"Die Playoffs finde ich geil"

sv98.de blickt auf die Lilienkurier-Interviews der Rückrunde zurück: Den Basketball lässt Fabian Holland durchaus gekonnt auf dem Finger kreisen, auch ein paar Finten mit dem eher ungewohnten Spielgerät hat der 27-Jährige in seinem Repertoire. Der Spaß am Nationalsport der US-Amerikaner ist dem Linksverteidiger in jeder Minute anzumerken. Zwischen den Würfen und Dribblings plauderte der gebürtige Berliner über seine Begeisterung für die NBA, aber natürlich auch über seine Karriere und die aktuelle Situation bei den Lilien.

Foto: Florian Ulrich

Lilienkurier (LK ): Fabi, geballte 1,72 Meter auf dem Basketballcourt. Spektakuläre Dunks können wir wahrscheinlich nicht von dir erwarten…

Fabian Holland: (lacht) Der Korb ist leider nicht verstellbar, meine Sprungkraft allein wird auch nicht ausreichen und an der Praxis mangelt es auch etwas, da ich zwar viel NBA gucke, aber eher selten spiele.

LK: Aber Spaß hast du trotzdem am Körbe werfen?

Fabian Holland: Absolut, mit ein paar Kumpels auf den Korb werfen und ein wenig losdribbeln, das macht schon Laune. Ich nehme mir auch öfter vor zu spielen, aber setze es dann doch zu selten in die Tat um. Früher in Berlin war ein Korb direkt in der Nähe meiner Wohnung, da habe ich häufiger mal mit meiner Freundin gespielt.

LK: Würdest du dir aber ein gewisses Talent zuschreiben?

Fabian Holland: Ich würde mich nicht als Talent bezeichnen, aber es funktioniert schon ganz ordentlich.

LK: Dafür lebst du die passive Zuschauerrolle. Wie kam es zu deiner Leidenschaft, speziell für die NBA?

Fabian Holland: Angefangen hat es mit dem kleinen Hype, den Dirk Nowitzki ausgelöst hat, als er mit den Dallas Mavericks Meister geworden ist. Dieses Interesse hat sich dann bei mir mit den Jahren immer mehr gesteigert und es sind weitere Sportarten dazugekommen. Football und Eishockey gucke ich auch ganz gerne. Aber das hat sich alles wirklich erst mit den Jahren entwickelt, in meiner Jugend hatte ich mit US-Sport eigentlich nichts zu tun.

LK: Aktuell laufen die Playoffs in der NBA. Guckst du dir Titelkämpfe trotz der extrem späten Anfangszeit an?

Fabian Holland: Am Wochenende beginnen die Spiele früher, da besteht dann schon die Möglichkeit, sich mal ein paar Duelle anzusehen. Unter der Woche ist es eher schwierig. Aber ich gucke mir am nächsten Tag die Highlights an, lese diverse Artikel und informiere mich umfassend. In der Sommerpause bleibe ich dann auch mal länger wach oder stelle mir einen Wecker, um die Spiele angucken zu können.

LK: Welchem Team drückst du generell die Daumen?

Fabian Holland: Durch Nowitzki bin ich Dallas-Fan geworden, leider läuft es da aktuell nicht mehr so gut. Derzeit ist es sicher schwierig, an Golden State vorbei zu kommen, aber es ist trotzdem spannend, weil in diesem Jahr viele Teams eine Überraschung schaffen können.

LK: Die NBA und der US-Sport generell lebt auch von der Show und dem Glamour. Wie beobachtest du als Fußballer den Hype im US-Sport?

Fabian Holland: Ich finde das ganze Drumherum schon ziemlich geil, allerdings haben speziell die Basketballer einfach zu viele Spiele, bevor es richtig losgeht. Halbleere Hallen oder Spiele ohne große Bedeutung, das ist schon ein wenig schade. Allgemein sind es aber riesige Events rund um das Spiel selbst, das sind schon krasse Ausmaße.

LK: Bist du trotzdem froh, dass es im Fußball noch andere Abläufe gibt? Keine TV-Teams, die dich nach dem Spiel in die Kabine begleiten oder das Trade-System, das immer wieder für Aufsehen sorgt?

