürth – sieben Zähler gegen die Top-Drei-Teams der 2. Bundesliga. Fabian Holland: "Vor ein paar Wochen war die Situation sehr ernst. Deswegen ist es ein Erfolg, dass wir uns schon jetzt den Klassenerhalt gesichert haben." Auch Anfang sah das so: "Wir sind sehr froh darüber, dass wir die 40-Punkte-Marke nun geknackt haben."

"Wir sind noch nicht satt"

Doch ausruhen auf dem sicheren Klassenerhalt wird sich am Böllenfalltor niemand. Die Saison austrudeln lassen, die letzte drei Spiele abschenken? Fehlanzeige. "Wir sind noch nicht satt", sagte Clemens noch am Montagabend in aller Deutlichkeit. Hannover, Heidenheim und Kiel heißt das namhafte Restprogramm vor der Sommerpause. "Wir sind noch lange nicht fertig", betonte auch Holland und schob energisch hinterher: "Wir wollen die maximale Punktzahl aus den letzten Spielen holen." So lautet sie also, die Vorgabe für das Drehbuch der letzten drei Akte der Saison 2020/21.

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