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Von Emotionen und Selbstkritik

Profis

In dieser 2. Bundesliga kann jeder jeden schlagen. Ein oft zitierter Satz in den vergangenen Jahren, der dadurch aber nicht unwahrer wird. Nuancen liegen oft zwischen den Teams, Kantersiege sind eine Rarität. Und auch auf die Tagesform kommt es an, ebenfalls so ein oft bemühter Satz. Und diese zeigte bei den Lilien an diesem Sonntagnachmittag in Rostock nicht in jene Richtung, um eine volle Punktausbeute mitzunehmen. Mehr noch: Weil Hansa vom frenetisch getragenen Publikum inmitten einer starken Schlussphase sogar das 2:1 erzielte, war es letztlich nicht mal ein Zähler für die Lilien.

Foto: Stefan Holtzem

Dort feiernde Hanseaten, daneben enttäuschte Darmstädter. Zwischen Sieg und Niederlage, zwischen Freude und Enttäuschung lagen an diesem 6. Spieltag der 2. Bundesliga nur wenige Meter. Das galt für nach dem Abpfiff, aber auch während der gesamten 90 Minuten. Denn im Gegensatz zu den vergangenen Wochen, als sich die Lilien mit zwölf Treffern in den letzten drei Spielen zur stärksten Offensive der Liga schossen und damit sieben von möglichen neun Zähler sammelten, versäumten die Südhessen in Rostock das Toreschießen aus dem Spiel heraus. "Die Effektivität der letzten Wochen ist uns heute abhandengekommen", so der Cheftrainer des SV 98. Die gleiche Meinung vertrat auch Marcel Schuhen. Der Torhüter sagte: "In den vergangenen Spielen waren wir eiskalt, das waren wir heute nicht. Und dann gewinnen wir so ein Spiel auch nicht."

Rostocks Trainer Jens Härtel gab hinterher auch unumwunden zu: "Wenn es dumm läuft, hätten wir heute wieder mit leeren Händen dastehen können. Darmstadt hatte die Möglichkeiten." Auch Torsten Lieberknecht wusste auf der Pressekonferenz nach der Partie um hundertprozentige Gelegenheiten seines Teams, die hätten zum Torerfolg führen müssen: "In beiden Halbzeiten hatten wir direkt zu Beginn jeweils die größten Chancen."

"Total unnötig"

Und doch wäre es zu einfach, die Niederlage in Rostock, die eine Lilien-Serie aus drei ungeschlagenen Duellen beendete, nur an der mangelnden Effektivität festzumachen. Es war eine Niederlage, die vermeidbar gewesen wäre. Als "total unnötig" beschrieb Schuhen diese. Die Darmstädter Protagonisten zeigten sich im Anschluss selbstkritisch, im Vordergrund standen nicht nur die verpassten Großchancen von Luca Pfeiffer und Lasse Sobiech zur frühen Führung oder Benjamin Goller zum Ausgleich.

Doch auch in puncto Zweikampfschärfe und Bereitschaft war Rostock vor über 14.000 Zuschauern im Ostseestadion den Darmstädtern die entscheidende Nuance überlegen. "Von den Fans angetrieben, wollte es Hansa heute einfach einen Ticken mehr. Das müssen wir uns vorwerfen lassen", verdeutlichte Lieberknecht. Etwas, was vor allem auch Fabian Holland bitter aufstieß. Der Kapitän angefressen: "Wenn es von außen so aussieht, dass Rostock es mehr wollte als wir, dann ist das schlecht. Das darf uns nicht passieren." Umso kurioser, dass die Lilien dennoch dickste Möglichkeiten hatten, ein paar "dreckige" Punkte aufs Konto zu stiebitzen. Gleich zweimal liefen die Südhessen alleine auf das Tor von Kolke zu, doch zweimal wurde der Ball nicht im Tor untergebracht.

"Die Niederlage wird uns nicht umwerfen"

Die Niederlage an der Ostsee? Sie war ein Rückschlag, ganz klar. Doch von diesen gab es gerade zu Beginn dieser Saison schon genug. Aber die Lilien haben in dieser noch jungen Spielzeit bewiesen, dass sie sich von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen. Sondern als Mannschaft über ihren Teamgeist und den bereits gezeigten spielerischen Lösungen die Antwort liefern wollen. Kapitän Holland stellte stellvertretend klar: "Die Niederlage wird uns nicht umwerfen."

Nun geht es also zurück ins Merck-Stadion am Böllenfalltor, in dem die Südhessen zuletzt zweimal wie entfesselt aufspielten. Gegner am kommenden Sonntag (19.9./13.30 Uhr) ist Dynamo Dresden. Und Lieberknecht versprach noch in Rostock: "Gegen Dresden werden wir ein anderes Gesicht zeigen." Auch gegen den hervorragend gestarteten Aufsteiger aus Sachsen wird es auf Kleinigkeiten ankommen, geistige Frische in den entscheidenden Momenten sowie Wehrhaftigkeit in vielen intensiven Duellen. Und in diesen Momenten wollen die Lilien das Spiel diesmal wieder in ihre Richtung kippen lassen.

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