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Ein dreckiger Sieg

Mit dem Abpfiff wurde die pure Freude sichtbar: Voller Inbrunst schrien sich Victor Palsson, Immanuel Höhn & Co. ihren Jubel über den Auswärtsdreier in Magdeburg aus dem Brustkorb - die Fäuste geballt, die Oberkörper angespannt und die Münder weit aufgerissen. Denn alle Beteiligten waren sich in diesem Moment bewusst: Das war ein ganz wichtiger Erfolg und Zwischenschritt im Kampf um den Zweitligaverbleib. Am Ziel aber - da waren sich alle nach dem Schlusspfiff einig - ist man trotz des Erfolges noch nicht.

Foto: Hübner

"Solche Siege braucht man auf dem Weg zum Klassenerhalt", erklärte Marcel Heller kurz nach Schlusspfiff mit Bezug auf seinen späten Siegtreffer. In einem insgesamt chancenarmen Spiel schienen beide Seiten auf ein 0:0 zu steuern, doch "wir hatten das nötige Glück auf unserer Seite", resümierte der Torschütze, der gestern neben Serdar Dursun als zweite Spitze agierte. So ganz von ungefähr kam das Siegtor allerdings nicht, verriet der 33-Jährige: "Der Standard war eine einstudierte Variante." Tobias Kempe hatte einen Freistoß, zur Überraschung der Magdeburger Defensive, flach in den Sechzehner gespielt. Über Dursun fand der Ball seinen Weg zu Heller, der zur Führung einnetzen konnte. "Es ist sehr schön, dass sowas klappt. Da haben die Trainer immer neue Ideen", fand Heller lobende Worte für Dimitrios Grammozis und seine Assistenten.

Und auch der Lilien-Coach zeigte sich zufrieden mit dem Resultat: "Wir sind überglücklich, dass wir die drei Punkte mitnehmen können. Dass wir den Treffer über einen Standard machen, ist natürlich umso schöner." Denn es zeigte sich: Auch für Spiele, in denen die Lilien nicht die bessere Mannschaft sind und spielerische Lösungen nicht so leicht fallen, haben sich Mannschaft und Trainerteam Wege zum Erfolg überlegt. Dass sich die Südhessen zuweilen nicht von ihrer allerstärksten Seite gezeigt haben, musste nämlich auch der Grieche zugeben: "Es war keine gute Partie mit vielen Fehlern auf beiden Seiten. Wir haben es nicht geschafft, die Räume zu nutzen und in der ersten Halbzeit Glück, als Ferro stark gehalten hat." Letztendlich war es "ein dreckiger Sieg". Da Siege jedoch, ganz egal wie sie entstanden sind, stets mit drei Punkten entlohnt werden, dürfte diese Tatsache im Nachhinein spätestens ab morgen eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Noch nichts entschieden

Viel wichtiger ist zunächst einmal, dass sich die Lilien mit dem Auswärtssieg weiter von der Abstiegszone absetzen konnten. "So ein Sieg ist eminent wichtig. Es ist großartig, dass wir Magdeburg nicht nur auf Abstand halten konnten, sondern den Vorsprung sogar ausbauen konnten", freute sich Immanuel Höhn. Ganz ähnlich sah das sein Nebenmann Mathias Wittek: "Neun Punkte Vorsprung sind super." Von einem vorzeitigen Klassenerhalt zu sprechen, wäre aber falsch, da sind sich die beiden Abwehrmänner einig. "Es ist noch nichts entschieden", ordnete Wittek die Tabellensituation ein. Aber: Ein großer Schritt in die richtige Richtung war es allemal.

Ein Schritt, der nicht zuletzt aufgrund der enorm couragierten Leistung der beiden Innenverteidiger und des gesamten Defensivverbundes gegangen werden konnte: "Jeder wusste, um was es heute geht. Wir haben es extrem kompakt gehalten. Alle haben sich in die Schüsse geworfen, es war ein sehr disziplinierter Auftritt", fand Höhn lobende Worte für den leidenschaftlichen Fight der Lilien.

Genau der gleiche Einsatz, die gleiche Leidenschaft und der gleiche Willen dürften am Ostersonntag gefragt sein. Dann wollen die Lilien den nächsten Schritt zu einem sorgenfreien Saisonfinish setzen. "Wir müssen die Partie wieder mit diesem Charakter angehen", weiß Wittek. Sollte das abermals zu einem "dreckigen Sieg" führen, hätte in den Reihen der Lilien sicherlich keiner etwas dagegen einzuwenden. Denn, das weiß auch der gestrige Torschütze Heller: "Was gibt es schöneres im Fußball, als Spiele zu gewinnen?"