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24.01.2026 / Profis

Analyse zum Nürnberg-Spiel: Sie wissen, was sie tun

Ein nach 90 Minuten verdienter 2:0-Sieg, aber ein hartes Stück Arbeit gegen einen richtig guten Gegner. Mehr oder weniger deckungsgleich fassten die Darmstädter Protagonisten den Heimsieg am Freitagabend gegen den 1. FC Nürnberg so zusammen. Doch wie gelang es den Lilien, den insgesamt zehnten Saisonsieg und siebten Heimerfolg dieser Spielzeit einzufahren? Was machte der SV 98 im Merck-Stadion am Böllenfalltor gut? Was eher weniger gut? Die Antworten findet Ihr in unserer Analyse zum FCN-Spiel.

Martin Heck, Florian Kohfedt, Darius Scholtysik
Foto: HMB-Media

Szene des Spiels:

Oder vielleicht nicht doch lieber den Plural bilden und „Szenen“ des Spiels daraus machen!? Wir entscheiden uns zunächst einmal für die 60. Spielminute, für den berühmten Dosenöffner. Standardsituation vor der Südtribüne am Böllenfalltor: Ein missglückter Klärungsversuch der Nürnberger Hintermannschaft nach einem Eckstoß von Luca Marseiler landete direkt vor den Füßen von Hiroki Akiyama. Mit einem platzierten Linksschuss schlenzte der japanische Mittelfeldspieler den Ball in die Maschen – und ließ damit das Merck-Stadion am Böllenfalltor explodieren. Mehr noch. „Das Tor hat die kleine Dose geöffnet, das hat uns gutgetan“, betonte Marseiler zum Akiyama-Tor, ehe er eine Viertelstunde später selbst erfolgreich sein sollte.

Und da sind wir bei unserer zweiten „Szene des Spiels“. Ein langer Ball von Marco Richter in den Lauf von Marseiler. Noch in Bochum hätte dieser nach Meinung seines Cheftrainers „zwei, drei Tore machen müssen“. Doch am Bölle blieb die Nummer acht des SV 98 nun trotz des langen Sprints zum gegnerischen Kasten extrem cool. Als er sah, dass Nürnbergs Keeper herauseilte, lupfte er den Ball eiskalt über diesen hinweg ins Tor – das 2:0, es war mit dem ersten Marseiler-Treffer in dieser Saison besiegelt. „Es war ein sehr schönes Tor, es wurde aber auch mal Zeit für ihn“, scherzte Teamkollege Merveille Papela nach Abpfiff.

Foto: eibner Pressefotos
Foto: Jana Delp
Foto: Jana Delp
Foto: eibner Pressefotos
Foto: Jana Delp
Foto: eibner Pressefotos
Foto: eibner Pressefotos
Foto: eibner Pressefotos
Foto: Jana Delp
Foto: Jana Delp

Das lief nicht gut:

Die erste Halbzeit. Hätte sich der SV Darmstadt 98 beschweren dürfen, wenn er nach 45 Minuten mit einem Rückstand in die Pause gegangen wäre? Nein. Eine Führung für den 1. FC Nürnberg nach diesem ersten Durchgang wäre durchaus in Ordnung gewesen. Doch lag es danach, dass die Lilien einfach nicht gut ins Spiel fanden und die Leistung nicht stimmte? Auch das müssen wir entschieden verneinen. „Ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich uns im ersten Abschnitt gar nicht so schlecht fand. Nürnberg war allerdings richtig gut“, analysierte Kohfeldt auf der Pressekonferenz nach der Partie.

Der Cheftrainer des SV 98 gab seiner Mannschaft einen aktiven Ansatz mit auf den Weg. Wohlwissend, dass der 1. FC Nürnberg enorme spielerische Qualitäten besitzt, um Lücken in einem stabilen Defensivverbund zu finden. So liefen die Lilien zwar mutig an, riskierten dabei aber, das ein oder andere Mal überspielt zu werden. Immer wieder brachten die Franken den Ball auf den spielstarker Zehner in Person von Julian Justvan, während den Lilien der Zugriff auf eben genau diese Zehnerräume fehlte. Positiv aber, dass der SVD trotzdem nicht in Rückstand geriert, sondern vielmehr stabil blieb. Natürlich dank des gewissen Quäntchen Glücks, aber auch dem Willen, sich Widerständen entschieden entgegenzuwerfen.

Die erste Halbzeit war sehr schwer für uns. Trotzdem haben wir einen Weg gefunden, hier zuhause wieder zu gewinnen.

