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Quo Vadis 2011? AUFSTIEG!

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Die Saison 2010/11 endete mit dem sensationellen Drittliga-Aufstieg der Lilien. Dabei hatte der SV98 noch im Vorjahr lange Zeit um den Klassenerhalt bangen müssen. Eine unvergessliche Spielzeit mit einem famosen Endspurt. Vereinsarchivar Jürgen Koch erinnert sich.

Foto: imago

Noch 2008 stand der SV Darmstadt 98 am finanziellen Abgrund, ja sogar vor der Gefahr der Vereinsauflösung. Dank unermüdlichem, mutigem, herzzerreißendem und intelligentem Einsatz der neuen Vereinsführung, aber insbesondere der Fans, Freunde und Mitglieder des Vereins, schaffte es der SV 98 als bis dato einziger Verein, sich selbst aus einem Insolvenzverfahren zu retten. Sportlich wandelten wir mit unseren minimalen Mitteln eher am Rand zum nächsten Absturz in die Oberliga. In der Saison 2009/2010 konnten wir erst kurz vor Schluss den Abstieg verhindern.

Vor der Saison 2010/2011 forderte Trainer Runjaic im Lilienkurier noch Respekt für die Mannschaft, Unterstützung und Vertrauen in die neuen Spieler. Unser Pfund, so Runjaic, sei die jetzt wirtschaftlich stabile Situation und die Ruhe im Verein. Schon im Lilienkurier Nr. 4 zum Heimspiel gegen Wehen sprach Hans Kessler von einer ersten kleinen Aufbruchsstimmung, freute sich auf die Spiele gegen Hessen Kassel. Kassel war zu diesem Zeitpunkt, und bis kurz vor Saisonabschluss, das Nonplusultra der Liga. Der wirkliche Favorit, der mit viel Aufwand und Investitionen zurück in den Profifußball wollte.

Am 13. Spieltag hatte Kassel neun Punkte Vorsprung auf den SV 98. Noch einmal Hans Kessler im Lilienkurier: "Ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass wir den nächsten Schritt ebenfalls gemeinsam meistern werden und die Lilien wieder ein sportliches Zeichen setzen. Der Anfang ist gemacht und wenn wir unser Ziel ‚Aufstieg 3.Liga‘ gemeinsam verfolgen, werden wir das auch schaffen!" Vizepräsident Markus Pfitzner stellte in der JHV im Oktober 2010 fest, dass der Verein wieder an Akzeptanz in der Stadt und der Region gewonnen hat. Der Verein ist nun auch für Sponsoren wieder verlässlich, wir engagieren uns auch außerhalb des eigenen Vereinslebens in Schulen, Vereinen und sozialen Werken. Der SV 98 im Winter 2010 also im kompletten Um- und Aufbruch, aus dem fast schon verheerenden Dornröschenschlaf, der von mindestens 1998 bis 2007 anhielt, aufgewacht. Was fehlte, war der sportliche Teil der Mission. Jetzt, seit Herbst 2010, formulierte man das Ziel Aufstieg erst klar und öffentlich.

Im Winter 2010/2011 wurde durch die Insolvenzen der SpVgg Weiden und des SSV Ulm aufgezeigt, auf welch wirtschaftlich tönernen Füßen der DFB seine Regionalligen gestellt hat. Eine, auch vom SV Darmstadt 98 stark unterstützte, Regionalligareform war gescheitert. Von der Neubewertung der Spiele gegen Weiden und Ulm profitierte der SVD und rutschte von Platz fünf auf Platz zwei der Tabelle, näher an Hessen Kassel heran. Es entstand Woche für Woche ein spannender Zweikampf der beiden hessischen Traditionsvereine. Das vielleicht vorentscheidende Spiel, Darmstadt gegen Kassel, lief am 16. April 2011 am Bölle. 8.100 Zuschauer sahen ein spannendes Spiel, Kassel lag in der Pause 2:0 vorn. Große Hoffnungen machte man sich auf den Rängen von Darmstädter Seite aus nicht mehr. Was aber die Zuschauer nicht wussten, war was in den Kabinen in der Halbzeit los war. Sascha Amstätter erzählte nach dem Spiel breit grinsend, dass die Kasseler die 98er provozierten mit Sprüchen und lauten Gesängen, sie also ihren Sieg und Aufstieg schon feierten. Der Trainer musste kaum noch etwas sagen. Was folgte war ein auch für die spätere Zukunft typische Spielweise: Mit viel Herzblut, Mut und Kampf können wir alles schaffen. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Henry Onwuzuruike in der 47. und Olli Heil in der 55. Spielminute sorgten rasch für den Ausgleich. Dann kam in der 88. Minute der Lucky Punch: Der bis dahin im Trikot des SV 98 kaum aufgefallene, aber technisch hochbegabte Abdelaziz Ahanfouf markierte mit einem unfassbaren Kunststück den 3:2-Siegtreffer. Nicht die Lilien, sondern Kassel war geknickt, versank später in den Niederungen der Amateurklassen. So eng ist Fußball…

Vom 25. bis 34. Spieltag verlor der SV 98 kein einziges Spiel. Herzschlagspiele gegen die Zweitvertretungen aus Fürth, Freiburg und den beiden Frankfurter Vereinen waren inbegriffen. Das emotional größte Spiel fand aber bei Wormatia Worms statt. Das kleine Stadion platzte aus allen Nähten. Die Wormser Verantwortlichen unternahmen alles, um einen friedlichen, verantwortungsvollen und sportlichen Rahmen zu schaffen. In der 48. Minute ging Worms, trotz drückender Überlegenheit der Lilien, in Führung. „Süd“Hesse schaffte in der 54. Minute den Ausgleich. Dann kam dieser Superschuss von Yannick Stark in der 87. Minute. Jetzt war die Tür weit auf für den Aufstieg. Eine Woche später machten wir das mit einem 4:0 gegen den FC Memmingen perfekt.

Jürgen Koch
Archiv SV Darmstadt 98

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