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09.06.2022 / Allgemein

„Das ist die schönste Rückmeldung für uns“

Hinter dem Nachwuchsleistungszentrum der Lilien liegt ein erfolgreiches Jahr. Sowohl U19 als auch U17 feierten den Bundesliga-Klassenerhalt, Clemens Riedel schaffte als U19-Akteur den Sprung zum festen Bestandteil des Profikaders und auch John Peter Sesay und Philipp Sonn feierten ihre Debüts in der 2. Liga. Wir haben mit Björn Kopper auf das vergangene Jahr zurückgeblickt, uns aber auch schon mit kommenden Aufgaben und Zielen beschäftigt.

sv98.de: Björn, die Jugendteams sind nahezu geschlossen in der Sommerpause. Lässt sich ein Gesamtfazit für den Nachwuchsbereich in der zurückliegenden Saison ziehen?

Kopper: Für einige jüngere Teams stehen im Juni noch Turniere an, zudem steht die U17 im Hessenpokalfinale, ansonsten sind alle Mannschaften in der Pause. Insgesamt können wir ein sehr positives Fazit ziehen, wobei wir natürlich schon eine individuelle Bewertung vornehmen. Speziell der Bundesliga-Klassenerhalt unserer U19 und U17 ist für uns natürlich hervorragend, dazu kommen die Jungs, die als U19-Spieler bereits auf Einsätze im Profiteam gekommen sind. Primär Clemens Riedel, aber auch John Peter Sesay und Philipp Sonn, auf deren Entwicklung wir natürlich stolz sind. Wir sind insgesamt auf einem richtig guten Weg und sehr zufrieden. Auch das neue Modell, das wir im vergangenen Sommer eingeführt haben, hat sich total bewährt.

sv98.de: Ein kleiner Wermutstropfen dürfte der Abstieg der U15 gewesen sein…

Kopper: Genau, das ist aber auch der einzige im gesamten Nachwuchsbereich. Nachdem wir jahrelang Regionalliga gespielt haben in diesem Jahrgang, müssen wir jetzt leider den Gang in die Hessenliga antreten. Ein unnötiger Abstieg, bei dem vieles zusammengekommen ist. Aber wir nehmen es so, wie es ist und werden natürlich versuchen, die Jungs weiterhin optimal auszubilden und in der kommenden Saison wieder in die Regionalliga zurückzukehren.

sv98.de: Nach Corona-Unterbrechungen konnte auch endlich wieder in einem halbwegs normalen Rhythmus gespielt werden. Waren den Jungs die pandemiebedingten Pausen anzumerken oder haben sie schnell wieder zu den gewohnten Abläufen zurückgefunden?

Kopper: Es hat ein paar Wochen gedauert, aber dann haben die Teams ihren Rhythmus wieder gefunden. Ein wenig schwieriger war es für die Spieler, die den Übergang in einen nächsthöheren Jahrgang und damit auch auf ein höheres Niveau vollziehen mussten, ohne zuvor im geregelten Spielrhythmus gewesen zu sein. Speziell würde ich da den Übergang U13 zur U14 und U14 zur U15 nennen. Wir hatten natürlich den Vorteil, dass wir als Unterbau einer Profimannschaft durch die „Spitzensportregelung“ früher wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen konnten, diesen Rückstand hat man den Amateurmannschaften schon angemerkt. Wir hoffen einfach, dass es nicht mehr zu so einer Situation kommen wird.

sv98.de: Ungewohnt war auch der Modus, in dem die Ligen im Leistungsbereich durchgeführt worden. Sowohl in der U19 als auch in der U17 gab es 21 Teams, gegen jede Mannschaft wurde nur einmal gespielt, dazu kam die enorme Anzahl von 7 Absteigern. Geht es nun zurück in den „normalen“ Modus?

