Keine Zeit für den Rückspiegel

"Heute leiden wir, ab morgen denken wir an Bochum." Der Satz, den Romain Brégerie nach Spielende in die Notizblöcke und Diktiergeräte der Journalisten diktierte, wurde am Montagmorgen mit Leben gefüllt. Keine 19 Stunden lagen zwischen Abpfiff und dem Beginn der ersten Einheit der neuen Woche, die bereits am Freitag mit dem Auswärtsspiel in Bochum endet. Und somit blieb kaum Zeit für Enttäuschung über die Heimniederlage gegen Duisburg. Viel eher bietet sich dem SV 98 die Chance, verlorene Punkte sehr schnell zurückzuholen.

"Uns war klar, dass Rückschlage kommen werden. Der erste kam leider mit dem gestrigen Spiel", wusste Aytac Sulu das 1:2 am Tag darauf bereits einzuordnen. Ebenso war sich der Kapitän darüber bewusst, wie er und seine Kollegen mit diesem Dämpfer umzugehen haben: "Die Devise lautet jetzt, die Köpfe freizubekommen und aus Bochum etwas mitzunehmen."

Ähnliche Worte hatte am Vortag auch Brégerie gewählt und damit verdeutlicht, dass der Terminplan keinen Blick in den Rückspiegel zulässt: "Wir werden schnell den Mund abputzen und den Fokus auf Bochum legen. Wenn wir die Punkte zuhause nicht holen, dann müssen wir sie auswärts sammeln."

Dass bis zum Auftritt an der Castroper Straße nur wenige Kalenderblätter abgerissen werden, bewertete der Innenverteidiger dabei als durchaus positiv: "Es ist gut, dass wir schon am Freitag spielen. Wir haben nicht viel Zeit zu überlegen und können es schnell besser machen."

Besser machen. Damit meinte der 31-Jährige vor allem das reine Ergebnis, das am Sonntag um 15:22 auf der Anzeigetafel im Merck-Stadion am Böllenfalltor prangte. Denn auf dem Platz hatten die Lilien nach etwas beschwerlichen Anfangsminuten eine Leistung gezeigt, mit der sicherlich gute Chancen auf Punkte in Bochum bestünden. "Wir haben ein ordentliches Spiel gemacht, es funktioniert schon vieles", bestätigte auch Sulu diesen Eindruck, ergänzte aber auch: "In Bochum müssen wir diese Leistung über 90 Minuten bringen." 

Dennoch: Auch Cheftrainer Dirk Schuster hatte trotz der entgegengesetzten Punkteausbeute "eine Steigerung zum St.-Pauli-Spiel gesehen" - in einer Partie, in der ein starker MSV "am Ende die glücklichere Mannschaft war." Klar ist aber auch, dass man gegen Bochum noch weniger zulassen und noch kaltschnäuziger vor dem gegnerischen Tor agieren möchte. 

Dieses Glück wieder auf die eigene Seite zu ziehen und es sich nach Sulus Aussagen mit den Eigenschaften "Kampf, Willen und Wucht" zu verdienen, diese Vorgabe nehmen die Lilien mit in die kurze Woche. Ebenso wie die weiterhin vorhandenen Punkte aus dem Duisburg-Spiel, an denen es in der Kürze der Zeit anzusetzen gilt. Kurzfristige Aufgaben, die bei erfolgreicher Lösung auch Brégerie positiv in Richtung Bochum blicken lassen: "Wenn wir die Kleinigkeiten abstellen, bin ich sicher, dass wir es dort packen."