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06.04.2025 / Profis

Analyse: Ein nicht schöner, aber wichtiger Heimsieg

„Am liebsten spiele ich schön und gewinne“, hatte Florian Kohfeldt auf der Pressekonferenz vor dem Duell mit Greuther Fürth gesagt. Und noch hinzugefügt: „Wenn das nicht geht, dann gewinne ich gerne. Es geht darum, Punkte zu holen.“ Das Heimspiel des SV Darmstadt 98 gegen Greuther Fürth konnte man mit Sicherheit nicht in die Kategorie „atemberaubend“ einsortieren. Es war vielleicht nicht schön und auch kein Spektakel – anders als es etwa die Heimsiege gegen Köln und Kaiserslautern gerieten. Doch es war ebenfalls ein Sieg, ein wichtiger obendrein. Und auch dieser bringt drei Punkte. Wir haben den 1:0-Heimerfolg der Südhessen für Euch analysiert.

Foto: eibner Pressefotos

Szene des Spiels:

Wir müssen zugeben, dass es die eine oder andere Analyse hier auf sv98.de in dieser Saison gab, in der es uns deutlich schwerer fiel, diese eine Szene des Spiels herauszupicken. So aber nicht nach dem Samstagsspiel im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Der spielentscheidende Moment, er war schnell gefunden. Und doch war zuvor an der Nieder-Ramstädter-Straße Geduld gefragt. Ganze 79 Zeigerumdrehungen mussten vergehen, ehe Isac Lidberg das Spielgerät im gegnerischen Kasten versenkte und somit das Bölle zum Explodieren brachte. „Auch für mich als Stürmer sind diese Spiele nicht unbedingt die Partien, die am meisten Spaß machen“, sagte der Matchwinner nach Abpfiff in der Mixed-Zone und fügte an: „Aber umso wichtiger ist es, für den Moment bereit zu sein.“ Lidberg war genau das. Er war bereit. Er zeigte Effizienz. Er netzte.

An dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll folgendes: Vorausgegangen war dieser Toraktion ein zunächst extrem wichtiger Ballgewinn von Andreas Müller im Gegenpressing. Dieser sorgte dafür, dass Jean-Paul Boetius wenige Wimpernschläge später einen ebenso überragenden Steckpass auf den Torschützen spielen konnte. Ballgewinn, Traumpass, Abschluss: Zusammengenommen unsere Szene des Spiels.

Das lief gut:

Gewonnen. Und das mal nicht auf spektakuläre Art und Weise. Ihre zuvor fünf Heimsiege hatten die Lilien stets mit mindestens zwei Toren sowie mindestens zwei Treffern Unterschied eingefahren: 3:1 gegen die Hertha, 2:0 gegen Schalke, dazu die noch deutlicheren Heimerfolge gegen Karlsruhe (3:0) sowie natürlich die 5:1-Siege gegen Köln und Kaiserslautern. Der SV 98 war zwar im zweiten Durchgang deutlich näher am Führungstreffer als sein Widersacher. Daheim gegen Greuther Fürth gelang es den Südhessen aber nun erstmals, eines dieser im Volksmund typischen „0:0-Spiele“ für sich zu entscheiden. Die Lilien lernten am 28. Spieltag, dass es nicht immer direkt ein Fußballfest braucht, um ein Spiel zu gewinnen. Es darf auch mal ein nicht schönes, aber wichtiges 1:0 sein. „Das war das, was uns in dieser Saison bislang noch gefehlt hat“, erklärte Florian Kohfeldt nach der Begegnung und führte weiter aus: „Es ist ganz wichtig, auch solche Spiele zu gewinnen. Dieser Sieg ist für die Gesamtentwicklung der Mannschaft sehr bedeutend.“

Schließlich gab es in dieser Saison, aber vor allem auch in den vergangenen Wochen schon häufig diese engen Spiele – Duelle, aus denen die Lilien nichts Zählbares mitnahmen, obwohl dies zuhauf im Rahmen des Möglichen gewesen wäre. Doch entweder brachten sich die Darmstädter selbst durch eigene Fehler in der Defensive um den Lohn oder ließen hochkarätige Torchancen ungenutzt. Der SV Darmstadt 98 befindet sich in einer Entwicklungssaison, wie Kohfeldt immer wieder betont. Seine Mannschaft sei lernwillig und gewillt, sich stetig, weiterzuentwickeln. Genau das zeigte das Team mit dem 1:0-Heimsieg gegen Greuther Fürth. Sie gewannen knapp. Weil sie dieses Mal keine gegnerischen Torchancen zuließen und diesen einen Moment ausnutzten, den der Gegner anbot.

