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Wir Lilien. Aus Tradition anders
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Ein (fast) passendes Farewell

Mit schwerem Gerät starteten freiwillige Helfer am Sonntag den Abbau der Gegengerade. Speziell Stufen und Wellenbrecher - Liebhaberstücke, die Fans zuvor erworben hatten - wurden von ihrem jahrelangen Standort entfernt. Ihren letzten Dienst hatten sie am Vortag verrichtet und gemeinsam mit den Besuchern ein Spiel erlebt, das viele typische Darmstadt-Momente beinhaltete und dem einzig ein weiterer Lilien-Treffer zum perfekten Abschied gefehlt hatte.

Foto: Hübner

Der ein oder andere Stadionbesucher sprach vom typischen Gegengerade-Wetter, das die Natur zum Abschied beisteuerte. Unangenehme Windböen und ein mäßig bis starker Regen machten die Regenponchos, die den Kernpunkt der 90-Minütigen Choreographie darstellten, zu einem äußert praktischen Accessoire. Als die Akteure dann schließlich den Platz betraten, blickten sie auf eine Gegengerade in Blau und Weiß, die zum Abschied noch einmal als kompletter Heimbereich fungierte.

Und vor ebendieser Kulisse entwickelte sich ein Spiel, das sicherlich nicht der zuvor erträumten Begrifflichkeit eines „Fußballfestes“ (Dirk Schuster) entsprach, das aber durchaus im Gedächtnis bleiben wird und noch einmal ein großes Stück Darmstadt 98 verkörperte.

Personalprobleme kompensiert

Mit Aytac Sulu, Marcel Franke und Slobodan Medojevic fehlten den Lilien gleich drei Akteure, die zuvor zusammen in 34 von möglichen 35 Spielen in der Stammformation aufgetaucht waren. Ein personelles Problem, das durch den rasanten Spielbeginn nicht unbedingt gemindert wurde. „Wenn der Kapitän, der zweite Innenverteidiger und der etatmäßige Sechser ausfallen, weiß man nie so wirklich, wie man ins Spiel kommt“, erklärte Sandro Sirigu, bevor er angesichts des fragwürdigen Elfmeters und frühen Rückstandes anfügte: „Das Spiel ist denkbar schlecht losgegangen. Aber nach dem Gegentor haben wir es sehr gut gemacht, die Situationen gut gelöst und die Zweikämpfe gewonnen.“

"Waren gefühlt näher am Dreier"

Ohne drei Stützen und im Hintertreffen gegen eine Mannschaft, die mit dem neuen Trainer Morgenluft witterte, übernahmen die Lilien in der Folge immer mehr die Spielkontrolle. „Wir haben nicht die Köpfe in den Sand gesteckt“, beschrieb Sirigu die gute Reaktion seiner Farben, die Serdar Dursun schon nach 12. Minuten beinahe belohnt hätte. Sein Pfostenschuss bedeutete die erste von einigen gefährlichen Aktionen, die der SV 98 bereits vor dem Seitenwechsel herausspielte. „Wir sind nach schlechtem Start sehr gut zurückgekommen“, bilanzierte daher auch Yannick Stark am Sonntagmorgen und sprach mit dem Blick auf die gesamte Spieldauer von einem „Gefühl, näher am Dreier gewesen zu sein.“ Die Zahlen belegen dieses Gefühl: Der SV 98 gab mehr Torschüsse ab (17-6), wies mehr Ballbesitz auf (60%-40%) und lag auch bei den Ecken vorne (8-2).

Dass es schlussendlich zumindest ein Punkt wurde, lag am Powerplay, das der SV 98 spätestens nach dem Gäste-Platzverweis in der 63. Minute aufzog und an einem ebenfalls strittigen Elfmeter, den Tobias Kempe souverän verwandelte. Strittige Entscheidungen, zwei kampfstarke Mannschaften und viel Leidenschaft und Aggressivität auf seifigem Untergrund – ein passendes Farewell für ein großes Stück Vereinsgeschichte.