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Zusammenstehen

Im Mannschaftskreis nur wenige Zeigerumdrehungen nach Abpfiff im Homburger Waldstadion sagte Torsten Lieberknecht etwas, was er in seiner nun schon 798-tägigen Amtszeit beim SV Darmstadt 98 zum ersten Mal sagen musste: „Wir können uns nur bei unseren Fans entschuldigen.“ Für diese Leistung beim 0:3 gegen den FC 08 Homburg, für das letztlich verdiente Ausscheiden gegen einen Regionalligisten im DFB-Pokal. Und so schritten die Lilien mit hängenden Köpfen in Richtung des noch immer gut gefüllten Gästeblocks – der Cheftrainer vorweg, die gesamte Mannschaft hinterher. Natürlich blickten sie entlang des Zauns in enttäuschte Gesichter. Und doch bewiesen die 98er auf den Rängen abermals ihr feines Gespür.

„Diese Rückmeldung von den Fans war nicht alltäglich“, wusste Lieberknecht richtig einzuschätzen. Nach den 90 Minuten im Saarland hätten die mitgereisten Lilien-Anhänger allen Grund dazu gehabt, die Mannschaft mit Pfiffen gen südhessische Heimat zu verabschieden. „Diese Reaktion wäre auch gerecht gewesen“, so der Chefcoach des SV 98 weiter. Stattdessen Aufmunterung, positive Worte. Marcel Schuhen: „Sie sind sehr respektvoll mit uns umgegangen, haben uns direkt auf den Bundesliga-Start eingestimmt und eingeschworen.“

"Das war heute nichts"

Denn den Blick wollten nach dieser schmerzhaften Pleite beim Vorjahres-Vierten der Regionalliga Südwest sowohl die Fans auf den Rängen als auch die Mannschaft auf dem Platz wieder nach vorne richten. Schließlich war die Leistung der Darmstädter im Saarland schnell zusammengefasst. „Das war heute nichts“, ärgerte sich Schuhen. „Das war heute ein Schlag ins Gesicht“, sagte Fabian Holland, der eingestehen musste: „Über 90 Minuten haben wir nicht das gezeigt, was uns ausmacht. Vorne hätten wir noch gefühlt Stunden spielen können, ohne einen Treffer zu erzielen. Und hinten darfst du hier natürlich keine drei Gegentore fressen.“

Trotzdem gab es auch in Homburg Momente, in denen das Pendel des Spielgeschehens in Richtung der Darmstädter hätten ausschlagen können. Direkt nach der Pause zum Beispiel. Nachdem Lieberknecht seine Elf taktische neu ausrichtete, spielten sich seine Mannen beim Stand von 0:1 gleich mehrere hochkarätige Chancen heraus. Doch blieben die Südhessen vor allem bei Flanken und Abschlüssen zu unpräzise. Ein Treffer, der blieb den Lilien daher trotz 72 Prozent Ballbesitz und insgesamt 25:8 Torschüssen verwehrt. Stattdessen die kalte Dusche: Standardgegentor zum 0:2, später besiegelte wie schon zuvor beim 0:1 ein Konter der Hausherren das Endresultat.

Dieses Spiel bedeutet den Fans unglaublich viel, das hat jeder von uns begriffen. Jeder wird in Frankfurt sein Herz auf dem Platz lassen.

Fabian Holland

Zurück vor den Gästeblock. Erst das Abklatschen entlang des langgezogenen Gästeblocks, dann postierten sich die Lilien noch einmal geschlossen vor der Kurve. Einer kurzen, knackigen Ansage der Fans folgte ein lautstarkes „Auf geht’s, Darmstadt. Kämpfen und siegen!“ aus den Kehlen von Mannschaft und Anhängerschaft. Denn der Blick richtete sich schnell auf den kommenden Sonntag (20.8.), wenn der SV Darmstadt 98 um 17.30 Uhr erstmals nach sechs Jahren wieder ein Spiel in der 1. Fußball-Bundesliga bestreiten wird. Und gleich auch noch so ein besonderes. Auswärts bei Eintracht Frankfurt. Hessenderby zum Auftakt.

„Dieses Spiel bedeutet den Fans unglaublich viel, das hat jeder von uns begriffen“, betonte Holland und versprach: „Jeder wird in Frankfurt sein Herz auf dem Platz lassen. Wir werden ein anderes Gesicht zeigen.“ Nach diesem Rückschlag in Homburg und vor dem Derby am Main gilt es daher nun umso mehr, weiter zusammenzustehen. Die Szenen vor dem Gästeblock, die große Reaktion der Fans sprechen dabei die richtige Sprache. Das Spiel in Homburg aufzuarbeiten, die Mannschaft wieder aufzurichten und die Niederlage abzuschütteln, ist nun die Aufgabe von Team und Trainerteam am Böllenfalltor. Lieberknecht: „Und dann gehen wir gemeinsam die Herausforderung Bundesliga an.“