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01.12.2025 / Profis

Analyse: Ein 0:0 muss nicht langweilig sein

„Wer morgen die Zeitung aufschlägt, 0:0 als Ergebnis liest und daneben noch den Wetterbericht sieht, wird an ein Spiel denken, zu dem man nicht hätte gehen sollen. Aber die Leute, die heute im Stadion waren, die haben es sicherlich nicht bereut.“ Florian Kohfeldt fasste den Sonntagnachmittag im Saarland mit einem treffenden Vergleich zusammen. Das torlose Remis der Lilien bei der SV Elversberg im Dauerregen war auch ohne Treffer ein hochklassiges Zweitliga-Spiel, in dem beide Mannschaften ihre Chancen besaßen und bewiesen, dass sie nach 14 Spieltagen zurecht im oberen Tabellendrittel zu finden sind. Unsere Analyse.

Foto: Eibner

Szene des Spiels:

Lidbergs Lattentreffer. Die Lilien zeigten in Elversberg über 90 Minuten eine gute Leistung, die Anfangsviertelstunde war dabei sogar herausragend. Mit einem auf das Aufbauspiel der SVE angepassten Anlaufverhalten erzwangen die Südhessen in den ersten Minuten einige Ballgewinne und hätten sich nach sieben Minuten in Person von Isac Lidberg beinahe erneut mit einem frühen Treffer belohnt. Einen klugen Ball von Kai Klefisch leitete Sergio Lopez direkt auf Lidberg weiter, der Schwede drehte sich geschickt um Gegenspieler Le Joncour, scheiterte dann aber am Bein von SVE-Keeper Kristof, von wo das Spielgerät an den Querbalken klatschte. Aluminiumtreffer Nummer elf für den SV 98 – ein Liga-Bestwert, auf den die Darmstädter mit Sicherheit verzichten können.

„Der Torwart hat einen guten Job gemacht“, erklärte Lidberg in Bezug auf die Szene, merkte aber selbstkritisch an: „Ich hätte heute mindestens ein Tor, vielleicht sogar zwei Tore machen müssen.“

Es bleibt müßig, darüber zu diskutieren, inwiefern ein frühzeitiges 1:0 den weiteren Spielverlauf verändert hätte, da auch in der Folge beide Teams konsequent den Weg in die Offensive suchten, ohne dabei ins offene Messer zu laufen. Klar ist: Da nur Zentimeter zum Glück fehlten, bleibt der Lattentreffer im Gedächtnis. Und steht symbolisch für ein 0:0, das keineswegs hätte torlos bleiben müssen.

 

Das lief gut:

Das eigene Spiel gespielt: „Wir müssen in der Lage sein, unser Spiel dort aufzuziehen“, hatte Florian Kohfeldt auf der PK im Vorfeld der Partie erklärt und damit die Marschroute für den Sonntag bereits am Freitag vorgegeben. Nach Schlusspfiff zeigte die Statistik satte 54 Prozent Ballbesitz für die Lilien  – auswärts bei der SVE, die vor dem Spiel den zweithöchsten Ballbesitzwert der Liga aufwies und selbst bekannt für ihre dominante Spielweise ist.

„Wir hatte eine gute Struktur“, analysierte Kohfeldt, Marcel Schuhen sprach von einer „super Spielanalage.“ Zumal der SV 98 sich nicht nur einige gute Chancen erspielte, sondern gegen die beste Offensive der Liga auch die Null halten konnte. Das lag keineswegs an einer schwachen Leistung der Gastgeber, der „bis zum Ende auf Sieg spielte“ (Kohfeldt) und im Spielverlauf ebenfalls zu seinen Möglichkeiten kam. „Beide Mannschaften haben viel dafür getan, dass es ein hochklassiges Spiel wurde“, fasste der Lilien-Cheftrainer treffend zusammen und beglückwünschte sein Team zu der gezeigten Leistung gegen einen Gegner, der seit nunmehr 261 Tagen nicht mehr Zuhause verloren hat und in der aktuellen Spielzeit bereits die Mannschaften aus Nürnberg, Kaiserslautern, Kiel und Fürth auf eigenem Platz besiegte. 

Die Defensive: „Natürlich hatte auch Elversberg einige Möglichkeiten“, gab Kohfeldt mit Blick auf das Spielgeschehen am Sonntag zu, doch die Defensive der Lilien erledigte gegen die SVE ihren Job mehr als ordentlich. Die Elversberger blieben erstmals in dieser Saison im eigenen Stadion ohne Treffer, der Darmstädter Mannschaftsverbund schaffte es immer wieder, die Gastgeber vom eigenen Tor wegzuhalten oder war in den entscheidenen Momenten zur Stelle, um brenzlige Situationen zu bereinigen. Allein bei der Großchance von Top-Torjäger Ebnoutalib funktionierte die Abstimmung nicht wie geplant, der SVE-Angreifer ließ die Gelegenheit glücklicherweise ungenutzt. So konnte sich Marcel Schuhen nach Abpfiff über die bereits sechste „Weiße Weste“ der Saison freuen, mit 13 Gegentoren stellen die Südhessen die drittbeste Defensive der Liga. Gemeinsam mit Elversberg übrigens. 

