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09.03.2022 / Allgemein

„Das war schon ein wenig surreal“

Hinter Clemens Riedel liegen rasante Monate. Er ist Zweitligaspieler geworden, hat seinen Profivertrag unterschrieben und debütierte sogar für die U19-Nationalmannschaft. Auf dem Boden gebelieben ist er trotzdem. Und er gibt weiterhin Gas. Bei den Profis, aber auch in der U19. Wir haben mit dem 18-Jährigen gesprochen.

Foto: Eibner

sv98.de: Clemens, mit etwas Abstand wollen wir noch zum 6-Punkte-Wochenende gratulieren…

Clemens Riedel: Vielen Dank (grinst)

sv98.de: Am Freitag das 3:2 mit den Profis gegen Heidenheim und am Samstag erneut ein 3:2. Diesmal mit der U19 gegen den SC Freiburg. Das perfekte Wochenende?

Riedel: Das kann man definitiv sagen. Den Freitag mitzuerleben, das war schon der pure Wahnsinn. Leider musste ich auf die Feierlichkeiten danach verzichten, weil am Samstag ja das Spiel mit der U19 anstand. Zum Glück ist das dann ebenfalls sehr erfolgreich verlaufen und wir konnten wichtige Punkte einsammeln.

sv98.de: Wann war klar, dass du am Samstag dort spielen würdest? Oder gibt es da eine generelle Regelung?

Riedel: Das steht meist unter der Woche fest. Wenn ich bei den Profis nicht eingewechselt werde oder nur ein paar Minuten sammle, dann bin ich eigentlich immer auch bei der U19 dabei. Das will ich auch unbedingt, weil ich so auf meine Einsätze komme, die mir immer weiterhelfen.

sv98.de: Nominell bist du ja eher der Defensivspieler, in deinen letzten beiden U19-Einsätzen hast du nun aber auch jeweils getroffen. Spielst du plötzlich Stürmer oder hat das auch mit dem Selbstvertrauen zu tun, dass du als Zweitliga-Spieler gesammelt hast?

Riedel: Es waren zwei Treffer nach Ecken, da war ich schon immer mit vorne dabei. (lacht) Aber ich habe schon das Gefühl, dass ich in diesen Szenen jetzt entschlossener agiere, bestimmt auch, weil ich das Standradtraining von den Profis kenne.

sv98.de: Wie siehst du dich denn selbst? Als Profi, der bei der U19 aushelfen kann? Als U19-Spieler, der bei den Profis dabei sein darf?

Riedel: Durch die Spielberechtigung für die U19 sehe ich mich schon eher als U19-Spieler und alles, was bei den Profis passiert, ist einer Art Belohnung. In diesem Jahr lief es wirklich gut für mich, aber es ist weiterhin sehr schön, der U19 weiterhelfen zu können.

sv98.de: Blicken wir mal zurück: Anfang Juli haben wir schon im Trainingslager miteinander gesprochen. Damals nanntest du Ensar Arslan, John Peter Sesay und Leon Müller als Vorbilder, weil sie sich durch Leistung einen Profivertrag verdient haben. Wenig später begann eine bislang unvergessliche Saison für dich. Einsätze an den ersten vier Zweitliga-Spieltagen und 120 Minuten im DFB-Pokal, bevor du Ende August selbst deinen Profivertrag bekommen hast. Wie hat sich das angefühlt?

Riedel: Es war und ist eine überragende Zeit, besser hätte es nicht laufen können. Ich bin auf jeden Fall stolz und froh darüber, was seit diesem Interview damals passiert ist. Jetzt nehme ich jeden Tag mit, um mich weiterhin zu verbessern.

sv98.de: Plötzlich warst du auch U19-Nationalspieler, hast mittlerweile 6 Länderspiele gemacht. Musst du dich manchmal kneifen?