Fabian Holland: Ich finde es gut, dass es im Fußball primär um das Spiel selbst und die 90 Minuten auf dem Platz geht, wobei ein wenig Show sicherlich auch dazugehört. Teil eines Trades zu sein, das ist für mich schwer vorstellbar. Von einem auf den anderen Tag plötzlich irgendwo hinzuwechseln, oftmals ohne mitentscheiden zu können, das ist schon Wahnsinn. Natürlich kann es auch im Fußball schnell gehen, aber in den USA ist das extrem. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Spieler auch Familie haben und teilweise jedes Jahr umziehen müssen. Das Draft-System finde ich allerdings ziemlich cool, weil alle Teams Chancen auf richtig gute junge Spieler haben und dadurch eine gewisse Ausgeglichenheit in den Ligen herrscht.

LK: Und was hältst du generell vom Playoff-System?

Fabian Holland: Wie gesagt, in der NBA sind es für mich zu viele Spiele, bevor die Playoffs dann endlich starten. Aber die Playoffs selbst finde ich geil. Durch das Best-Of-Seven-System setzt sich trotzdem die bessere Mannschaft durch, weil es nicht nur auf ein Spiel ankommt. Das sind spannende Szenarien, eine besondere Atmosphäre und einfach hochklassiger Sport.

LK: Lässt sich der Playoff-Charakter zum Teil auch auf euren Saisonendspurt übertragen?

Fabian Holland: Das kann man schon so sagen. In der NBA geht es jetzt in jedem Spiel zur Sache, da ist jedes Spiel entscheidend. Das ist auch bei uns so. Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen und brauchen die volle Unterstützung. Die Playoffs sind mit unserer Situation vergleichbar.

LK: Bist du jemand, der enge und wichtige Spiele mag?

Fabian Holland: Die engen und entscheidenden Spiele sind die Momente, für die wir Fußball spielen. Wir wissen, dass es um viel geht, die Fans sind noch lauter in ihrer Unterstützung und es kribbelt vielleicht noch ein wenig mehr. Ich freue mich auf diese Spiele und liebe den Fußball auch aufgrund dieser Partien.

LK: Spannend bis zum Schluss kennst du bereits sehr gut aus deiner Zeit bei den Lilien. Geht es in Darmstadt nicht normal?

Fabian Holland: Für mich macht es nach den vergangenen Jahren nicht den Anschein, als könne es hier ruhig ablaufen (grinst). Das Zittern bis zum letzten Moment scheinen wir irgendwie zu brauchen, aber wenn es dann positiv ausgeht, kann es im Notfall weiterhin so bleiben.

LK: Ungewöhnlich verlaufen ist auch deine Karriere. 2010 hattest du deine erste Herz-OP, 2011 einen komplizierten Eingriff am Bein. Speziell 2011 war deine Karriere akut gefährdet. Doppelt schön, dass du heute ohne Probleme auf dem Platz stehen kannst?

Fabian Holland: Ich weiß es definitiv sehr zu schätzen. Ich sehe ja auch weiterhin bei Teamkollegen oder in der Liga, dass Verletzungen immer passieren können und bin einfach froh, über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei zu sein. Das ist das Wichtigste, auf dem Platz zu stehen und die Spiele absolvieren zu können.

LK: Heute erinnern dich nur noch dein angepasster Schienbeinschoner und die „Beule“ am Schienbein an die Operationen am Bein…

Fabian Holland: Genau, das ist natürlich schön, dass ich keine Schmerzen oder Probleme mehr habe. Im Sommer, wenn ich kurze Hosen trage, werde ich aber schon darauf angesprochen und sie sieht ja auch ganz lustig aus. Da gibt es dann auch mal einen Spruch aus der Mannschaft, aber damit lebe ich ja schon seit ein paar Jahren und sie wird auch nicht mehr weggehen. Das Wichtigste ist, dass ich keine Probleme mehr habe.

LK: Willst du trotzdem nochmal kurz erklären, wie es zu der „Beule“ gekommen ist?

Fabian Holland: Damit tue ich mich ein wenig schwer, weil es ziemlich schwer zu erklären ist. 2011 wurde zunächst ein Routineeingriff durchgeführt, bei dem ein Stück Knochen aus dem Schienbein entfernt wurde, der mir Probleme bereitet hat. Als Folge ist dann allerdings kein Blut mehr durch mein Bein geflossen, weil sich der Druck auf das Gewebe massiv erhöht hat. Deswegen mussten die vielen Operationen durchgeführt werden und es ist die Beule entstanden, weil sich ein Muskel verschoben hat und hochgerutscht ist.

