Nie den Glauben verloren

Marcel Franke übergab den Ball in die Hände von Tobias Kempe, von Serdar Dursun gab es eine fast liebevolle Umarmung für den Standardspezialisten. Sekunden später hob Kempe den Ball gefühlvoll in die Maschen. Sein Kunstwerk bedeutete den Ausgleich in der Schlussminute und schon die Szenen vor der Ausführung bewiesen, dass die Lilien nie den Glauben an ebendieses Szenario verloren hatten. Obwohl die vorausgegangenen 89 Minuten nicht optimal für den SV 98 verlaufen waren.

Foto: Huebner/Voelker

Speziell in der ersten halbe Stunde der Partie taten sich die Darmstädter schwer damit, die Lücken im "Bollwerk" der Gäste zu finden, wie Marcel Franke später zu Protokoll geben sollte. "Da haben wir uns das Leben selbst schwer gemacht", verdeutlichte der Innenverteidiger, der ergänzte: "Wir haben vielleicht mit zu viel Risiko gespielt. Wir hatten Ballverluste, die wir in den vergangenen Spielen nicht hatten."

Sandhausen der erwartet unangenehme Gegner

Diese Probleme hatten auch mit dem Gegner zu tun, der sich als die erwartet unangenehme und kompakte Mannschaft präsentierte, vor der Dirk Schuster bereits in der Pressekonferenz vor dem Spiel gewarnt hatte. Und am Auftritt der Mannschaft vom Hardtwald zeigte sich einmal mehr, dass in der zweiten Liga weiterhin jedes Spiel über Kleinigkeiten entschieden wird. "Es war ein extrem schweres Spiel, so wie es uns bereits von Vorneherein klar gewesen ist", sagte Immanuel Höhn am Sonntag mit Blick auf den Vortag und wunderte sich im gleichen Atemzug ein wenig über die klare Minderheit an Stadionbesuchern, die die gestrige Begegnung als vermeintliche Pflichtaufgabe eingestuft hatte: "Wie schwer es wird, war im Umfeld vielleicht nicht jedem bewusst. Das hat man gestern auch ein wenig gemerkt."

Denn spätestens nach dem Gegentreffer in der 47. Minute war ein leichtes Murren aus einem Bruchteil des Stadions zu vernehmen, das auch Kapitän Aytac Sulu bemerkt hatte. "Ich kann nicht verstehen, wenn nach 48 Minuten vereinzelt Pfiffe zu hören sind. Da würde ich mir wünschen, dass alle die Mannschaft pushen."

"Haben bis zum Schluss daran geglaubt"

So, wie es der Großteil der Fans erneut über die gesamte Spieldauer fabrizierte. Angefangen von einer beeindruckenden Choreographie, vermittelte das Gros der Anhängerschaft immer den Glauben an ein positives Endresultat. Und lag damit genau auf einer Wellenlänge mit der Mannschaft. "Wir haben bis Schluss daran geglaubt und wurden mit dem Punkt belohnt", fasste Franke den Schlussakkord zusammen, den er selbst mit einigen Worten an Kempe mitgestaltete hatte, wie der Torschütze verriet: "Marcel hat gesagt, das ist dein Ding, konzentrier dich, du kannst das."

Und weil Kempe den Auftrag seines Mitspielers exakt ausführte und damit auch der Glauben an die eigene Stärke belohnte wurde, konnte der Mittelfeldspieler wenig später von einem "Punkt, mit dem wir zufrieden sein können" sprechen. Der aber nichts daran änderte, dass die Lilien selbstkritisch mit dem ersten Remis der Saison umgehen.

Zwischen ehrlicher Selbstkritik und Mutmachern

"Wir wissen, was wir können. Das haben wir aber, speziell in der ersten Halbzeit, nicht wirklich auf den Platz gebracht", so Franke, der damit in die gleiche Kerbe wie Höhn schlug. Dieser erklärte auch mit einem Tag Abstand: "Der Punkt tut gut, aber wir sagen jetzt nicht einfach 'Schwamm drüber.' Wir wissen, dass wir wieder mehr machen müssen. Jedes Spiel in der Liga ist sau schwer."

Eine Erkenntnis, die Franke um ein weiteres Fazit aus dem Sandhausen-Spiel erweiterte, das die Lilien auch in Zukunft nie den Glauben an sich selbst verlieren lassen sollte: "Trotz keiner optimalen Leistung können wir immer 90 Minuten im Spiel bleiben und bekommen noch unsere Chance."

Solange das Zutrauen in die eigenen Qualitäten bestehen bleibt. Unabhängig vom Spielverlauf.