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07.01.2026 / Profis

„Als würde ich nochmal an einer Startlinie stehen“

In 16 von 17 Zweitliga-Spielen kam Hiroki Akiyama bislang zum Einsatz und stand dabei immer in der Startelf. Der Japaner hat sich unglaublich schnell bei den Lilien zurechtgefunden und ist längst ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft geworden. Dank der modernen Technik konnten wir im Trainingslager in El Saler unser erstes Interview mit dem 25-Jährigen führen. Wir haben mit Hiro über den Schritt nach Deutschland, die bisherige Saison und viele weitere Themen gesprochen.

Hiroki Akiyama in seinem ersten Interview mit www.sv98.de
Foto: SV 98

sv98.de: Hiro, es wird Zeit für dein erstes Interview mit uns. Aufgeregt?

Hiroki Akiyama: (lacht) „Nein, überhaupt nicht.“

Es gibt sehr viele Themen, über die wir mit dir sprechen können. Zunächst die Frage nach einem knappen halben Jahr: Wie gut hast du dich in Deutschland bereits eingelebt?

„Es war schon eine große Umstellung, eine andere Kultur, eine andere Sprache, das ist nicht ganz so einfach. Aber es wird immer besser, insbesondere, was die Sprache angeht.“

Du lernst sehr fleißig Englisch, oder?

„Ja, leider konnte ich kaum Englisch, als ich im Sommer hergekommen bin, Deutsch natürlich überhaupt nicht. Aber jetzt verstehe ich insbesondere auf Englisch schon einiges, kann mich mit allen Mitspielern irgendwie verständigen.“

Neben der Sprache ist häufig auch das Essen eine Umstellung in einem neuen Land. Auch für dich?

„In Japan ist Reis das Hauptnahrungsmittel, hier sind es vor allem auch Kartoffeln und Nudeln. Aber ich persönlich war auch schon in Japan ein großer Freund von Pasta, ich mag auch die europäische Küche. Insofern gibt es natürlich Unterschiede, die für mich aber überhaupt kein Problem darstellen.“

Hiroki Akiyama in seinem ersten Interview mit www.sv98.de Foto: SV 98
Hiroki Akiyama in seinem ersten Interview mit www.sv98.de Foto: SV 98
Hiroki Akiyama in seinem ersten Interview mit www.sv98.de Foto: SV 98
Hiroki Akiyama in seinem ersten Interview mit www.sv98.de Foto: SV 98
Hiroki Akiyama in seinem ersten Interview mit www.sv98.de Foto: SV 98

Keine Probleme hattest du auch mit der Integration in die Mannschaft. Hättest du damit gerechnet, dass dir diese Anpassung so schnell gelingt? Man hatte schon im ersten Testspiel gegen St. Gallen das Gefühl, dass du schon lange zu diesem Team gehörst. Dabei warst du damals erst einen einzigen Tag bei uns…

„Da muss ich vielleicht ein wenig ausholen. Ich wusste, welches hohe Niveau in der 2. Bundesliga herrscht, ich habe diese Liga auch vorher schon verfolgt. Und als das Angebot aus Darmstadt kam, habe ich keine Sekunde gezögert, um es anzunehmen. Gleichzeitig gab es aber schon auch eine gewisse Unsicherheit, wie schnell ich mich an die physische Spielweise in dieser Liga gewöhnen kann und ob ich damit direkt zurechtkommen werde. Aber der Verein hat mir den Einstieg sehr leicht gemacht, die Mitspieler haben mir sehr geholfen. Ich habe mich sofort sehr wohlgefühlt, das hilft natürlich dabei, die Leistung auf dem Platz abrufen zu können. Trotzdem würde ich schon sagen, dass ich eine gewisse Zeit gebraucht habe, um die Spielweise und taktischen Abläufe zu verstehen und mich speziell im physischen Bereich weiterzuentwickeln.“

Wie sehr hat es geholfen, dass mit Furu ein Landsmann von dir in der Mannschaft ist?

„Es ist wirklich schön, dass er auch hier ist. Das hat mir am Anfang ein Gefühl von Sicherheit gegeben, er hat mir auch viel geholfen, weil sein Englisch besser ist. Einen weiteren japanischen Spieler im Team zu haben, hat mir den Einstieg sicherlich erleichtert.“

Yosuke Furukawa und Hiroki Akiyama
Foto: SV 98

Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast, dass du richtig angekommen bist?

„Das Auftaktspiel gegen Bochum. Ich wurde zwar zur Halbzeit ausgewechselt, was für jeden Fußballer immer eine kleine Enttäuschung bedeutet, aber gleichzeitig war ich überglücklich darüber, mit dem Team an diesem Tag diesen Sieg eingefahren zu haben. Das war ein toller Saisonstart und ich habe im Stadion und mit den Fans gespürt, dass ich ein Teil dieser Gruppe bin. Das hat mein Selbstvertrauen gestärkt und am Abend habe ich mir noch einmal gesagt: Es war genau richtig, dass ich zu diesem Verein gewechselt bin.“

Wie hast du generell die Atmosphäre in den deutschen Stadien empfunden?

