Angestrebtes Liebes-Comeback

Ursachenforschung mussten die Lilien nicht lange betreiben nach der dritten Niederlage innerhalb von 7 Tagen. Dafür sprachen alleine die nackten Zahlen eine zu klare Sprache. 10 Gegentreffer kassierte der SV 98 in den Spielen gegen Dresden, Bielefeld und Kiel. Eine Anzahl, die die guten Ansätze im Offensivspiel in diesem Zeitraum unmöglich kompensieren konnte. Dementsprechend deutlich wurden Dirk Schuster und seine Spieler in der Analyse der zurückliegenden Woche. Insbesondere, da das Team zum Saisonstart speziell in der Defensivarbeit extrem hohe Maßstäbe gesetzt hatte – die es nun wieder zu erreichen gilt.

Foto: Holtzem

Auch Doppeltorschütze Tobias Kempe brachte die Hauptproblematik einer punktelosen Woche in wenigen Worten auf den Punkt. "Wir verteidigen schlecht. Die Tore fallen viel zu einfach", erklärte der 29-Jährige mit Blick auf die 90 Minuten gegen Kiel, schloss in seiner Aussage aber auch die Nachspielzeit gegen Bielefeld und die zweite Hälfte in Dresden mit ein. "Wir sind zu oft nicht bei den Männern und dann reichen auch zwei Auswärtsstore nicht. So kannst du kein Spiel gewinnen."

Zurück zur Gier

Der Kritik am Defensivverhalten der gesamten Mannschaft schloss sich wenig später auch Cheftrainer Schuster an, der mit Blick auf das Spielgeschehen in Kiel bildlich sprach: "Wir haben ein wenig die Liebe zum Verteidigen vermissen lassen."

Genau diese Liebe hatte die Lilien in den ersten sechs Pflichtspielen der Saison ausgezeichnet. Gerne wurde von der "Gier" gesprochen, Abschlüsse und gefährliche Aktion des Gegners zu verhindern. Die Darmstädter arbeiteten mit zehn Feldspielern geschlossen gegen den Ball und bekamen in nahezu jeder Aktion ein blockendes Körperteil vor das Spielgerät.

"Geil sein, Tore zu verhindern"

Es war also kein Wunder, dass Schusters Team mit nur drei Gegentoren und als beste Defensive der Liga in die englische Woche startete. Diese Spitzenposition haben die Lilien mittlerweile verloren. Das Wissen, dass auch in dieser Saison bereits hervorragend verteidigt wurde, hingegen nicht. Dementsprechend eindeutig gestaltet sich der Auftrag für die kommende Trainingswoche und das kommende Spiel gegen den HSV. Ein Liebes-Comeback wird angestrebt. Eine Rückkehr der Romanze von Spielern und bedingungsloser Abwehrarbeit. "Wir müssen wieder den Fuß davor bekommen, uns in jeden Schuss werfen und einfach geil darauf sein, Tore zu verhindern", verdeutlichte Sandro Sirigu, welche Kernpunkte zur Auffrischung dieser Beziehung unumgänglich sind.

Vermeidbare Gegentore

Zwar wissen auch die Darmstädter, dass in der vergangenen Woche denkbar viel gegen sie gelaufen ist. Genauso sehen sie sich aber selbst in der Pflicht, das Ruder mit harter und intensiver Arbeit wieder auf die eigene Seite zu reißen. "Wenn wir uns die 10 Gegentore angucken, sind quasi alle zu verhindern. Natürlich waren abgefälschte Tore und glückliche Tore dabei, aber dieses Glück müssen wir uns selbst zurückholen", so Sirigu, mit dessen Ausführungen auch sein Trainer konform ging: "Es waren in dieser Woche sehr viele kuriose Treffer dabei. Mit mehr Konsequenz, hundertprozentiger Konzentration und einem sehr aggressiven Defensivverhalten kann man diese Situationen aber verteidigen. Da müssen wir nun den Hebel ansetzen."

Ziel: Zurück zu alter Defensivstärke

Dass Schuster diesen Hebel genau kennt, das wurde bereits in der vergangenen Rückrunde deutlich, als er aus der zweitschwächsten Defensive die beste Defensive der Liga formte. Eine kompakte Einheit, die sich auch in der laufenden Runde in neun Pflichtspielen vier Mal eine weiße Weste bewahren konnte. Als einfacher Ausrutscher wird die zurückliegende Woche dennoch keineswegs abgetan, viel eher wollen alle Beteiligten möglichst schnell zur Stabilität der ersten Spieltage zurückehren. Auch, um mit einem positiven Erlebnis in die Länderspielpause nach dem Duell mit dem HSV zu gehen. "Das Gefühl nach dieser Woche ist erst einmal beschissen", so Sirigu, bevor er anfügte: "Aber es geht weiter, und wir wollen wieder Punkte holen. Wir werden gegen Hamburg alles raushauen und uns dann hoffentlich belohnen." 

Für dieses Ziel gegen den Aufstiegsfavoriten ist ein Liebes-Comeback unumgänglich.