Kopper: Leider nicht. Das stößt auch nicht unbedingt auf Verständnis bei den Teams aus den U19- und U17-Bundesligen. Es wird erneut eine einfache Liga gespielt werden, für die Bundesliga Süd bedeutet das 17 Teams, 16 Spiele und sechs Absteiger. Prozentual ist das also noch mehr als in der zurückliegenden Saison. Die Ligen werden schon im März, April beendet sein und für die Übergangszeit bis zum Juli wird es dann wahrscheinlich weitere Spiele zwischen den NLZ-Teams ohne sportliche Wertung geben.

sv98.de: Gibt es dafür eine Begründung? Speziell die hohe Anzahl an Absteigern hatte ja schon in dieser Saison für einen gewissen Unmut gesorgt, weil die individuelle und taktische Ausbildung teilweise auf der Strecke blieb, da alle Teams irgendwie Punkte sammeln mussten…

Kopper: Es ist das Ziel, die Ligen wieder auf die ursprünglichen Staffelgrößen von 14 Mannschaften zurückzuschrauben. Deswegen gab es bereits in der abgelaufenen Saison so viele Absteiger und deshalb wird es auch in der neuen Saison diese enorme Anzahl geben. Natürlich wird im Bereich U19 und U17 Leistungssport betrieben und ein gewisser Ergebnisdruck im Wettkampf ist absolut in Ordnung, aber trotzdem spielt der Ausbildungsaspekt eine extrem große Rolle. Und dieser bleibt durch die Konstellation mit 16 Spielen und sechs Absteigern auf der Strecke. Du hast kaum Zeit, etwas zu korrigieren und das wird dazu führen, dass viele Teams eben ausschließlich für die Tabelle spielen werden und entsprechend auch ihre Spielweise anpassen. Das ist alles nicht im Sinne der Ausbildung, aber damit müssen sich jetzt alle Teams auseinandersetzen.

sv98.de: Kommen wir zu einer anderen Thematik. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde eine umfassende Ausweitung der NLZ-Strukturen beschlossen, der Maßnahmenkatalog beinhaltete unter anderem die frühzeitige Integration von Nachwuchsspielern im Trainingsbetrieb der Profis, die Neuschaffung der Position des Übergangkoordinators oder die noch zielgerichteter Ausbildung der Junglilien. Wie blickst du in diesem Zusammenhang auf die zurückliegenden 12 Monate?

Kopper: Viele der Dinge, die wir uns erhofft haben, sind exakt so eingetreten. Allein durch Pascal Pellowski, der die Position des Übergangskoordinators bekleidet, ist die Verzahnung zwischen Nachwuchs- und Profibereich nochmal enger geworden, auch was organisatorische und bürokratische Abläufe angeht. Die Integration von Clemens Riedel und John Peter Sesay im Profikader hätte aus unserer Sicht nicht besser laufen können. Zum einen, weil sie auf Einsätze in der 2. Liga gekommen sind, aber auch, weil sie als absolute Leistungsträger ihren Teil zum Klassenerhalt der U19 beitragen konnten. Der Austausch mit Torsten Lieberknecht, Carsten Wehlmann und dem gesamten sportlichen Bereich ist wirklich sehr gut und wir spüren, dass dort immer ein offenes Ohr für unsere Anliegen vorhanden ist. Dieses Zusammenspiel ist nochmal enger geworden. Sicherlich gibt es noch Stellschrauben, die optimiert werden können, aber so akut fällt mir da jetzt nichts ein. Das Konzept hat sich im ersten Jahr absolut bewährt.

sv98.de: Du hast Clemens und John angesprochen. Welches Gefühl gibt es euch, wenn diese Jungs nicht nur als Trainingsgäste im Profibereich auftauchen, sondern eben auch zu einem festen Teil des Profikaders werden?

