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Ein Reifeprozess

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Nein, es muss nicht immer Spektakel sein. Kein 4:0-Fußballfest wie gegen Rostock. Keine Last-Minute-Gegentore wie gegen Bielefeld. Kein wildes 3:3 wie in Kaiserslautern. Es geht eben auch ohne große Show unten auf dem Spielfeld. So wie beim 2:0-Heimerfolg des SV Darmstadt 98 gegen den 1. FC Nürnberg. Denn die Höhepunkte des Spiels, sie sind schnell erzählt: Manu auf den rechten Fuß von Kempe, 1:0. Kempe auf den Schädel von Tietz, 2:0. Schlusspfiff.

Foto: SV 98

Auch Torsten Lieberknecht stellte auf der Pressekonferenz nach der Partie fest: “Es war ein Spiel ohne große Highlights.” Diese brauchte es an diesem Samstagmittag im Merck-Stadion am Böllenfalltor aber auch gar nicht. Und man könnte sogar spöttisch behaupten: Schön, dass es so ereignislos war. Es war eben anders als noch in den vergangenen Wochen. Es war einfach, es war gut. Es war ein Auftritt, der von Reife zeugte. Eine seriöse Leistung der Mannen des SV 98. Und es war der Beweis dafür, dass der angestoßene Prozess der letzten Spieltage seine Früchte trug.

"Lebhafte Diskussion" bringt Erfolg

Noch in Kaiserslautern gaben die Lilien wie schon gegen Heidenheim und Bielefeld eine Führung aus der Hand. Doch bereits einen Tag nach dem Duell auf dem Betzenberg kamen Mannschaft und Trainerteam zur Analyse wieder zusammen. Es sei “eine lebhafte Diskussion” gewesen, wie Lieberknecht später verraten sollte. Kein Monolog des Trainers also, sondern vielmehr die intensive und vor allem gemeinsame Erarbeitung von Lösungsansätzen. Etwas, was dem 49-jährigen Übungsleiter der Darmstädter schon auf der Pressekonferenz vor dem Spiel imponierte. Und auch nach dem Sieg gegen den FCN lobte er seine Mannschaft: “Wir haben aus Kaiserslautern gelernt und uns eine Strategie überlegt, wie wir gegen Nürnberg besser verteidigen können. Das haben die Jungs super umgesetzt.”

Gewinnbringende Defensivarbeit

Zwar spielten die Nürnberger deutlich mehr Pässe (350 : 580) und hatten mehr Ballbesitz (38 : 62 Prozent). Doch trotzdem feierten die Lilien einen verdienten Heimsieg. Weil sie sich eben in den entscheidenden Situation extrem effektiv zeigten. Das galt im Offensivbereich, aber vor allem auch für den Abwehrverbund der 98er. “Wir haben als Mannschaft heute überragende Defensivarbeit geleistet”, betonte Phillip Tietz. Die bessere Zweikampfquote (56 : 44 Prozent) auf Seiten der Lilien untermauerte seine Aussage. Aufgrund einer stets kompakten und konzentrierten Abwehrleistung sowie der nötigen Bissigkeit in den Zweikämpfen boten die Südhessen den Gästen aus Franken wenig bis gar keine Möglichkeiten für wirklich gefährliche Aktionen. Ein bemerkenswerter Fakt gerade gegen ein so spielstarkes Team, wie der FCN es ist.

Dagegen nutzten die Darmstädter ihre wenigen klaren Torchancen eiskalt aus und ließen sich ihre komfortable Führung nicht mehr aus der Hand nehmen. “Überragend war, wie erwachsen wir den Sieg über die Zeit gebracht haben”, fasste Kempe glücklich zusammen. Auch Kapitän Fabian Holland unterstrich: “Man hat auf dem Feld und in der Art und Weise, wie wir uns gepusht haben, gesehen, dass wir auf keinen Fall ein Gegentor kassieren wollten.” Es war ein Auftritt, der zeigte, “dass Defensivarbeit auch gewinnbringend sein kann”, erklärte Lieberknecht.

Erst Pause, dann der nächste Brocken

Eben eine über 90 Minuten ausnahmslos fokussierte Leistung, die den Lilien die Saisonpunkte 16, 17 und 18 bescherte und den SV Darmstadt 98 damit weiter ungeschlagen bleiben ließ. Seit nun acht Spielen haben die Südhessen nicht mehr verloren. Bevor es daran beim Spitzenteam aus Paderborn (30.9./18.30 Uhr) anzuknüpfen gilt, wollen die Mannen vom Böllenfalltor in der nun anstehenden Länderspielpause die nötigen Kräfte sammeln. Diese braucht es auch, um in dieser enorm ausgeglichenen 2. Bundesliga zu bestehen. Weil eben “jeder Gegner eine wahnsinnige Stärke hat” (O-Ton Lieberknecht), gibt es zahlreiche Spieltage voller Spektakel. Manchmal reicht aber eben auch einfach nur ein erwachsener Auftritt in einer Partie ohne große Highlights, um erfolgreich zu sein.

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