LK: Sicherlich eine Erfahrung, die dich für die weitere Karriere gestärkt hat?

Fabian Holland: Es hat mich absolut gestärkt. Wie gesagt, ich habe jede verletzungsfreie Minute zu schätzen gelernt, die ich auf dem Platz stehen darf.

LK: Davon gab es in den letzten Jahren erfreulicherweise viele. Mittlerweile hast du mehr als 100 Lilien-Pflichtspiele bestritten. Begonnen hat alles mit dem Leihgeschäft zur Saison 2014/15. Hättest du damals mit einer solchen Zahl gerechnet?

Fabian Holland: Gerechnet vielleicht nicht, aber ich konnte es mir von Anfang an vorstellen. Bei der Hertha war ich viele Jahre lang und ich bin kein Typ, der von ständig von Verein zu Verein springt. Ich habe mich hier sehr schnell wohlgefühlt, insbesondere innerhalb der Mannschaft. Deswegen konnte ich mir schon zu Beginn der Leihe vorstellen, länger in Darmstadt zu bleiben.

LK: Du hast damals nicht nur den Verein gewechselt, sondern bist auch aus der Hauptstadt nach Südhessen gezogen. Bist du grundsätzlich eher der Typ für die Großstadt oder auch für das Beschauliche zu begeistern?

Fabian Holland: Ich komme ja ursprünglich aus einem kleinen Dorf, deswegen komme ich auch mit einem ruhigeren Umfeld klar. Trotzdem liebe ich Berlin und werde nach der Karriere höchstwahrscheinlich auch wieder dort hinziehen. Es ist definitiv eine geile Stadt, aber hier in Darmstadt habe ich auch alles, was ich brauche und fühle mich extrem wohl. Die Umstellung ist mir schon leicht gefallen. Einzig die fünf Stunden Entfernung sorgen natürlich für ein kleines Hin-und-Her, auch für meine Freundin, die noch in Berlin studiert.

LK: Nicht nur Berlin, sondern auch die Hertha hat nach elf Jahren Vereinszugehörigkeit sicherlich noch ihren Platz in deinem Herzen…

Fabian Holland: Ich gucke natürlich noch mit einem Auge zur Hertha, speziell bei den Spielen. Das wird auch immer so bleiben.

LK: Den Bundesliga-Klassenerhalt dann ausgerechnet im Berliner Olympiastadion zu feiern, war für dich wahrscheinlich das Non-Plus-Ultra?

Fabian Holland: Das war ein Moment, den ich nie vergessen werde. Ein ganz besonderer Tag für den ganzen Verein und für mich im speziellen. Familie und Freunde auf der Tribüne und wir haben etwas Sensationelles auf dem Platz geschaffen.

LK: Heute trefft Ihr auf Union Berlin, also den zweiten Hauptstadtclub. Hast du da eine gewisse Rivalität in dir?

Fabian Holland: Zwischen den Fans in Berlin gibt es die natürlich. Ich habe persönlich habe nichts gegen Union, sondern fand die Derbys immer geil. Sowohl in der Jugend als auch in der Zweitliga-Saison. Das war immer etwas Besonderes und auch die Spiele mit Darmstadt sind bislang immer gut gelaufen.

LK: Du sprichst es an. Du hast im Profibereich noch nie gegen Union verloren. Eine Serie, die du sicherlich ausbauen möchtest…

Fabian Holland: Natürlich, mit der Hertha haben wir schon gut ausgesehen und speziell das Heimspiel mit Darmstadt in der Aufstiegssaison war nahezu eine perfekte Partie. Aber es sind jetzt andere Vorzeichen, das Spiel wird wieder enorm eng sein, wie jedes in der zweiten Liga. Aber natürlich hätte ich überhaupt kein Problem damit, wenn meine Serie danach weiterhin Bestand hätte.

LK: Seit Wochen wird Euer Weg zum Klassenerhalt von dem Motto „We fight together“ begleitet. Ein Slogan, der zum Verein und auch zu dir persönlich passt?

Fabian Holland: Es ist ein wichtiges Motto und jeder hat gesehen, dass wir, speziell auch mit den Fans, in schwierigen Phasen zusammenstehen. Die Fans unterstützen uns zu hundert Prozent und es ist klar zu erkennen, wie gut uns das tut. Wir spüren diesen extremen Zusammenhalt und jeder im und um den Verein lebt das Motto.