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14.09.2025 / Profis

Analyse: Moral & Maglica

Mit großer Moral und einer klaren Leistungssteigerung nach dem Seitenwechsel verdienten sich die Lilien die drei Punkte gegen Eintracht Braunschweig. Wir blicken in unserer Analyse natürlich noch einmal auf den Freistoß von Matej Maglica und betrachten zudem die positiven und eher negativen Aspekte des Heimsieges.

Szene des Spiels:

Maglicas Moment. Wenig überraschend war Matej Maglica nach dem 2:1 gegen Eintracht Braunschweig ein gefragter Mann. Und der großgewachsene Verteidiger nahm alle Medienvertreter mit einem breiten Lächeln mit in die spielentscheidende Szene:  „Ich habe mir erhofft, dass ich schießen darf.“ Neben dem Kroaten wären sicherlich auch Fabian Nürnberger und Killian Corredor als Freistoßschützen in Frage gekommen, im Endeffekt lautete die Devise: `Härte vor Präzision.`

„Ich bin dafür bekannt, dass ich einen starken Schuss habe“, erklärte Maglica und ergänzte: „Ich habe mir den Ball genommen und mein Ziel war es, das Tor zu treffen. Das hat ja dann geklappt.“ Und wie. Mit satten 132 Stundenkilometern hämmerte der Linksfuß den Ball in die Maschen. 

Die anschließenden Jubeltraube umfasste den gesamten Spieltagskader der Lilien. Einwechselspieler stürmten auf das Feld, bereits ausgewechselte Akteure kehrten auf ebendieses zurück. Zum einen natürlich aus Freude über den Führungstreffer. Zum anderen aber auch, weil es eben Maglica war, der den Treffer erzielte. „Er ist ein super Typ, ein super Spieler, für den wir uns alle freuen“, fasste Nürnberger nach dem Spiel zusammen: „Die ganze Mannschaft hat sich extrem für ihn gefreut.“ 

Das lief gut:

Die Energie nach dem Seitenwechsel. „In der ersten Halbzeit hatten wir schon Probleme, nach der Pause haben wir eine andere Energie auf den Platz gebracht. Und darum ging es heute: Energie, Energie, Energie.“ Mit diesen Worten fasste Marcel Schuhen am Sky-Mikrofon die Partie gegen Eintracht Braunschweig zusammen. Schon auf der Pressekonferenz vor dem Spiel hatte Florian Kohfeldt mit Blick auf den Gegner analysiert: „Sie spielen sehr intensiv, sehr mutig und sehr emotionalisiert.“ 

Und genauso traten die Löwen dann auch im Merck-Stadion auf. Viele Zweikämpfe, Spielunterbrechungen und eine hohe Intensität prägten das Spielgeschehen und der SV 98 brauchte ein wenig, um sich an dieses Energielevel zu gewöhnen. Doch spätestens nach einigen Minuten im 2. Durchgang waren die Lilien voll da, gewannen auch mit der Unterstützung des lauten Publikums zahlreiche Duelle, waren selbst griffig, giftig und „zielstrebig“ in den Angriffen, wie Fabian Nürnberger zusammenfasste. 

Kohfeldt: „Ich habe der Mannschaft in der Pause gesagt: Wir haben heute nicht unseren besten Tag, aber wir müssen einen Weg finden, das Spiel zu gewinnen. Und das haben sie geschafft.“

Neben den Treffern von Isac Lidberg und Maglica hatte daran auch das Energielevel und die damit verbundene Moral nach dem Seitenwechsel einen gehörigen Anteil am Erfolg. 

Das Gefühl für den Moment. „Wir müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, welche Punkte in einem Spiel die entscheidenden sind“. Dieser Satz stammt aus dem März 2025. Gesagt hat ihn Florian Kohfeldt nach der damaligen knappen Auswärtsniederlage beim 1. FC Köln. Aus diesem Zeitraum stammen auch andere Aussagen des Cheftrainers, die in eine ähnliche Richtung gehen. In Ulm sprach Kohfeldt davon, dass sein Team „die Momente fühlen müsse“, also verstehen in welchen Phasen und Augenblicken ein Spiel in die eine oder andere Richtung kippen kann.

Die Lilien scheinen in dieser Hinsicht in der aktuellen Saison einen deutlichen Schritt weiter zu sein. Killian Corredor hatte dieses Gefühl in Nürnberg, das Heimspiel gegen Braunschweig bot nun sogar eine ganze Reihe an Beispielen für diese These. Das 0:1 brachte die Lilien zwar kurzzeitig aus dem Tritt, aber zumindest defensiv standen die Südhessen so stabil, dass sie immer in der Chance blieben, den Turnaround zu schaffen. Isac Lidberg bewies beim 1:1 einmal mehr seinen Torjägerinstinkt und erspürte in dieser Szene den richtigen Moment, um sich selbst mit dem Treffer zu belohnen. Ebenso war der Schwede in einem der wenigen Momente von Unachtsamkeit auf Braunschweiger Seite zur Stelle, erzwang den Platzverweis und den Freistoß, den Maglica zum Siegtreffer nutzen konnte. Auch, weil nicht zuletzt Kohfeldt erkannte, dass die Freistoßposition eher für Maglica und weniger für einen der Techniker im Team sprach. 

 

Das lief nicht gut:

Das Gegentor. Es gehört leider zur Stellenbeschreibung eines jeden Torhüters dazu, dass ein kleiner Fehler leider zumeist ein Gegentor nach sich zieht. „Es war mein Fehler, das habe ich den Jungs auch in der Halbzeit gesagt. Ich finde es wichtig, einen Fehler zuzugeben“, gestand Marcel Schuhen nach Abpfiff bei SKY in seiner gewohnt ehrlichen Art sofort ein und hob die „Top-Reaktion“ der gesamten Mannschaft nach der Pause hinzu.

Schon der Abschluss von Mehmet Aydin für die Braunschweiger hätte sicherlich verhindert werden können, doch der Lilien-Kapitän ging auch an dieser Stelle voran und nahm das Gegentor auf seine Kappe. „Das passt zu Schuh“, resümierte Kohfelt, um auszuführen: „Er spricht sehr deutlich die Dinge an, die ihm nicht gefallen. Und er sagt auch sehr deutlich, wenn er etwas nicht optimal gelöst hat.“

Der Gegentreffer in der 22. Minute brachte die Lilien etwas aus dem Tritt, Kohfeldt beobachtete eine „kleine Verunsicherung“ im direkten Anschluss bei seiner Mannschaft, die uns zum zweiten nicht ganz so gelungenen Punkt führt…

…Phase der Ungeduld: Es spricht für die Lilien, dass sie Rückstände wie das gestrige 0:1 gerne schnellstmöglich egalisieren möchten. Am Samstagnachmittag ging dieser Wille aber in der Phase zwischen 0:1 und Halbzeit zu Lasten von Präzision und Zielstrebigkeit. Die Lilien verloren darüber ein wenig die Spielkontrolle, spielten einige Fehlpässe oder verzettelten sich in 1-gegen-1-Duellen. Positiv: Nach der Analyse in der Pause und einigen kleinen Umstellungen nahmen die Südhessen das Heft des Handelns wieder in die Hand und fanden auch über Ballsicherheit, Geduld und bessere Entscheidungsfindung auf die Gewinnerstraße. 

Zitat des Tages

Nach der Pause haben wir eine andere Energie auf den Platz gebracht. Und darum ging es heute: Energie, Energie, Energie.

Marcel Schuhen, nach dem Spiel bei SKY

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