In der eigenen Hand

Kollektives Abklatschen, kurze Umarmungen und das ein oder andere kleine Lächeln in den verschwitzten Gesichtern. Die Reaktionen der Lilien nach Abpfiff waren Indizien und Vorboten für das, was die Akteure einige Minuten später dann auch in Worte fassten. Der Sieg in Regensburg bringt die Lilien zwar in die Position, den Klassenerhalt in der eigenen Hand zu haben, erreicht haben sie das große Ziel aber noch lange nicht. Es warten weitere 90 Minuten und ein Gegner, der dem SV 98 alles abverlangen wird. Genug Gründe, um in dieser Woche nicht einen Prozentpunkt nachzulassen.

Foto: Stefan Holtzem

"Ich warne davor, in irgendwelche Jubelgesänge oder Euphorie zu verfallen", erklärte Cheftrainer Dirk Schuster dementsprechend auf der Pressekonferenz nach Abpfiff, bevor er anfügte: "Es ist noch nichts erreicht, es hat sich nichts geändert."

Tabelle wird weiter ausgeblendet

Natürlich war den Lilien trotzdem die Freude darüber anzumerken, erstmals seit dem 15. Spieltag wieder oberhalb der unteren drei Tabellenplätze zu stehen. Aber bei allen Beteiligten überwog das Bewusstsein, dass noch keine Saison nach 33. Spieltagen beendet wurde. "Es war ein kleiner Schritt", bilanzierte Aytac Sulu und richtete dann den Blick auf die 34. Begegnung: "Trotzdem haben wir in der nächsten Woche ein Finalspiel, so wie wir es wollten. Darauf haben wir hingearbeitet."

Bereits bei Dienstantritt im Dezember hatte Schuster gemutmaßt, dass der Weg zum Klassenerhalt  "bis zum letzten Spieltag" dauern könnte und gleichzeitig die Zielvorgabe formuliert, an ebendiesem weiterhin die Chance auf den Ligaverbleib zu besitzen. Dieses Ziel haben die Lilien durch den Sieg in Regensburg erreicht und nun gegen Aue die Möglichkeit, die angefangene Mission erfolgreich zu beenden. „Wir haben alles selbst in der Hand“, so Sulu, der sich gar nicht erst auf mögliche Zahlenspiele einlassen wollte: „Wir spekulieren nicht, die Liga ist so komisch, da rechnen wir nicht oder stellen irgendwelchen Vermutungen an. Wir schauen auf uns und blenden die Tabelle aus.“

"Sind froh, unser Endspiel zu bekommen"

So wie es der Kapitän und seine Teamkollegen bereits seit Wochen tun. Mittlerweile sind die Lilien seit 10 Spielen ungeschlagenen, 18 Punkte sammelten sie in diesem Zeitraum und „robbten“ (Schuster) sich immer näher an die oberen Ränge heran. „Vor ein paar Wochen waren wir für viele abgeschrieben, da wurde uns nicht mehr viel zugetraut“, erinnerte Yannick Stark am Montag noch einmal an die jüngere Vergangenheit und ergänzte hinsichtlich der Gegenwart: „Jetzt sind wir in der Situation, es in der eigenen Hand zu haben. Und das wollen wir natürlich nutzen.“

Die Situation, aus der Jägerrolle nun in die Rolle des „Gejagten“ zu schlüpfen, bereitet dem Mittelfeldspieler dabei kein Kopfzerbrechen: „Wir sind einfach froh, dass wir uns in diese Ausgangslage gebracht haben und dass wir unser Endspiel bekommen.“

"Sind eine Truppe, in der Geist und Mentalität absolut stimmen"

Wurde der Finalbegriff bislang mit der berechtigten Begründung verweigert, dass nach Abpfiff keine endgültige Entscheidung fallen könnte, so trifft dieser Charakter nun erstmals auf die Partie gegen die Veilchen zu. Die Eigenschaften und Leistungen, die der SV 98 seit Wochen abruft, sorgen im Vorfeld der Partie aber für eine optimistische Herangehensweise: „Wir haben Stabilität, Selbstvertrauen und ein gewisses Selbstverständnis. Und wir sind eine Truppe, in der Geist und Mentalität absolut stimmen. Ich bin positiv, dass wir es schaffen werden.“

Zumal die Lilien seit Wochen auf die bedingungslose Unterstützung ihrer Anhängerschaft zählen können und damit auch am Sonntag wieder auf den 12. Mann zurückgreifen werden. „Es ist sehr wichtig und schön, diese Macht hinter uns zu spüren“, zeigte sich auch Sulu dankbar für den andauernden Support, der am kommenden Sonntag in gemeinsamen Jubel enden soll.

Aber nicht nur Schuster machte klar, dass „nochmal ein schwieriges Stück Arbeit“ auf die Lilien wartet.