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Unsere Gegengerade

Die Gegengerade ist schon immer ein fester Bestandteil des Böllenfalltors gewesen. Über die Jahre hat sich ihr Anblick zwar verändert, in den Grundzügen ist sie sich aber immer treu geblieben. Ein Rückblick auf ihre Geschichte.

Das Stadion am Böllenfalltor wurde am 24. Juli 1921 eröffnet. Die Baukosten betrugen damals 240.000 Reichsmark, es umfasste u.a. eine 80 Meter lange überdachte Sitztribüne aus Holz, eine 380 Meter lange Laufbahn und bereits Stehterrassen auf der Ostseite, die später zur sagenumwobenen Gegengerade ausgebaut wurden. Das Fassungsvermögen belief sich auf ca. 5.000 Plätze und wurde bald erweitert. Nachdem vor allem in den 1920er Jahren großartige Sportfeste – nicht zuletzt durch die Handballer vor weit mehr als 10.000 Zuschauern – am Böllenfalltor gefeiert wurden, kam das Stadion während des 2. Weltkrieges und in der Nachkriegszeit zunehmend herunter und bot nur noch ein trauriges Bild.

1952 wurde das völlig renovierte Böllenfalltorstadion eröffnet. Der Um- und Ausbau kostete ca. 315.000 D-Mark, die neue Sitztribüne bot Platz für 2.000 Zuschauer. Insgesamt hatte das neue Stadion eine Kapazität von 22.000 Plätzen. Die Gegengerade umfasste erst 9 (bis zur Höhe des Daches des Marathontores) und später 28 Stufen. Hinter diesen Stufen lag ein mit Gras bewachsener Wall, auf dem auch die – heute würde man sagen – „aktive“ Fanszene stand, und zwar auf Höhe der Mittellinie. Vor allem bei Regen war hier die eine oder andere lustige Rutschpartie zu beobachten, nicht zuletzt, wenn zuviel Bier „im Spiel“ war. Glanzzeiten erlebte die Gegengerade viele. So zum Beispiel beim legendären Spiel gegen den 1. FC Nürnberg, bei dem der frisch gekürte Süddeutsche Meister SV 98 vor über 20.000 Zuschauern 7-0 gewann. Bei diesem Spiel und der anschließenden Aufstiegsrunde wurden hinter besagtem Erdwall zwei Holztribünen und zwei Kamerastände aufgebaut.

1978 stieg der SV 98 erstmals in die 1. Bundesliga auf. Nach DFB-Statuten musste das Stadion auf eine Kapazität von mindestens 30.000 Zuschauern ausgebaut werden. Dadurch wurde die Gegengerade um 38 Stufen erweitert und maß dann 12 Meter Höhe. An der Gestalt der Geraden hat sich bis heute wenig geändert. Allerdings wurde durch Abtrennung von Gästestehplatz- und -sitzplatz- sowie Puffer- und Polizeiblock in den letzten Jahren der für die Heimzuschauer verfügbare Platz erheblich dezimiert.

Jürgen Koch & Thomas Spengler