Dr. Karl Heß posthum zum Ehrenvorsitzenden ernannt

Im Rahmen der Mitgliederversammlung 2018 des SV 98 wurde Dr. Karl Heß (1900 -1975), ehemaliger Vorsitzender der Lilien, von den anwesenden stimmberechtigten Mitgliedern ohne Gegenstimme zum Ehrenvorsitzenden ernannt (24.10.).

Dr. Karl Heß war von 1923 bis 1933 jeweils fünf Jahre zunächst 2. und dann 1. Vorsitzender des SV 98. Er prägte den Verein nachhaltig, bis in die heutige Zeit. In seiner Amtszeit gab es eine intensiv geführte Diskussion, ob der deutsche Sport, insbesondere der Fußball, voll professionalisiert und kommerzialisiert werden solle. Dr. Heß setzte sich mit Verve für Amateurismus und Breitensport ein. Der SV 98 folgte und folgt seinem Rat, indem er nach wie vor Breitensport in den Amateurabteilungen anbietet und die erste Fußballmannschaft professionell organisiert.

Dr. Heß war Jude und wurde kurz nach Machtübernahme durch die Nationalsozialisten bereits 1933 aus seinem Amt und dem Verein gedrängt. Er emigrierte mit seiner Frau nach Frankreich, bevor sie nach Brasilien flohen. Fast seine gesamte Familie wurde von den Nazis ermordet. Dr. Heß verdingte sich in Südamerika eher schlecht als recht als Kleingewerbetreibender und als Anwalt. 1963 kehrte er nach Darmstadt zurück, wurde in seiner geliebten Heimatstadt aber von Altnazis subtil diskriminiert. 1973 gab er völlig frustriert auf, kehrte desillusioniert nach Brasilien zurück, wo er 1975 verstarb und seine letzte Ruhestätte fand. In Darmstädter Erde wollte er nicht begraben werden.

In seiner Satzung hat der SV 98 festgeschrieben, dass er Rassismus und Diskriminierung in seinen Reihen nicht duldet. Es ist deshalb konsequent, dass Dr. Karl Heß von der Mitgliederversammlung gestern ohne Gegenstimme (auch stellvertretend für die im 3. Reich aus dem Verein vertriebenen, verfolgten und ermordeten Mitglieder) posthum zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde.