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Mit Seriosität und Aue im Kopf

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Eigentlich hätte es mehrere gute Gründe gegeben, die man nach Abpfiff hätte herausstellen können: Erstmals seit 40 Jahren feierten die Lilien wieder sechs Zweitliga-Heimsiege in Folge. Zudem krallten sich die Südhessen nicht nur gegen den bisherigen Spitzenreiter der 2. Bundesliga namens FC St. Pauli mit einem 4:0-Erfolg die drei Punkte, sondern heimsten gleichzeitig auch der fünften Dreier aus den letzten sechs Partien ein. Und dann war da ja auch noch diese furiose erste Halbzeit, in der sich die Mannschaft wie entfesselt in einen Rausch spielte und mit einer 4:0-Pausenführung bereits die Weichen auf Heimsieg stellte. Doch trotzdem.

Foto: eibner Pressefotos

Doch trotzdem verlor Torsten Lieberknecht darüber auf der Pressekonferenz nach der Partie kein Wort. Vielmehr beeindruckte ihn der zweite Spielabschnitt, in dem ja aber eigentlich gar kein Tor mehr fiel. “Mir hat am ganzen Spiel am meisten gefallen, dass die Mannschaft nach der 4:0-Führung in der zweiten Halbzeit so extrem seriös geblieben ist”, erklärte der Cheftrainer des SV 98, der vor allem die Defensivarbeit hervorhob. Eine Leistung des gesamten Abwehrverbundes, die dafür sorgte, dass die Blau-Weißen nun schon seit 490 Heimminuten ohne Gegentreffer sind und bereits fünfmal in dieser Saison ein Spiel mit Weißer Weste beendeten.

"Daran wird sich auch nichts ändern”

Es ist genau diese Seriosität, die den SV Darmstadt 98 trotz aller Euphorie in dieser Spielzeit auszeichnet. Nicht abzuheben, sondern auf dem Boden zu bleiben: Das bleibt auch weiterhin die Devise der Darmstädter Protagonisten. Und dennoch. “Natürlich genießen wir diesen Moment”, betonte Fabian Holland: “Aber wir wissen auch, dass wir immer weiter dranbleiben müssen.” Eine Einstellung, mit der die Lilien seit Beginn dieser Spielzeit sehr gut fahren. Der Kapitän: “Niemand lässt locker und daran wird sich auch nichts ändern.”

Auch nicht nach 26 Punkten sowie “Spitzenreiter”-Sprechchören von den Rängen im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Schließlich hätten noch alle Beteiligten die so schwierigen Wochen zu Saisonbeginn im Kopf, wie Luca Pfeiffer herausstellte. Daher tun die Lilien gut daran, die Tabelle “von rechts nach links zu lesen”, verdeutlichte Lieberknecht. Denn dort, auf der rechten Seite des Tableaus, stehen die gesammelten Zähler: “Das Allesentscheidende in dieser extrem ausgeglichenen Liga.“ Und genau dieses Punktekonto gilt es, in den nächsten Wochen weiter aufzustocken.

Pauli-Party? Aue im Kopf

Pfeiffer: “Wir tun gut daran, überhaupt nichts schleifen zu lassen. Das zeichnet die Mannschaft aus, alle sind total auf dem Boden geblieben.” Der Beweis? „Aue“ war fast eines der meistgenannten Worte in den Interviews nach Abpfiff – und auch am Sonntagmorgen. Es spricht für die Mannschaft und die Verantwortlichen, dass sie verbal schon wieder den Fokus auf das knüppelharte Auswärtsspiel am kommenden Samstag legte und mental gar nicht lange beim Heimsieg verweilen wollte.

Schließlich warten bis zur Winterpause noch vier harte Brocken auf die Darmstädter. Es geht gegen eine formstarke Mannschaft aus Aue, Fortuna Düsseldorf sowie gegen die aktuellen Spitzenmannschaften aus Paderborn und Regensburg - Gegner, vor denen sich der SV 98 aber keinesfalls verstecken muss. Das haben die letzten Wochen und vor allem der Auftritt gegen den FC St. Pauli gezeigt. Selbst Gästetrainer Timo Schultz musste am Samstagnachmittag anerkennen: “Darmstadt war heute verdammt gut. Was mir am besten gefällt, ist die Energie, die in dieser Mannschaft steckt.”

Einer für alle, alle für einen

Eine Energie, die jeden Einzelnen und jeden Mannschaftsteil zu Höchstleistungen antreibt. Oder wie Pfeifer es ausdrückte: “Wir können uns vorne auf die Jungs hinten verlassen und die Jungs hinten können sich auf die Vorderen verlassen.” Doch gehören nicht nur diese elf Mann auf dem Feld dazu. “Es sind eben nicht nur die Spieler, die auf dem Platz stehen. Auch die Spieler auf der Bank und der Tribüne halten das Gemeinschaftsgefühl hoch”, lobte Carsten Wehlmann am Sonntagmorgen im Sky-Gespräch (21.11.). Gemeinsam hätten alle Lilien-Akteure eine so positive Entwicklung genommen, weshalb Spieltag für Spieltag eine Mannschaft auf dem Platz stehe, bei der “jeder für jeden in die Bresche springt”, so der sportliche Leiter des SV 98 weiter.

Einer für alle, alle für einen also. Etwas, was das Team am Böllenfalltor verinnerlicht hat. Ein Motto, dass es auch am kommenden Wochenende im Erzgebirge wieder abzurufen gilt. Denn am Samstag (27.11./13.30 Uhr) erwartet die Lilien eine Auer Mannschaft, die in den vergangenen Spielen zehn Punkte holte. Fabian Holland wusste daher bereits nach Abpfiff: “Über Aue muss ich nicht viel erzählen, da spielen nicht viele Mannschaften gerne.” Doch die Darmstädter werden sich auch dieser Herausforderung stellen, sich auf dieses schwierige Duell fokussieren und bestens darauf vorbereiten. Mit größtmöglicher Seriosität.

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