Riedel: Das war alles schon ein wenig surreal. Es ging schon verdammt schnell, auch mit der Nationalmannschaft. Ich hoffe, dass ich beim nächsten Lehrgang Ende März auch wieder dabei sein kann.

sv98.de: Andere 18-Jährige würden eventuell abheben. Bei dir betont jeder im Verein, dass man sich keine Gedanken machen muss, weil du immer vorbildlich und höflich auftrittst und einfach hart arbeitest. Wie sehr freuen dich solche Aussagen?

Riedel: Das freut mich wirklich extrem. Ich habe durch meine Erziehung und von meinem Elternhaus immer mitbekommen, dass es überhaupt nichts bringt, in so einer Situation die Bodenhaftung zu verlieren. Es kommt dann viel eher darauf an, immer weiter zu machen, weil es genauso schnell wieder in die andere Richtung gehen kann. Warum sollte ich mich da jetzt über andere stellen? Ich möchte immer mehr und dafür arbeite ich.

sv98.de: Das NLZ und Übergangskoordinator Pascal Pellowski nennen dich daher auch immer wieder als Vorbild für andere U19-Spieler, die durch dich ganz nah mitbekommen, wie der Sprung gelingen kann. Versuchst du den anderen Junglilien da zu helfen?

Riedel: Auf jeden Fall. Ich habe ständigen Kontakt mit den anderen Jungs, wohne ja auch selbst noch im Internat. Es gibt schon den einen oder anderen, der mal nachfragt und wissen möchte, wie alles abläuft oder wie man sich verhalten sollte, wenn man mal bei den Profis mittrainieren darf.

sv98.de: Zumal es ja viele Themen gibt, die man mit dir besprechen kann. Nicht nur die Profieinsätze, plötzlich können die Leute auch bei FIFA mit dir spielen oder sich das Lilientrikot mit deinem Namen beflocken lassen. Da huscht doch bestimmt mal ein Grinsen über dein Gesicht?

Riedel: Es ist schon ein Traum, der da in Erfüllung geht. Natürlich hoffe ich, dass ich erst am Anfang stehe, aber diese Dinge geben einem ein wunderbares Gefühl. Auch nach den Spielen die Nachrichten auf dem Handy und in den sozialen Netzwerken zu lesen und zu merken, wie viele Leute sich mit einem freuen, ist immer wieder schön.

sv98.de: Über allem steht aber das Sportliche. Mit den Profis Zweiter, mit der U19 weiterhin im Kampf um den Klassenerhalt in der verrückten Junioren-Bundesliga. Das klingt nach viel Spannung im Endspurt…

Riedel: Ich glaube auch. (lacht) In der U19 sind es nur noch wenige Spiele, da sieht es aber gut aus. Trotzdem brauchen wir noch Punkte, um den Klassenerhalt einzutüten. Und wie spannend die verbleibende Saison bei den Profis noch werden kann, das kann jeder anhand der Tabelle sehen…

sv98.de: Bleibt da überhaupt Zeit, um dein persönliches Jahr schon Revue passieren zu lassen oder wird das erst in der Sommerpause passieren?

Riedel: Manchmal kommen ein paar Gedanken in meinen Kopf, aber wirklich bewusst wird es mir dann wahrscheinlich erst in der Sommerpause werden. Ich hoffe natürlich, dass ich dann auch auf zwei erfolgreiche Spielzeiten von beiden Teams zurückblicken kann.

sv98.de: Im Sommer-Interview hast du gesagt: „Als Spieler möchte man sich natürlich weiterentwickeln und das Maximum herausholen.“ Das dürfte bislang ganz gut gelungen sein. Bleibt dieser Ansatz auch weiterhin dein Ziel?

Riedel: Das ist genauso geblieben. Man kann immer und überall an sich arbeiten und noch etwas herausholen, das sehe ich täglich beim Training mit gestandenen Profis. Entsprechend sind das weiterhin mein Ziel und mein Anspruch.

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