Kämpferherz

In überdimensionalen Lettern prangte das Motto des Abends in weißer Farbe auf blauem Stoff. "Pokalfighter" – diese Buchstabenreihe hatten die Lilienfans auf das Banner gepinselt, welches zum Einlaufen beider Teams allen Stadionbesuchern präsentiert wurde. Ein Leitwort, das die Lilien in der Folge mit Leben füllten. Mit einem beherzten Auftritt, der trotz des Ausscheidens für eine positive Gesamtbetrachtung sorgte.

Foto: Stefan Holtzem

"Wir haben unseren Aufwärtstrend bestätigt", resümierte Fabian Holland nach Abpfiff einer Partie, in die der SV 98 extrem viel investiert hatte. 64 Prozent der Zweikämpfe entschieden die ganz in blau gekleideten Darmstädter allein in der Anfangsviertelstunde für sich, über 90 Minuten wies die Statistik 54 Prozent an gewonnen Duellen für die Lilien aus. Mit Hartnäckigkeit und Konzentration schaffte es das Team von Dirk Schuster, die Berliner in genau den Fight zu verwickeln, der von den favorisierten Teams so ungern ausgefochten wird.

"Dürfen Stolz sein"

"Wir haben über 90 Minuten dagegen gehalten und es der Hertha nicht einfach gemacht", erklärte daher auch Marcel Franke, der ein wenig als Symbolbild für den großen Kampf seiner Farben herhalten konnte. Mit aufgeplatzter Lippe und Blutspuren am Trikot stand der Innenverteidiger in den Katakomben des Merck-Stadions am Böllenfalltor und zog ein positives Gesamtfazit: "Natürlich will man fehlerfrei durchkommen, aber es wäre der falsche Ansatz, nach so einem Spiel nach einzelnen Fehlern zu suchen. Wir dürfen stolz sein und haben gesehen, dass wir auch gegen so eine Mannschaft mithalten können."

"Es muss einiges zusammenkommen", hatte Schuster im Vorfeld der Begegnung erklärt und dabei neben einer eigenen Leistung am Limit auch ein paar fehlende Prozentpunkte bei den Herthanern eingeschlossen. Doch spätestens nach Wiederanpfiff brachte die "Alte Dame" all die PS auf die Straße, die sie in dieser Spielzeit bereits zum Bayern-Bezwinger machte.

Dieser "Mordsqualität" (Holland) mussten sich die Lilien letztendlich beugen, was Holland dazu veranlasste, die Worte seines Cheftrainers noch einmal aufzugreifen: "Leider ist eben nicht alles zusammengekommen, trotzdem haben wir uns nichts vorzuwerfen."

Zumal sich die Gäste aus der Hauptstadt in der 69. Minute nicht hätten beschweren können, wenn das Trikotziehen von Niklas Stark an Serdar Dursun mit einem Strafstoß geahndet worden wäre. So waren es letztendlich Kleinigkeiten in verschiedenen Bereichen, die fehlten, um eine mögliche Überraschung zu realisieren. Ein Umstand, dem beim SV 98 aber niemand lange nachtrauern wollte.

Fokus auf Magdeburg

Viel eher gilt es, den Aufwärtstrend auch am Samstag fortzuführen. "Wir können auf die Defensivvorstellung und den Mut nach vorne weiter aufbauen und wollen gegen Magdeburg daran anknüpfen", verdeutlichte Schuster mit Blick auf das dritte Heimspiel in acht Tagen und auch Franke legte sein Augenmerk bereits wieder auf den Liga-Alltag: "Hertha war ein Bonusspiel. Jetzt richten wir den kompletten Fokus auf Magdeburg, denn da geht es wieder um drei Punkte."

Dann werden auch im Liga-Alltag die Qualitäten der Pokalfighter gefragt sein. Und ein genauso großes Kämpferherz.