Kopper: Das spricht für die Entwicklung im NLZ. Ich glaube, dass die Jungs, die wir nach oben anbieten können, schon über eine andere Qualität verfügen, als es vielleicht vor drei, vier Jahren der Fall gewesen ist. Wichtig war aber auch, dass wir gesehen haben, dass diese Jungs weiterhin auf dem Boden bleiben, vollen Einsatz bei der U19 abliefern und hohe Lernbereitschaft zeigen. Grundsätzlich ist es die schönste Rückmeldung für unser NLZ, wenn am Wochenende in der 2. Liga ein Spieler auf dem Feld steht, der aus den eigenen Reihen stammt. Dieses Feedback ist auch das ehrlichste, das wir bekommen können, weil der Cheftrainer diese Jungs ja nicht aus Jux und Tollerei aufstellt. Das ist für uns schon eine Art Belohnung.

sv98.de: Welches Gefühl gibt es den anderen Nachwuchsspielern, wenn sie beispielweise das Positivbeispiel Clemens Riedel vor Augen haben?

Kopper: Das nehmen die Jungs aus allen Jahrgangsstufen wahr, das registrieren aber auch Außenstehende oder die Eltern und das Umfeld unserer Spieler. Alle sehen, dass so eine Entwicklung beim SV Darmstadt 98 möglich ist, wenn man bereit ist, diesen Weg konsequent zu gehen und alles aufzusaugen und einzubringen. Das ist ein riesiger Ansporn für alle. Auch jetzt werden wieder Spieler in der Vorbereitung oben dabei sein und natürlich wissen sie, dass Clemens und John vor einem Jahr in genau derselben Situation waren.

sv98.de: Kommen wir zu zwei Personalien bei euch im NLZ: Björn Müller wird Sportlicher Leiter und Daniel Petrowsky neuer U19-Trainer. Was erhofft ihr euch von den beiden?

Kopper: Seit dem Abgang von Ramon Berndroth war die Stelle des Sportlichen Leiters nicht mehr durch eine Einzelperson besetzt, sondern durch ein Gremium. Das war für diese Periode auch die richtige Entscheidung, aber aufgrund der Entwicklung und den bisherigen Doppelfunktionen für die Trainer der U19 und U17 waren wir alle der Meinung, diese Position wieder mit einer Person zu besetzen, die sich ausschließlich um diesen Aufgabenbereich kümmert. Mit Björn Müller gewinnen wir dort einen absoluten Fachmann mit riesigem Erfahrungsschatz hinzu, der uns in vielen Bereich mit seinen Ideen und bei der Weiterentwicklung unserer Konzepte enorm bereichern wird. Wir erhoffen uns weitere Fortschritte in der Trainerausbildung, der individuellen Förderung unserer Spieler und einen extrem kompetenten Ansprechpartner für all unsere Teams. Diese Position ist natürlich eine übergeordnete Stelle, während Daniel Petrowsky die Rolle des U19-Cheftrainers bekleiden wird. Dabei galt es, Georg-Martin Leopold zu ersetzen, der die U19 in die Bundesliga geführt und dort gehalten hat. Wir sind sehr froh, in Daniel jemanden gefunden zu haben, der jahrelang Erfahrung in diesem Altersbereich gesammelt und beim HSV auf höchsten Niveau gearbeitet hat. Wir sind sicher, dass er für neuen Input bei der Entwicklung unserer Talente sorgen wird und viele Ideen und Aspekte einbringen wird, die unsere Spieler voranbringen werden.

sv98.de: Abschließend: Kannst du bereits Wünsche und Ziele für die kommende Saison im Nachwuchsbereich formulieren?

Kopper: Hauptaufgabengebiet bleibt die Ausbildung und Weiterentwicklung unserer Spieler. Unabhängig vom Jahrgang wollen wir alle Jungs wieder einen Schritt voranbringen und das Optimum wäre natürlich, wenn erneut ein Spieler aus dem NLZ bei den Profis Fuß fassen könnte. Rein tabellarisch gesehen hoffen wir schon, dass U19 und U17, trotz der erschwerten Bedingungen, wieder den Klassenerhalt erreichen können und unserer U15 die Rückkehr in die Regionalliga gelingt.

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