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Wir Lilien. Aus Tradition anders
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Maskerade

Das Wetter am Sonntag harmonierte gut mit der etwas gedrückten Stimmung bei den Lilien. Leichter Nieselregen und eine graue Wolkendecke bildeten den Rahmen für das turnusmäßige Auslaufen, das die Akteure in dem Bewusstsein absolvierten, am Vortag nicht ihr wahres Gesicht gezeigt zu haben.

Foto: Stefan Holtzem

Dabei gewannen die Zuschauer an der Alten Försterei zunächst den Eindruck, dass der SV 98 an die überzeugende Leistung gegen den 1. FC Köln anknüpfen würde. Bereits nach zwei Minuten sorgte Serdar Dursun mit einem Abschluss für Gefahr und in der Arbeit gegen den Ball erwiesen sich die Akteure im blauen Jersey als dicht gestaffelt und konzentriert in den Zweikämpfen. "In den ersten 20 Minuten haben wir das Spiel defensiv kontrolliert", erklärte daher auch Dirk Schuster mit Blick auf die Anfangsphase, in der vieles darauf hindeutete, dass die Darmstädter auch die ungeschlagenen Unioner zum Nachdenken bringen könnten.

Was dann bis zum Halbzeitpfiff folgte, hatte den Anschein, als hätte jemand den Lilien eine Maskerade verpasst - so konträr verliefen die 25 Minuten im Vergleich zur Leistung aus der Vorwoche und auch zu den ersten Eindrücken des Tages. "Wir waren nicht richtig auf dem Platz", gab Fabian Holland ohne Umschweife zu und auch Marcel Heller bilanzierte: "Wenn du so eine erste Hälfte spielst, dann wird es bei so einem Gegner schwer, irgendwie zu punkten."

Zwei Paar Schuhe

Nicht nur der Außenbahnspieler erkannte richtigerweise, dass er und seine Kollegen den Köpenickern immer stärker "in die Karten" spielten und somit für ein Aufgehen ihres Matchplans sorgten. Sebastian Andersson bestrafte zwei Fehler gnadenlos effektiv und schickte den SV 98 mit einem Gefühl in die Kabine, die eigene Zielsetzung für die gesamte Begegnung bereits nach 45 Minuten verfehlt zu haben. "Das Spiel haben wir eindeutig in der ersten Halbzeit verloren", resümierte Schuster nach Spielende, während Holland von "zwei Paar Schuhen" sprach, die an diesem Tag zwischen Vorsatz und Umsetzung bei den Lilien lagen.

Verschiedene Schuhe, andere Gesichter – nach dem 1:3 beim Tabellendritten waren sich alle darüber einig, weit entfernt vom eigenen Maximum gewesen zu sein. "Das war nicht das, was wir können und was wir auch schon gezeigt haben", so Heller, der an die Spiele erinnerte, in denen "jeder seiner Leistung abgerufen hatte" und teilweise "souverän gewonnen wurde."

„Wir müssen uns an die eigene Nase fassen und uns fragen, was wir falsch gemacht haben“, forderte der 32-Jährige daher sofort im Anschluss mit Blick auf die kommenden Wochen und auf die "ganz harten Aufgaben", die dem Team bevorstehen.

Weihnachten ohne Kopfschmerzen

Um in den verbleibenden drei Partien dem eigenen Punktekonto weitere Zähler zuzuführen, müssen die Lilien schnellstmöglich wieder zu ihrem wahren Gesicht zurückkehren. Dem Gesicht, das sie in dieser Saison schon oft präsentiert hatten. Und welches die Mannschaft auch in Berlin zumindest ab der 70. Minute wieder an den Tag legte und zumindest noch einen Treffer "für die Moral" (Schuster) erzielte. Wunden lecken, ja. Trübsal blasen, nein. Das unterstrich auch Heller: "Wir stecken die Köpfe nicht in den Sand und werden nicht unruhig. Natürlich sind drei Niederlagen in Folge keine schöne Situation. Aber wir wollen noch ein paar Punkte vor der Pause holen, um ohne Kopfschmerzen Weihnachten feiern zu können."

Am kommenden Samstag haben die Lilien im letzten Heimspiel des Jahres die Chance, gegen Ingolstadt den ersten Schritt in diese Richtung zu gehen.