Mit "ausgefahrenen Antennen" ans Millerntor

Einfach zur Normalität übergehen wollte Dirk Schuster am Freitagmittag nicht. Und so eröffnete der 50-Jährige die Pressekonferenz vor dem Gastspiel beim FC St. Pauli mit den „besten Wünschen“ an Jeff Strasser und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass sich sein Trainerkollege bereits „auf dem Weg der Besserung befindet.“ Die guten Nachrichten aus Kaiserslautern halfen auch dem Cheftrainer und seinem Team dabei, den vollen Fokus möglichst schnell auf die anstehende Partie am Millerntor zu richten. Wo die Lilien das nächste „Kampfspiel“ erwartet, wie Schuster es im Vorfeld ausdrückte.

Foto: Huebner/Ulrich

"Wir haben ihr Spiel in Dresden mit Argusaugen angeschaut", berichtete Schuster von einem intensiven Fernsehstudium beim Auswärtssieg der Kiezkicker am Donnerstagabend. Und der Übungsleiter des SV 98 zeigte sich "beeindruckt" von der "Effizienz" des kommenden Gegners: "Das war sehr überzeugend und hat uns alle Antennen ausfahren lassen, dass wir hochkonzentriert - schon in der Vorbereitung und dann auch in der Partie - sein müssen."

Darüber hinaus zog Schuster weitere Erkenntnisse, die für eine Einordnung der Hanseaten in die Kategorie eines "aggressiven, zweikampfstarken und gut strukturierten" Kontrahenten sorgten. Eigenschaften, die gepaart mit dem Erfolgserlebnis des gestrigen Abends für eine "ganz breite Brust" bei den Kiezkickern sorgen werden, wie Schuster vorausahnt.

"Bin sehr optimistisch, dass wir an die gute erste Halbzeit anknüpfen können"

Dass die Lilien die Reise gen Norden dennoch mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein antreten können, liegt nicht zuletzt an den positiven Eindrücken aus den 45 Minuten gegen Kaiserslautern, die auch der Cheftrainer an der Seitenlinie zufrieden vermerken konnte: "Defensiv haben wir sehr gut gestanden und sehr wenig zugelassen. Auch nach vorne hatten wir gute Akzente und Ballstafetten, bei denen wir gefährlich geworden sind. Ich bin sehr optimistisch, dass wir an die gute erste Halbzeit anknüpfen können."

Die Rahmenbedingungen für ein intensives Duell in der Hansestadt sind dabei definitiv gegeben, die 30.000 Tickets bis auf vereinzelte Restkarten vollständig vergriffen. Aus Darmstadt werden rund 2700 blau-weiße Unterstützer erwartet. "Wir freuen uns auf die Atmosphäre am Millerntor. Es ist sensationell, was dort abgeht", wollte Schuster seine Vorfreude auf die 90 Minuten am Sonntag nicht verbergen, zumal die Heimstätte des FCSP bei ihm nur gute Erinnerungen hervorruft: "Wir hoffen natürlich, dort das bessere Ende für uns zu haben. Die Erfahrung durften wir schon machen, das wollen wir natürlich gerne wiederholen", antwortete der Lilien-Coach mit einem leichten Schmunzeln auf die Nachfrage nach letzten Darmstädter-Auftritt am Millerntor. Im Dezember 2014 feierten die Lilien durch einen Treffer von Fabian Holland ihren ersten Auswärtssieg in der damaligen Aufstiegssaison. Ein Déjà-vu am Sonntag würden alle Darmstädter sofort unterschrieben - und der damalige Siegtorschütze steht bekanntermaßen auch weiterhin im Kader des SV 98.

Keine Personalsorgen

Ob Dong-Won Ji ebendiesem am Sonntag bereits angehören wird, diese Information ließ Schuster auf der Pressekonferenz noch offen. Erst Sekunden zuvor hatte der frühere Nationalspieler die Ausleihe des südkoreanischen Nationalspielers gegenüber den Medienvertretern bestätigt. Spielberechtigt wäre der 26-Jährige Offensivspieler am Sonntag bereits, ebenso wie Yannick Stark, der seine Gelbsperre trotz des Spielabbruches bereits gegen Kaiserslautern abgesessen hat. Schuster hat also die freie Auswahl beim Personal für den 20. Spieltag - keine schlechte Voraussetzung für eine erneute Kiezkaperung.