Zwei Gesichter

Das Auslaufen am Tag nach dem Spiel ist bei fast allen Vereinen fest im Trainingsplan verankert. So auch bei den Lilien. Es sei denn, der SV 98 hat das Duell des Vortages für sich entschieden. Dann belohnt Torsten Frings seine Mannschaft oftmals mit einem freien Tag. Am heutigen Montag waren die Lilien am Stadion anzutreffen - samt Laufschuhen an den Füßen. Ein klares Zeichen dafür, dass der gestrige Sonntag nicht nach Plan verlaufen war.

Dabei deutete nach 45 Minuten wenig darauf hin, dass die Spieler mit der Lilie auf der Brust am Folgetag am Böllenfalltor aufschlagen müssten. Mit unverändertem Personal gegenüber dem Sieg in Duisburg hatte Frings seine Elf auf den Rasen geschickt. Eine Elf, die von Beginn an Herr im Haus war.

"Wir hatten das Spiel im Griff", bilanzierte Aytac Sulu folgerichtig den ersten Durchgang, den der Kapitän mit seinem Treffer in der 24. Minute abrundete. "Die erste Halbzeit war genau so, wie wir uns das vorstellen", zeigte sich auch Frings hochzufrieden mit dem Gesicht, das seine Spieler vor dem Gang in die Kabine präsentierten. Um dann mit einem ganz anderen wieder herauszukommen.

Ein Umstand, der auch am Tag danach noch für ein wenig Kopfzerbrechen sorgte. "Wir sitzen in der Kabine und wissen, wir wollen genauso weiterspielen, rauskommen und direkt wieder im Spiel sein", gab Fabian Holland einen kurzen Einblick in die Planungen für den zweiten Abschnitt.

Der dann aber in eine andere Richtung lief: "Vielleicht haben wir unterbewusst den Schritt weniger gemacht und dann kamen wir nicht mehr rein. Wir haben zu sehr verwaltet und zu sehr gehofft, dass es gut geht. Meistens geht es dann eben nicht gut", sprach Holland das aus, was am Vortag erneut bestätigt worden war.

Zwar hielt die Führung der Lilien bis zur 81. Minute, der Ausgleichstreffer durch Diamantakos hatte sich in den Minuten zuvor allerdings bereits angedeutet. Dass Robbie Kruse fünf Zeigerumdrehungen später gar der Siegtreffer für den VfL gelang, "rundete" den zweiten Durchgang aus Lilien-Sicht ab.

"Eine Niederlage ist immer hart, aber Gestern tut gerade deshalb weh, weil viel mehr möglich gewesen wäre", haderte Holland mit dem eigenen Leistungsabfall und lag damit auf einer Wellenlänge mit seinem Kapitän: "Ich bin nach jeder vermeidbaren Niederlage sauer, aber diese ist umso bitterer, weil wir uns in der zweiten Halbzeit selbst geschlagen haben."

Nun gilt es, die Erkenntnisse und den Ärger während der Trainingswoche in Energie umzuwandeln. Energie, die am kommenden Sonntag mit Sicherheit gebraucht werden wird, wenn der SV 98 die punktgleiche Arminia aus Bielefeld empfängt: "Es ist nur eine Woche bis zum nächsten Heimspiel. Dort können wir wieder zeigen, dass es auch anders geht", fasste Holland die Marschroute für die kommenden Tage knapp zusammen.

Diesen Nachweis hat die Mannschaft bereits mehrfach erbracht, sodass sich auch der Blick auf die Tabelle weiterhin gut anfühlt. "Viele Mannschaften würden gerne mit uns tauschen", weiß daher auch Sandro Sirigu, der anschließend bereits nach vorne blickte: "Jetzt müssen wir gegen Bielefeld alles raushauen, dann holen wir uns die drei Punkte zurück."