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"15. Erinnerungstag im deutschen Fußball" am 19. und 20. Spieltag

„!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ hat sich die Botschaft der Überlebenden des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau zu eigen gemacht. Seit bereits 15 Jahren setzt sich die Initiative für eine wertschätzende und demokratische Gesellschaft ein, in der die Würde des Menschen unantastbar ist.

Die Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau wurden am 27. Januar 1945 aus ihrer Gefangenschaft befreit. Rund um diesen Jahrestag erinnert der gesamte deutsche Fußball – Fans, Clubs und Verbände – an die Gräueltaten der Nationalsozialisten. Der 15. Erinnerungstag im deutschen Fußball wirbt um ein respektvolles Zusammenleben der Völker Europas. Er erinnert unter anderem auch an Walther Bensemann, den ehemaligen Herausgeber des „kicker“. Bereits 1923 warb er in einem Beitrag des Sportmagazins für ein Modell gegen Nationalismus und Militarismus: die Vereinigten Staaten von Europa. Er war davon überzeugt, dass der Fußball einen Beitrag für ein friedliches und tolerantes Deutschland und Europa leisten könne.

Ehemaliger Lilien-Präsident Dr. Karl Heß musste Amt niederlegen

Heute wissen wir, dass sich das Land mit schrecklichen Folgen für den falschen Weg entschied. Das gilt auch für viele Fußballclubs, die Mitglieder aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer politischen Überzeug ausschlossen und diskriminierten. Beim SV 98 spiegelten sich diese Tendenzen insbesondere im Schicksal von Dr. Karl Heß wider. Der ehemalige 1. und 2. Vorsitzende des Klubs war jüdischer Herkunft und wurde 1933 infolgedessen vom Verein ausgeschlossen, sein Amt musste er niederlegen. Nach langjährigem Exil zunächst in Südfrankreich, später in Brasilien, kehrte Dr. Heß 1963 nach Darmstadt zurück – seine Familie war unterdessen im Zuge des Holocaust fast vollständig ermordet worden. Zurück in der vermeintlichen Heimat erhielt Karl Heß zu Lebzeiten nie eine Entschuldigung oder sonstige Rehabilitation der Stadt Darmstadt. Desillusioniert zog er erneut nach Brasilien, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte und 1975 verstarb – in Darmstädter Erde wollte er nicht begraben werden.

Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des Vereins - Kranzniederlegung am Dienstag

In den vergangenen Jahren hat der SV 98 es sich nun zur Aufgabe gemacht, dieses Kapitel der eigenen Historie angemessen aufzuarbeiten. Zu Dr. Heß' Gedenken wurde im Januar 2017 bereits der "Dr.-Karl-Heß-Platz" vor der Böllenfalltor-Sporthalle eingeweiht. Bei der Mitgliederversammlung im Oktober 2018 wurde er zudem posthum zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Hiermit möchte der SV 98 Dr. Heß ein ehrenvolles Andenken bewahren und im Zuge dessen auch an die unzähligen Opfer des Holocaust erinnern. Am Dienstag (29.1. / 18.15 Uhr) werden rund um den Spieltag vor dem SV Darmstadt 98 und dem FC St. Pauli die beiden Präsidenten Rüdiger Fritsch und Oke Göttlich auf dem Dr. Karl-Heß-Platz einen Kranz niederlegen. (Alle Infos gibt es hier)

Heute gilt der 27. Januar 1945 als ein Wendepunkt in der deutschen und europäischen Geschichte. Mit ihm wuchs die Hoffnung auf ein Leben in Würde und Freiheit für jedermann. Auch vor dem Hintergrund des eigenen Versagens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnert der deutsche Fußball inzwischen regelmäßig an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Mit vielen Maßnahmen engagiert er sich auch abseits des 27. Januars regelmäßig für ein faires Miteinander in unserer Gesellschaft.
Der deutsche Fußball bekennt sich zur europäischen Wertegemeinschaft, zur Demokratie und Toleranz – individuell ebenso wie gemeinschaftlich und auf allen Ebenen. Heute hat der deutsche Fußball den Mut und das Verantwortungsbewusstsein, sich für jene Werte und Vorstellungen einzusetzen, die dem Fußball von jeher innewohnen und die Walther Bensemann ihm vor fast 129 Jahren ins Stammbuch geschrieben hat.

Mehr Informationen zur Initiative finden Sie HIER.