Aleksandar Vukovic (SV Darmstadt 98) im Zweikampf mit Younes Ebnoutalib (SV 07 Elversberg), SV Elversberg vs SV Darmstadt 96, Fussball, 2. Bundesliga, 14. Spieltag, Saison 2025/2026, 30.11.2025 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis
Killian Corredor (SV Darmstadt 98) im Zweikampf mit Lasse Guenther (SV 07 Elversberg), SV Elversberg vs SV Darmstadt 96, Fussball, 2. Bundesliga, 14. Spieltag, Saison 2025/2026, 30.11.2025 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis
Spielszene mit Fraser Hornby (SV Darmstadt 98), Luca Marseiler (SV Darmstadt 98) und Amara Conde (SV 07 Elversberg), SV Elversberg vs SV Darmstadt 96, Fussball, 2. Bundesliga, 14. Spieltag, Saison 2025/2026, 30.11.2025 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis
Killian Corredor (SV Darmstadt 98) im Zweikampf mit Florian Le Joncour (SV 07 Elversberg) , SV Elversberg vs SV Darmstadt 96, Fussball, 2. Bundesliga, 14. Spieltag, Saison 2025/2026, 30.11.2025 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis
Amara Conde (SV 07 Elversberg) im Zweikampf mit Hiroki Akiyama (SV Darmstadt 98) und Kai Klefisch (SV Darmstadt 98), SV Elversberg vs SV Darmstadt 96, Fussball, 2. Bundesliga, 14. Spieltag, Saison 2025/2026, 30.11.2025 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis
Fabian Nuernberger (SV Darmstadt 98) im Zweikampf mit Younes Ebnoutalib (SV 07 Elversberg), SV Elversberg vs SV Darmstadt 96, Fussball, 2. Bundesliga, 14. Spieltag, Saison 2025/2026, 30.11.2025 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis
Fraser Hornby (SV Darmstadt 98) muss verletzt vom Platz, SV Elversberg vs SV Darmstadt 96, Fussball, 2. Bundesliga, 14. Spieltag, Saison 2025/2026, 30.11.2025 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis
Younes Ebnoutalib (SV 07 Elversberg) vergibt die Riesenchance gegen Patric Pfeiffer (SV Darmstadt 98) und Marcel Schuhen (SV Darmstadt 98), SV Elversberg vs SV Darmstadt 96, Fussball, 2. Bundesliga, 14. Spieltag, Saison 2025/2026, 30.11.2025 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis
Aleksandar Vukovic (SV Darmstadt 98) im Zweikampf mit Lukas Pinckert (SV 07 Elversberg), SV Elversberg vs SV Darmstadt 96, Fussball, 2. Bundesliga, 14. Spieltag, Saison 2025/2026, 30.11.2025 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis

Das lief nicht gut:

Die Chancenverwertung. „In so einem Top-Spiel bekommt man nicht so viele hochkarätige Möglichkeiten“. In diesem Punkt waren sich Florian Kohfeldt und Vincent Wagner nach dem Spiel einig. Entsprechend haderten beide Trainer ein wenig mit dem verpassten Lucky Punch, der sowohl für die SVE als auch für die Lilien möglich gewesen wäre. Insbesondere Lidberg verpasste bei seinem Lattentreffer und einem Kopfball nach dem Seitenwechsel gute Gelegenheiten, aber auch Corredor, Vukotic oder Nürnberger hätten durchaus einen Treffer erzielen können. „Wir hatten Chancen, die wir normalerweise auch nutzen“, so Nürnberger, der erstmals nach seiner Knie-Verletzung wieder in der Anfangsformation stand. Da aber auch die Gastgeber durchaus einen Treffer hätten erzielen können, fiel das Gesamtfazit des bulgarischen Nationalspielers eher positiv aus: „Mit etwas mehr Glück nehmen wir drei Punkte mit, aber auch der eine Punkt ist in Ordnung.“

Darüber hinaus gab es wenig Kritikpunkte am sehr strukturierten Auftreten der Lilien bei einem der fußballerisch besten Teams der Liga. Allein die verletzungsbedingte Auswechslung von Fraser Hornby findet in unserer Analyse noch den Weg in die „Das lief nicht gut“ – Kategorie. 

„Das Pokalspiel am Mittwoch wird sicherlich sehr eng“, erklärte Cheftrainer Kohfeldt auf Nachfrage, konnte aber naturgemäß noch keine genauere Prognose zur Verletzung des Schotten abgeben. Hornby hatte das Spielfeld nach einer guten halben Stunde mit Oberschenkelproblemen verlassen müssen, Marco Richter war dafür in die Partie gekommen. „Es ist immer schwierig, wenn ein absoluter Leistungsträger ausfällt“, verriet Marcel Schuhen in der Mixed-Zone, um dann zu ergänzen: „Aber Marco hat es gut gemacht, auf eine andere Art und Weise. Wir haben die Breite im Kader, um so etwas aufzufangen. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass Fraser nicht länger fehlen wird.“

Ein Wunsch, dem wir uns an dieser Stelle gerne anschließen. 

Zitat des Tages

"Ich habe zwei Mannschaften gesehen, die aktuell nicht zu Unrecht dort stehen, wo sie stehen."

Florian Kohfeldt

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