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04.04.2026 / Profis

Blaupause

Mit dem Auswärtsspiel der Lilien in Bielefeld wurde offiziell die Crunchtime dieser Saison eingeläutet. Sieben Spiele, in denen jeder einzelne Punkt Gold wert sein kann. Nach einer schwachen Leistung musste der SV 98 die Alm schlussendlich mit leeren Händen verlassen. In unserer Analyse blicken wir auf die Gründe für die verdiente Niederlage und darauf, welche Lehren der SV 98 für die verbleibenden sechs Partien ziehen sollte.

Foto: Tom Sauels

Szene des Spiels:

Das 1:1 in der 47. Minute: Mit einem 1:0 gingen die Lilien am Samstagnachmittag in die Kabine. Ein schmeichelhaftes Ergebnis aus südhessischer Sicht, daran bestand kein Zweifel. Und dennoch naturgemäß eine gute Ausgangsposition für den zweiten Durchgang. „Die Führung war sehr glücklich, das haben wir in der Halbzeit angesprochen und wollten es besser machen“, so Fraser Hornby, der dann aber gemeinsam mit seinem Teamkollegen sehr schnell eine bittere Pille schlucken musste.

Nicht einmal zwei Minuten waren nach dem Seitenwechsel gespielt, da traf Semir Telalovic zum Ausgleich für die Gastgeber. „Hochverdient“, wie Florian Kohfeldt zurecht anmerkte. Gleichzeitig verdeutlichte der Treffer aber auch, dass das Glück des SV 98 aus den ersten 45 Minuten aufgebraucht war. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte zumindest ein wenig das Gefühl entstehen können, dass die Arminia all ihren Aufwand vielleicht doch nicht in etwas Zählbares hätte umwandeln können, aus der Überlegenheit mit zunehmender Spieldauer eventuell ein kopflosen Anrennen geworden wäre. Doch durch all diese Eventualitäten machte der Treffer zum 1:1 einen dicken Strich. Das Stadion explodierte, die Arminia-Fans legten in der Folge nochmal einen Gang zu. Bereits in der 51. Minute verhinderte nur eine knappe Abseitsstellung einen weiteren Treffer, den die Bielefelder in der 82. Minute verdientermaßen nachholten. Das 1:1 war eine Energiequelle für den DSC, der bereits zuvor mit viel Power agierte und durch den Treffer in seinem Glauben an den Heimsieg noch einmal bestärkt wurde. Dem SV 98 hingegen gelang es nur äußert selten, dieses Level der Gastgeber zu erreichen. 

Das lief gut:

Zugegebenermaßen nicht viel. Die Partie in Bielefeld war wahrscheinlich die schwächste Darbietung des SV 98 in dieser Spielzeit. Demgegenüber stand hingegen „die beste Saisonleistung“ der Bielefelder, wie DSC-Cheftrainer Mitch Kniat bestätigte. Eine Diskrepanz, die nahezu über die komplette Spielzeit deutlich wurde. Positiv hervorzuheben ist sicherlich dennoch der bereits siebte Pflichtspieltreffer von Matej Maglica in dieser Saison, sowie das Comeback von Matthias Bader, der nach seiner Meniskus-OP erstmals wieder Einsatzminuten sammeln konnte. Auch schafften es die Lilien zumindest, viele Hereingaben und insbesondere die zahlreichen Standardsituationen der Bielefelder aus der Gefahrenzone hinauszubefördern. Zugegebenermaßen ein schwacher Trost, wie auch Maglica erklärte: „Wir haben einiges wegverteidigt, aber dann braucht es auch Entlastung, Bälle halten, Freistöße ziehen. Das ist uns überhaupt nicht gelungen.“

Und so könnte die positivste Erkenntnis der Auwärtsniederlage eine zukunfsgerichtete sein. Das Learning für die kommenden Wochen, das auch Florian Kohfeldt betonte: „Das war eine Blaupause für das, was die nächsten sechs Spieltage passiert. Wir müssen lernen, dass diese Intensität und Energie Woche für Woche kommen werden.“

Das lief nicht gut:

Falsche Entscheidung: Die Lilien gingen mit der grundsätzlichen Idee in die Partie, das hohe Anlaufen der Bielefelder mit spielerischen Mitteln aus der eigenen Viererkette heraus auszuhebeln. Im Zweifel stellte auch der lange Chip über die pressenden Gastgeber ein absolut erlaubtes Stilmittel dar. Das Problem? Beide Varianten funktionierten nicht, wie Cheftrainer Kohfeldt zugeben musste: „Wir haben viele falsche Entscheidungen getroffen. Wenn du das Bielefelder Pressing überspielen willst, dann musst du schnell spielen. Da haben wir zu langsam gespielt. Wenn du es lang überspielen willst, dann brauchst du eine gute Positionierung auf den zweiten Ball und gute gegenläufige Bewegungen. Da waren wir heute nicht gut aufeinander abgestimmt.“

Dem SV 98 gelang es kaum, die Ketten der Arminia im gepflegten Spielaufbau zu überbrücken, gleichzeitig ergatterten die Bielefelder auch einen Großteil der zweiten Bälle. „Wir haben von Anfang an nicht das gezeigt, was uns als Mannschaft auszeichnet“, resümmierte Fraser Hornby. Die Variabilität im eigenen Ballbesitz ist ein starkes Merkmal der Lilien in dieser Spielzeit. Auf der Alm bekamen sie es nicht auf den Platz. 

Die Intensität: Bielefeld läuft, Bielefeld presst, Bielefeld ist intensiv. In nahezu all diesen Kategorien gehört die Arminia zur Spitzengruppe der zweiten Liga. Die Lilien waren darauf vorbereitet . Aber sie schafften es dennoch nicht, „die Intensität zu matchen“, wie es Hornby ausdrückte. Zwar verzeichnete der SV 98 auf der Alm ebenfalls gute Werte in den läuferischen Statistiken und bei der Anzahl an Sprints, doch der DSC war ihnen in dieser Hinsicht noch einen Tick überlegen. Das alleine ist keine Schande, schließlich geht es nahezu allen Gegnern der Ostwestfalen so. Gepaart mit den Ungenauigkeiten und den falschen Entscheidungen, die der SV 98 an diesem Samstag zu häufig traf, ensteht allerding eine Mischung, die es unheimlich erschwert, die Alm mit etwas Zählbarem zu verlassen. Das bekamen auch die Lilien an diesem 28. Spieltag leidvoll zu spüren. 

Gelbe Karten: Auch die Verwarnungen gehören zur unschönen Geschichte eines gebrauchten Nachmittags. Fabian Nürnberger sah eine frühe Gelbe Karte, im Duell mit dem dribbelstarken Momuluh ein klares Handicap für den Linksvertetdiger. Nicht nur spielbezogene Folgen hatten zudem die Karten für Kai Kleisch und Isac Lidberg, die beide das kommende Spiel gegen Hannover 96 gesperrt verpassen werden. 

Zitat des Tages:

Wir wollen nächste Woche zurückkommen und zeigen, warum wir dort oben in der Tabelle dabei sind.

Fraser Hornby

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