Über Mentalität und Qualität

Vor ziemlich genau einem Monat schritten die Lilien mit hängenden Köpfen vom Platz: Mit 1:2 war die Partie gegen den HSV verloren gegangen, die vierte Niederlage in Folge. Die Hausherren hatten ein leidenschaftliches Spiel geboten, am Ende standen sie dennoch mit leeren Händen da. Und während manchenorts in Südhessen die Sorgen wuchsen, die vermeintlichen Alarmglocken lauter und die Panik größer wurden, arbeiteten die Protagonisten einfach weiter. Stoisch, konzentriert, fokussiert. Die Früchte dieser harten Arbeit ernteten sie am gestrigen Samstagmittag erneut. Ein letztendlich verdientes 3:1 gegen den 1. FC Magdeburg stand zu Buche. Und damit eine erfolgreiche Englische Woche.

Foto: Holtzem

Und genauso, wie sie die Situation damals vor und in der Länderspielpause analysierten - klar, selbstkritisch, aber auch einordnend und nicht alarmierend - so bewerteten sie die Situation auch am Samstagnachmittag. Vorangegangen war eine zweikampfbetonte, leidenschaftliche Partie, in der sich beide Teams über 90 Minuten nichts geschenkt hatten. Man sei aufgrund der schweren Beine schwer ins Spiel gekommen, hieß es unisono. Eine über weite Strecken des ersten Durchgangs zähe Partie entwickelte sich, "es wurde dann aber von Minute zu Minute besser", sagte Fabian Holland zur Qualitätssteigerung des SV 98.

"Waren nach der Pause deutlich besser, müssen aber auch abgezockter sein"

Diese mündete im Führungstreffer für im ersten Durchgang effektive Lilien: Dursun hatte die scharfe Hereingabe von Jones antizipiert und schob den Ball zur Halbzeitführung ins Netz (40.). Nach der Pause legten die Hausherren deutlich mehr Zielstrebigkeit an den Tag, kontrollierten den Gegner und erzielten das folgerichtige 2:0 nach einer Einzelaktion von Medojevic. Es gehört zur DNA dieses Teams, dass es trotz des letztendlich souveränen Heimsiegs nicht die blau-weiße Brille aufsitzen hat. Sondern auch selbstkritisch anmerkte, dass die bis dato große Spielkontrolle nach der Hinausstellung gegen Holland und dem Gegentreffer kurzzeitig ins Wanken geriet. Genauso, wie es im Zuge der vier Niederlagen in Serie nicht in Panik ausbrechen und Schwarzmalerei betreiben wollte. Medojevic: "Speziell nach der Pause waren wir deutlich besser, allerdings müssen wir nach der 2:0-Führung abgezockter sein und das Ergebnis ruhig über die Zeit bringen. Da können wir noch schlauer spielen."

Den nächsten Schritt gemacht

Personifiziert für diese unaufgeregte Denkweise war Fabian Holland am Sonntag nach dem Auslaufen. Es wäre ein Leichtes gewesen, nach der fragwürdigen gelb-roten Karte die Schuld beim Schiedsrichter oder dem theatralischen Gegenspieler zu suchen. Doch der Linksverteidiger stellte klar: "Ich habe die Szene jetzt ein paar Mal gesehen. Ich bin zwar immer noch der Meinung, dass ich nicht viel gemacht habe, aber in der Situation muss ich trotzdem cleverer sein und mich auf sowas nicht einlassen."

Mit dieser mentalen Klarheit, gepaart mit der besonders im zweiten Durchgang ansprechenden Offensivleistung wollen die Lilien nun auch die lange Trainingswoche vor dem Auswärtsspiel in Bochum (12.11./20.30 Uhr) bestreiten. Medojevic: "Gegen Magdeburg haben wir den nächsten Schritt zu einer sorgenfreieren Saison gemacht. Jetzt müssen wir gut regenerieren und wollen dann am Montag in einer Woche gegen Bochum mit einem guten Ergebnis in die Länderspielpause."