„Die Leidenschaft für den Fußball ist in Deutschland wirklich enorm. Das spüre ich jedes Wochenende in den Stadien, das ist ein anderes Level als in Japan. Wirklich beeindruckend. Zudem haben in Japan sehr viele Stadien eine Laufbahn um das Spielfeld, die Fans sind also weiter von uns entfernt. Hier sind sie meist sehr nah dran, man spürt, welche Bedeutung die Fans haben.“

Und sie durften bereits drei Tore (zwei in der Liga, eins im Pokal) von dir bejubeln. Paul Fernie hat gesagt, dass wir diese Torgefahr von dir gar nicht unbedingt erwartet haben…

(lacht) „Ich wusste schon, dass ich eine gewisse Torgefahr besitze, aber in Japan habe ich mich nicht so häufig mit in die Offensive eingeschaltet. Tore und Assists sind immer gut, natürlich möchte ich auch damit der Mannschaft helfen. Ich bin froh, dass mir diese Treffer bereits gelungen sind.“

Wie zufrieden bist du generell mit der Hinrunde?

„Es gab auch Spiele, in denen wir unnötig Punkte haben liegenlassen. Aber umgekehrt gab es auch die Partien, die wir auf fast schon dramatische Art gewinnen konnten. Insgesamt haben wir eine gute Hinrunde gespielt. Wir wissen aber auch, dass die Rückrunde noch schwerer werden dürfte. Wir brauchen den unbedingten Willen, um weiterhin erfolgreich sein zu können. Je länger eine Saison dauert, desto entscheidender wird auch dieser Aspekt.“

War dein Tor in Hannover der bislang schönste Moment für dich?

„Eine schwierige Frage. Das Tor in Düsseldorf hat sich genauso gut angefühlt, weil es mein erster Treffer in der 2. Bundesliga und in Deutschland gewesen ist. Aber natürlich war es großartig, dieses unglaublich schwere Spiel in Hannover in der letzten Minute entscheiden zu können und mit unseren Fans zu jubeln.“

Danach wurdest du alleine vor dem Gästeblock gefeiert…

„Vielleicht war auch das der schönste Moment der bisherigen Saison. (lacht) Ich finde es beeindruckend, wie viele Fans uns auch zu den Auswärtsspielen begleiten. Es war wunderbar, dass wir ihnen diesen Sieg schenken konnten.“

Hiroki Akiyama jubelt nach einem erfolgreichen Spiel. Foto: SV 98
Hiroki Akiyama jubelt nach einem erfolgreichen Spiel. Foto: SV 98
Hiroki Akiyama jubelt nach einem erfolgreichen Spiel. Foto: SV 98
Hiroki Akiyama jubelt nach einem erfolgreichen Spiel. Foto: SV 98
Hiroki Akiyama jubelt nach einem erfolgreichen Spiel. Foto: SV 98
Hiroki Akiyama jubelt nach einem erfolgreichen Spiel. Foto: SV 98
Hiroki Akiyama jubelt nach einem erfolgreichen Spiel. Foto: SV 98
Hiroki Akiyama jubelt nach einem erfolgreichen Spiel. Foto: SV 98
Hiroki Akiyama jubelt nach einem erfolgreichen Spiel. Foto: SV 98

Bleiben wir beim Jubel-Thema. Mit Mey Papela, Fraser Hornby und Aleks Vukotic hast du jeweils schon auf eine spezielle Art gejubelt. Wie kam es dazu?

„Ich komme zwar aus Japan, aber ich bin trotzdem kein großer Anime-Fan. Mey hat mit mir aber ein wenig über die Serie „One Piece“ geredet und er hat mir gesagt, dass wir zusammen einen Jubel mit einer Geste daraus machen, wenn einer von uns treffen sollte. Mit Fraser und Vuko haben wir uns gegenseitig auf die klassisch japanische Art für die Tore bedankt. Mit gefalteten Händen und einer leichten Verbeugung.“

Mittlerweile sind auch deine Frau und deine Tochter nach Deutschland gekommen. Sicherlich auch eine schöne Sache für dich, oder?

„Das gibt mir sehr viel Energie. Es hilft mir sehr, wenn ich nach Hause komme und ich dort nun jeden Tag meine Familie sehe. Und ich weiß dann auch sofort, für wen ich jeden Tag hart arbeite. Besonders gefreut habe ich mich, als ich meine kleine Tochter nach einem Sieg mit auf das Spielfeld nehmen konnte. Das war ein unvergesslicher Augenblick.“

Am 30. Dezember hat der Verein deine Kaufoption aktiviert und dich fest verpflichtet. Wie sehr freut dich das?

„Ich bin mit dem Wunsch nach Darmstadt gekommen, dass ich den Verein von einer festen Verpflichtung überzeugen möchte. Nun fühlt es sich so an, als würde ich nochmal an einer Startlinie stehen. Nicht mehr als Leihspieler, sondern als fester Bestandteil dieses Vereins. Darauf bin ich sehr stolz.“

Blicken wir zum Abschluss nochmal nach vorne. Wie wichtig wird der Rückrundenauftakt in Bochum?

„Der Startschuss für die zweite Saisonhälfte ist immer eine bedeutende Partie. Es wird mit Sicherheit nicht so einen Spielverlauf wie im Hinspiel geben. Das wird ein schweres Auswärtsspiel, auf das wir uns bereits hier im Trainingslager intensiv vorbereiten. Doch klar ist: Wir wollen auch dort die drei Punkte holen.“

Vielen Dank für das Gespräch, Hiro!

Hiroki Akiyama in seinem ersten Interview mit www.sv98.de
Foto: SV 98

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