Stabil und effizient. Noch in der vergangenen Woche beklagten wir uns in unserer Analyse zum Ulm-Spiel über die Probleme der Lilien mit der Effizienz. Insgesamt brauchen die Darmstädter in dieser Saison zu viele Torschüsse, um einen Treffer zu erzielen. Der xGoals-Wert lag in den vergangenen Spielen zu häufig über dem, was am Ende bei raussprang. So aber nicht gegen Greuther Fürth. 1,5 sagte dieser. Vielmehr als der eine Treffer von Isac Lidberg war gegen kompakt stehende Kleeblätter kaum drin. Und das heißt auch: Die Lilien, sie waren an diesem 28. Spieltag endlich mal maximal effektiv. Sie warteten auf diese eine Torchance, sie nutzten diese eine Torchance eiskalt aus.

Dass dies überhaupt möglich war, lag weiter an einer extrem stabilen Defensive. „Wir haben eine sehr gute Haltung gezeigt, haben hart gearbeitet und sind keinem Zweikampf aus dem Weg gegangen“, lobte Lidberg. Mit einer Quote von 56 Prozent bei den gewonnenen Zweikämpfen untermauerte der SV 98 seinen starken Defensivauftritt. Clemens Riedel gefiel dies verständlicherweise. „Es war wichtig, heute die Null zu halten“, so der Kapitän des SV 98: „Und dann vorne Effizienz zu zeigen.“ Auch für den Cheftrainer seien Effizienz und Stabilität die entscheidenden Faktoren dieses Heimsiegs gewesen. Kohfeldt: „Wir haben nicht den eigenen Fehler gemacht, sind stabil geblieben und haben die eine Chance für uns genutzt.“ Das lief gut.

Das lief nicht gut:

Wenige Torchancen. Es war eine zähe Kiste. Die Darmstädter hatte nicht wirklich viele Möglichkeiten, die Gäste aus Fürth sogar gar keine. In der ersten Halbzeit fehlten gefährliche Strafraumszenen nahezu gänzlich. Ein Fakt, der zum einen natürlich für zwei kompakte und stabile Defensiven stand. Zum anderen gelang es den Lilien aber zu selten, die Gäste stetig unter Druck zu setzen. Das Kreieren vieler Torchancen fiel den Darmstädter an diesem Samstagmittag sichtlich schwer. Dass sie zudem besser Fußballspielen können, wissen sie ebenfalls. Umso schöner aber, dass diese eine besonders schön herausgespielte Toraktion im Treffer zum spielentscheidenden 1:0 mündete. Isac Lidberg brachte es auf später vor den Mikrofonen auf den Punkt. Und mit seinem Zitat wollen wir es in diesem Abschnitt belassen: „Es war nicht das schönste Spiel, für die Zuschauer vielleicht nicht so attraktiv, weil es kaum Chancen gab. Aber heute zählen nur die drei Punkte.“

Noch immer nicht sicher. Wir möchten diese Kategorie zudem nutzen, um mahnend den Zeigefinger zu heben und dafür zu plädieren, weiterhin die Sinne scharf zu halten. Etwas, was auch Florian Kohfeldt nach Abpfiff im Gespräch mit den anwesenden Journalisten tat. „Es war ein wichtiger Heimsieg, der uns ein gutes Gefühl, aber keine Sicherheit gibt. Wir sind noch immer nicht durch und müssen weiter punkten“, verdeutlichte der Cheftrainer des SV 98. Die Lilien haben mit dem Dreier nun 34 Punkte auf dem Konto, was sieben Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz bedeutet. Bei noch 18 zu vergebenden Punkten „müssen wir noch ein paar Spiele für uns entscheiden“, betonte Lidberg. Direkt damit anfangen können die Lilien gerne bereits am kommenden Wochenende im Berliner Olympiastadion.

Verletzt runter. Auch die verletzungsbedingte Auswechslung von Fraser Hornby darf in dieser Kategorie unserer Analyse nicht unerwähnt bleiben. Der Stürmer des SV 98 biss auf die Zähne, probierte es bis es nicht mehr ging. In der 62. Minute musste der 25-jährige Schotte ausgewechselt werden. Nicht nur seine Mannschaft spendete ihm danach Trost, auch das Merck-Stadion am Böllenfalltor stand hinter ihm und skandierte mehrmals sowie lautstark seinen Namen. Eine Diagnose vermochte Kohfeldt auf der Pressekonferenz noch nicht abgeben. Wir wünschen unserer Nummer neun an dieser Stelle gute Besserung!

Zitat des Tages

Es war nicht das schönste Spiel, für die Zuschauer vielleicht nicht so attraktiv, weil es kaum Chancen gab, aber heute zählen nur die drei Punkte.

Isac Lidberg über den 1:0-Heimsieg der Lilien gegen Greuther Fürth

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