Zwischen Analyse und Vorfreude

Für das Trainerteam begann die Aufarbeitung bereits kurz nach Abpfiff. Noch auf dem Weg zum Flughafen in Dresden begutachteten Dirk Schuster und sein Stab Schlüsselszenen der vorangegangen 90 Minuten, in Darmstadt selbst wurde die Analyse zu später Stunde vertieft. Die Ergebnisse der Nachtschicht bekam die Mannschaft dann am Sonntagmorgen zu sehen. Mit dem Primärziel, die Lehren aus der Partie ziehen und den Blick im Anschluss sofort auf den kommenden Dienstag zu richten.

Foto: Holtzem

"Wir haben uns das Spiel und auch die Statistiken angeguckt und sind zu dem Schluss gekommen, heute früh etwas länger und detaillierter in die Analyse zu gehen. Alle Faktoren spielen dabei eine Rolle und ich glaube, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen können", erklärte Schuster nach Ende des Spielersatztrainings am Sonntag.

Dass am Vortag nicht alles so verlaufen war, wie es sich der Cheftrainer und seine Mannschaft vorgestellt hatten, war um 14:53 Uhr schon auf der Anzeigetafel des Rudolf-Harbig-Stadions abzulesen gewesen. Doch Schuster fand schnell Gründe für das extrem ungewöhnliche Lilien-Ergebnis von 1:4 und die damit verbundene zweite Niederlage in saisonübergreifend 17 Partien. „Wir wurden ein wenig mit unseren eigenen Waffen geschlagen“, hatte Schuster bereits auf der Pressekonferenz nach dem Spiel bilanziert und diese Ansicht unterstrich der 50-Jährige auch am Folgetag: "Die Mentalität, die man uns immer nachsagt, war gestern bei den Dresdenern etwas stärker ausgeprägt."

"Luft nach oben gelassen" 

Natürlich wusste auch Schuster, dass die Glücksgöttin Fortuna am Samstag eher im gelben Gewand auftrat, als Grund für die punktlose Rückkehr ließ er sie aber nicht gelten: "Unabhängig davon, wie die Tore gefallen sind, hätten wir sie vorher vermeiden können. Glück und Pech muss man sich erarbeiten. Und Dynamo hat das Glück gestern erzwungen."

Eine Erkenntnis, die der Übungsleiter wenige Stunden zuvor auch seinem Team vermittelt hatte und den Spielern zudem einen weiteren Anstoß für die englische Woche auf den Weg gab: "In Sachen Mentalität, Zweikampfhärte und Aggressivität haben wir uns für Bielefeld ein wenig Luft nach oben gelassen."

"Stecken die Köpfe nicht den Sand" 

Dieses Vakuum möchte Schuster bereits am Dienstag wieder ausgefüllt sehen, wenn seine Elf vor heimischer Kulisse die Arminia empfängt. "Es ist eine gute Sache, dass wir das Spiel am Dienstag wieder geraderücken können", zeigte sich der gebürtige Chemnitzer glücklich über den engen Terminplan. Ein Umstand, der auch bei seinen Spielern auf viel Gegenliebe stößt. „In einer langen Woche nagt so eine Niederlage länger an dir. So können wir uns maximal noch am Sonntag Gedanken machen, dann liegt der komplette Fokus nur noch auf Bielefeld", erklärte Marcel Franke. Marcel Heller vertrat eine ganz ähnliche Ansicht: "Wir können nicht lange darüber nachdenken, dementsprechend schnell müssen wir das Spiel aus den Köpfen bekommen. Wir stecken die Köpfe jetzt nicht in den Sand, wir haben weiterhin 10 Punkte und am Dienstag sofort die nächste Chance gegen einen schweren Gegner."

"Bielefeld wird uns alles abverlangen"

Mit der Arminia kommt dann eine Mannschaft an das Böllenfalltor, die nach einer herausragenden Vorsaison nun mit 9 Punkten ebenfalls überzeugend in die aktuelle Runde gestartet ist und auf die Schuster mit dementsprechend viel Respekt blickt: "Sie werden uns alles abverlangen. Wir müssen hellwach sein und sehr viel investieren, um das Spiel zu gewinnen."

Denn der dritte Heimsieg der Saison ist das erklärte Ziel für den 7. Spieltag, wie auch Innenverteidiger Franke verdeutlicht: "Wir wollen wieder aufstehen und am Dienstag Punkte holen. Nur das zählt."