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08.03.2026 / Profis

Analyse: Der richtige Kniff

Die Lilien bleiben durch das 2:0 gegen Holstein Kiel auch im 13 Heimspiel dieser Saison ungeschlagen. Im Duell mit den „Störchen“ spielte dem SV 98 dabei ein früher Platzverweis in die Karten. Mit zunehmender Spieldauer übernahmen die Südhessen die komplette Spielkontrolle, fuhren einen ungefährdeten Erfolg ein und konnten sich über Isac Lidbergs 13. Saisontreffer und die Torpremiere von Niklas Schmidt freuen. Der Heimsieg in der Analyse.

Foto: Jana Delp

Szene des Spiels:

Das 1:0: Luca Marseiler nannte es später den „Dosenöffner“ und traf damit den Nagel auf den Kopf. Der unermüdliche Außenspieler des SV 98 bezog sich dabei selbstverständlich auf den Treffer von Isac Lidberg in der 48. Spielminute. Es war der 13. Saisontreffer des Schweden und gleichzeitig sein 27. Tor in der 2. Bundesliga in seinem 50. Einsatz in dieser Spielklasse. Noch wichtiger als diese Zahlen war jedoch die Wirkung, die der sehenswert herausgespielte Treffer auf das Spielgeschehen hatte. Die Lilien legten wenig später das 2:0 nach und fuhren einen ungefährdeten Heimsieg ein. 

Zudem sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Vorlagengeber Sergio Lopez bereits seinen fünften Assist in dieser Spielzeit verzeichnete. Nicht schlecht für einen Außenverteidiger.

Das lief gut:

Nahezu die komplette zweite Halbzeit: Bereits in der ersten Halbzeit zeigten die Lilien eine ordentliche Leistung, taten sich aber in Überzahl gegen dann tiefstehende Kieler ab der 26. Minute zunächst schwer, in ihre Offensivaktionen zu kommen. „Nach der Roten Karte war das Spiel sehr zäh, die Nettospielzeit bis zur Pause dürfte sehr gering gewesen sein“, bilanzierte Niklas Schmidt, bevor der Torschütze zum 2:0 anfügte: „Nach der Pause haben wir es sehr gut gemacht.“ 

In Gleichzahl waren die Südhessen den Kielern mit einem angepassten System begegnet, Kai Klefisch agierte gegen den Ball als Teil einer Dreierkette, Luca Marseiler (links) und Sergio Lopez (rechts) bekleideten die Wing-Back-Positionen, Hiroki Akiyama startete als klare Sechs, während Merveille Papela und Niklas Schmidt als Achter auf dem Feld standen. Ein Sytsem, das zum Gegner passte, gleichzeitg aber auch dafür sorgte, dass ein Großteil der Akteure auf der jeweiligen „Lieblingsposition“ zum Einsatz kommen konnten. Überlegungen, die in den ersten 26 Minuten bereits viele positive Ansätze hervorbrachten, aber nach der Hinausstellung des Kielers Müller und der damit einhergehenden Veränderung im Anlaufverhalten der Gäste nicht mehr zu einhundert Prozent zum Spielgeschehen passten.

Bis zur Pause nahm sich Florian Kohfeldt die Zeit, um sich seine Gedanken zu machen und dann in der Kabine nachzujustieren. Erfolgreich. „Wir haben bewusst bis zur Halbzeit gesagt, dass wir es nicht auf Teufel komm raus versuchen“, verriet der Cheftrainer im Nachgang, dass er sich frühzeitig für die Umstellungen in der Pause entschieden hatte, um nicht im Laufe des ersten Durchgangs mit sofortigen Verschiebungen auf die Überzahl zu reagieren und damit Spieler wieder auf andere Positionen zu stellen.

„In der Pause konnten wir in Ruhe anpassen, wir wollten den Ball laufen lassen, den Gegner müde machen und dann die entscheidenden Situationen setzen. Das haben wir sehr gut gemacht.“ 

Raoul Petretta ersetzte den gelb vorbelasteten Papela, der SV 98 agierte fortan aus einer Viererkette heraus, Kai Klefisch schon neben Hiroki Akiyama und hinter Isac Lidberg bildeten Luca Marseiler, Marco Richter und Niklas Schmidt eine extrem speilfreudige und variable Dreierreihe. Es folgte eine Halbzeit mit zwei schnellen Toren, viel Spielwitz und weiteren ungenutzen Möglichkeiten. Zudem schafften es die Lilien, defensiv sauber zu bleiben, sodass Marcel Schuhen bereits die zehnte weiße Weste dieser Saison einfahren konnte. Kurzum: Einfach gute 45 Minuten. 

Die Breite im Kader: Mit Fabian Nürnberger, Fraser Hornby, Killian Corredor, Patric Pfeiffer, Matthias Bader und Bartosz Bialek fehlten den Lilien am Samstag gleich sechs Akteure, die allesamt zum absoluten oder zumindest erweiterten Stammpersonal zählen. Dass der SV 98 dennoch einen ungefährdeten Sieg einfahren konnten, sagt viel über die Qualität im Kader der Südhessen aus. Und über das Mindset der Spieler, die andere ersetzen und sofort ihre Leistung abrufen. „Schuh hat es in der Ansprache vor dem Spiel überragend gesagt: Wir sind nicht einzelne Spieler, sondern Darmstadt 98“, verriet Florian Kohfeldt im Nachgang. Besser kann man es nicht zusammenfassen. 

Fotos: Jana Delp
Foto: Jana Delp

Das lief nicht gut:

Eine kurze Phase nach dem 2:0. Florian Kohfeldt wäre nicht Florian Kohfeldt, wenn er nicht auch nach einem souveränen und ungefährdeten 2:0-Heimsieg zumindest einen kleinen Kritikpunkt finden würde. Am Samstagnachmittag erkannte der Cheftrainer der Lilien diesen in den Minuten nach dem 2:0, in denen seine Mannschaft ein wenig „läpsch“ agierte, wie es der 43-Jährige ausdrückte. „Da spielen wir einen Chip, machen dies und das und waren auch in der Restverteidigung nicht so aufmerksam“, kritisierte Kohfeldt, stellte aber umgehend klar: „Wir haben uns aber auch schnell wieder gefangen.“ 

Dennoch ist es dem Coach wichtig, auch im Moment des Sieges solche Phasen anzusprechen, weil er genau weiß, dass in dieser Liga eine kurze Phase der Unkonzentriertheit ausreichen kann, um über Sieg und Niederlage zu entscheiden. Und das an jedem einzelnen Spieltag. 

Zitat des Tages:

"In der Pause konnten wir in Ruhe anpassen, wir wollten den Ball laufen lassen, den Gegner müde machen und dann die entscheidenden Situationen setzen. Das haben wir sehr gut gemacht." 

Florian Kohfeldt

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