Marco Richter

Das lief gut:

Sie wissen, was zu tun ist. „Es ist eine riesige Qualität meiner Mannschaft, Punkte in Spielen zu holen, in denen nicht alles nach Plan läuft“, verdeutlichte Kohfeldt nach Abpfiff des 19. Zweitliga-Spieltag. Die Partie gegen den 1. FC Nürnberg und speziell die bereits angesprochene erste Halbzeit waren das perfekte Beispiel dafür. Doch ließen sich die Lilien auch von Widerständen und einem richtig starken Gegner nicht beirren, vertrauten vielmehr konsequent ihren Qualitäten. „Die erste Halbzeit war sehr schwer für uns. Trotzdem haben wir einen Weg gefunden, hier zuhause wieder zu gewinnen“, unterstrich Marco Richter am Mikrofon von Sky. Kohfeldt ergänzte auf der PK: „Was uns auszeichnet, ist, dass wir nicht den Kopf verlieren. Wir wissen, was wir machen wollen.“

So brauchte es in der Halbzeit nur eine zielgerichtete Ansprache samt kleinerer taktischer Anpassungen im Anlauf- und Pressingverhalten, um das Duell mit dem FCN Stück für Stück auf Seiten der Blau-Weißen zu ziehen. Hornby positionierte sich im Angriff etwas tiefer, während Akiyama im Mittelfeld von der tiefen Sechserposition weiter nach vorne gezogen wurde. Ein weiterer wichtiger Schachzug war der Seitentausch von Marseiler und Richter, dessen Ziel es war, nach Ballgewinnen immer wieder den Torschützen zum 2:0 auf der rechten Seite zu finden. Allesamt Änderungen, die fruchteten. Denn die Lilien wissen in jeder Spielphase, was zu tun ist. Sie haben klare Muster, klare Abläufe. „Wir sind in allen Spielphasen in der Lage, gefährlich zu werden“, betonte derweil auch der Cheftrainer des SVD. Die Szenen, die zu beiden Treffern führten, nutzte seine Mannschaft enorm effektiv aus. Und auch danach hatten die Lilien noch gute Möglichkeiten, um die Führung weiter auszubauen. Der Lohn dieser guten Leistung? Der insgesamt zehnte Saisonsieg und die Punkte 35, 36 und 37. Kohfeldts Fazit: „Wir sind stabil geblieben, hatten den längeren Atem. Nürnberg war ein richtig schwerer Gegner. Deshalb ist der Sieg für mich heute richtig viel wert, weil er eine sehr gute Leistung brauchte.“

Vielseitigkeit. Als Luca Marseiler den Ball nach 75 Zeigerumdrehungen im Netz versenkte, stand er als zehnter Darmstädter Torschütze in dieser Saison fest. Der SV Darmstadt 98 ist gerade in der Offensive enorm variabel, was nicht zuletzt der Treffer von Marseiler, aber auch der von Akiyama zeigte. Genau dieser Umstand wird auch noch einmal deutlich, wenn wir uns das Zustandekommen der beiden Tore anschauen. Eine gute Positionierung des Japaners nach einer Standardsituation sorgte für das 1:0, ein schnelles Umschalten nach einem gegnerischen Standard lieferte per Konter im eigenen Stadion für das 2:0. „Wir sind die Mannschaft, die die meisten Tore aus dem strukturierten Ballbesitz und einem guten Positionsspiel schießt“, hob Kohfeld hervor und ergänzte: „Wir können aber auch nach schnellem Umschalten oder Standardsituationen Tore schießen.“ Genau diese Vielseitigkeit zeichnet den SV 98 in dieser Saison aus, genau diese Vielseitigkeit führte auch zum 2:0-Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg.

Zahlen und Fakten. Ja, auch der Blick auf die Statistiken macht bei der Recherche zu dieser Analyse enorm viel Spaß. Genau deshalb ordnen wir die folgenden Fakten in diese Kategorie ein. Seit Mai 2025 – also seit einem guten Dreivierteljahr – haben die Lilien nicht mehr im Merck-Stadion am Böllenfalltor verloren. In dieser Saison zählt die Heimstatistik starke 24 Punkte dank sieben Siegen und drei Remis. „Hier zuhause ist ein magischer Ort für uns, die Heimserie ist super“, freute sich daher auch Papela in der Mixed-Zon. Doch mehr noch. Seit acht Partien ist der SV 98 nun unbesiegt – die längste Serie eines Zweitliga-Teams in dieser Spielzeit. Grund für das stetige Punktesammeln ist dabei vor allem die stabile Defensive: Die Darmstädter blieben nun schon zum achten Mal ohne Gegentore – ein Wert, der nur von Schalke und Hertha (beide 10) getoppt wird. Und auch offensiv läuft es richtig gut: Nach dem 2:0-Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg dürfen wir die Lilien dank 34 Saisontoren als beste Offensive der Liga bezeichnen (Stand Samstagvormittag).

Zitat des Tages

Was uns auszeichnet, ist, dass wir nicht den Kopf verlieren. Wir wissen, was wir machen wollen. Wir sind stabil geblieben, hatten den längeren Atem. Nürnberg war ein richtig schwerer Gegner. Deshalb ist der Sieg für mich heute richtig viel wert, weil er eine sehr gute Leistung brauchte.

Florian Kohfeldt

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