"Die Energie war auf dem Platz zu spüren"

Es lief die 56. Spielminute, als der Heidenheimer Sebastian Griesbeck eine Flanke von Joevin Jones zur Ecke für den SV 98 blockte. Eine Szene, wie sie in fast jedem Spiel mehrfach vorkommt. Trotzdem drehten die Lilienfans sofort am Lautstärkeregler ihrer Gesänge und untermalten ihren Support mit vielkehligen „Lilie, Lilie“-Rufen. Akustische und eindeutige Signale, die der Mannschaft zeigten, dass auch bei den Fans der Glaube an ein Lilien-Comeback bei jedem Einzelnen vorhanden ist. Und die mitentscheidend waren für den Punktgewinn in Unterzahl, den sich der SV 98 schlussendlich noch erkämpfte.

Foto: Huebner/Ulrich

Bereits in der 60. Minute krönte Jones die Drangphase seiner Farben, indem er eine Flanke von Tobias Kempe in die Maschen einnickte. Dass der nur 1,71 Meter große Linksfuß dabei seinen Gegenspieler deutlich übersprang und nach eigener Aussage das „erste Kopfballtor der Profikarriere“ erzielte, war ein weiterer Beweis für den unbedingten Willen, den die Lilien spätestens mit Wiederanpfiff an den Tag legten.

"Fans haben einen ganz großen Teil beigetragen"

„Mein Tor fühlt sich natürlich gut an, weil es die ganze Mannschaft für die Leistung belohnt hat“, erklärte Jones nach Abpfiff, bevor er ein großes Lob an die eigenen Anhänger verteilte: „Die Fans haben einen ganz großen Teil beigetragen, die Energie war auf dem Platz zu spüren.“

„Es war grandios, wie die Fans die Mannschaft gepusht haben. Von allen Seiten im Stadion wurde Alarm gemacht und die Mannschaft frenetisch unterstützt, das war sensationell“, schwärmte auch Dirk Schuster von der Unterstützung für sein Team, das mit Leistung zurückzahlte: „Eine Mannschaft, die auf dem Platz alles gibt und die Fans, die gnadenlos hinter der Mannschaft stehen, sie pushen, um dann gemeinsam Erfolg zu haben. Das muss auch das Pfund für die Zukunft sein, auf das sich beide Seiten verlassen können.“

Zurückgefightet, nicht aufgegeben und Punkt der Moral verdient

Die 90 Minuten gegen Heidenheim dienten als optimaler Beweis dafür, was Mannschaft und Anhängerschaft gemeinsam erreichen können. Dass als große Einheit auch eine scheinbar aussichtslose Situation gemeistert werden kann. „Es ist erstmal alles gegen uns gelaufen“, beschrieb Fabian Holland am Montag die ersten 17 Minuten des Vortages, in denen er und seine Teamkollegen neben dem frühen Rückstand auch den Platzverweis für Immanuel Höhn verkraften mussten. Doch mit dem Rücken zur Wand schafften es die Lilien, sich über Einsatz, Willen und Leidenschaft zurück in das Spiel zu katapultieren: „Wir haben zurückgefightet, nicht aufgegeben und uns diesen Punkt der Moral verdient“, so Holland, der sich auch am Folgetag noch beindruckt von der Leistung der Unterstützer von den Rängen zeigte: „Gestern war es noch extremer als in den letzten Wochen. Es pusht, zu merken, dass das ganze Stadion hinter dir steht.“

Ziel: Erneute Symbiose am Freitag

Angesichts der weiterhin schwierigen Tabellensituation ist dieser Rückhalt ein ganz wichtiger Energiespender auf dem Weg zum Klassenerhalt. Die Symbiose aus Fans und Mannschaft braucht es auch am kommenden Freitag, wenn für die Lilien das Auswärtsspiel in Dresden ansteht: „So ein Freitagabendspiel, da freut man sich natürlich drauf. Es ist geil, dass von uns auch viele Leute dazukommen und Gas geben“, versprühte Holland bereits eine gewisse Vorfreude auf die nächste Auswärtsaufgabe, während Jones bereits am Vortag das Augenmerk auf den angestrebten sportlichen Ertrag gelegt hatte: „Wir wollen auch dort punkten, weil in unserer Situation jeder Punkt zählt. Das ist aktuell das Wichtigste.“