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11.05.2024 / Junglilien

„Der Übergangsbereich hat eine enorm wichtige Bedeutung“

Seit dem 6. Mai steht offiziell fest, dass der SV 98 in der kommenden Saison mit seinem Top-Talente-Team in der Hessenliga starten wird. Wir haben mit Björn Müller, dem Sportlichen Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, über die Wichtigkeit dieses Teams im Übergangsbereich, die konkreten Planungen und die Eingliederung in der Hessenliga gesprochen.

sv98.de: Mit der Bewilligung des Antrags für ein Top-Talente-Team hat man sich etwas gedulden müssen. Wie froh bist du, dass ihr nun endlich eure Planungen intensiver angehen könnt?

Björn Müller: Wir haben natürlich schon eine Menge an Vorarbeit geleistet – gerade mit Blick auf die Rahmenbedingungen. Dennoch sind wir alle sehr froh, dass wir nun auch offiziell die Bestätigung erhalten haben und konkret mit den Planungen loslegen können. Im Hintergrund ist bereits reichlich passiert. Wir haben vornehmlich mit unseren eigenen Nachwuchsspielern gesprochen, ihnen das Konzept vorgestellt und erklärt. Wir hatten dabei aber auch Verständnis für jeden einzelnen Spieler, der vor einer Zusage abwarten wollte, in welcher Liga wir schlussendlich angesiedelt werden. Jetzt haben wir Klarheit, auch die Spieler haben Klarheit. Wir gehen also sofort über ins konkrete Umsetzen und die Kaderzusammenstellung.

Warum ist ein Top-Talente-Team für die Lilien so wichtig?

Der Übergangsbereich zwischen dem Nachwuchsleistungszentrum und der Profimannschaft hat eine enorm wichtige Bedeutung, die in den letzten Jahren noch einmal deutlich zugenommen hat. Wir hatten in den letzten Spielzeiten bereits Jugendspieler, die bei den Profis mittrainiert haben. Für einen Profivertrag hat es dann manchmal allerdings nicht gereicht. Wir hätten diese Jungs aber unglaublich gern ein oder zwei weitere Jahre ausgebildet – einfach um zu sehen, was sich in ihrer Entwicklung noch tut. Diese Möglichkeiten haben wir jetzt mit unserem Top-Talente-Team. Zudem haben wir durch dieses Team die Chance, junge Spieler schon frühzeitig an den Herrenbereich heranzuführen und sie darauf vorzubereiten.

Wieso nennt man das Team nicht einfach U23?

Wir docken schließlich nicht einfach eine Mannschaft in unserem NLZ obendrauf. Dem Top-Talente-Team liegt ein weitreichendes Konzept zugrunde. Schließlich wird es im nächsten Jahr keine U17- und U19-Bundesligen mehr geben. Stattdessen eine DFB-Nachwuchsliga ohne Auf- und Absteiger. Das bietet für uns die Möglichkeit, noch individueller auf unsere Spieler einzugehen.

Das heißt…

Wir haben die Möglichkeit, unsere Spieler nach ihrem Entwicklungsstand an genau der richtigen Stelle in ein Mannschaftsgefüge einzugliedern und können den Jungs somit frühzeitiger ihre nächsten Schritte ermöglichen. Wenn ein Spieler aus der U17 schon für die U19 bereit ist, wird er dort eingesetzt werden. Wenn ein U19-Spieler schon bereit für Einsätze im Herrenfußball ist, wird er im Top-Talente-Team spielen. Wir können die Jungs also frühzeitig eingliedern – im Training und in Pflichtspielen. Das Top-Talente-Team besteht also nicht nur aus Spielern aus dem Herrenbereich, sondern eben auch aus Jungs, die noch im Jugendbereich einsetzbar sind.

Wo wird das Top-Talente-Team trainieren und wo wird die Mannschaft ihre Spiele austragen?

Der Trainingsort wird überwiegend unser Nachwuchsleistungszentrum sein. Wie die U17 und U19 auch, wird das Top-Talente-Team ihre Trainingszeiten rund um den Nachmittag und eventuell auch vormittags haben, um gute Strukturen zu bieten. Schließlich haben wir in beiden Altersklassen Schulkooperationen, die es uns erlauben, schon um 15.30 Uhr zu trainieren. Der Spielort für das Top-Talente-Team wird der Platz des FC Alsbach sein.

Wer wird die Mannschaft trainieren und was hat das für personelle Ableitungen im NLZ?

Neuer Trainer des Top-Talente-Teams wird Daniel Petrowsky,  aktueller Trainer unserer U19. Er handelt schon jetzt als wunderbare Schnittstelle zwischen dem Jugend- und dem Herrenbereich. Zudem konnte er bereits Erfahrung in diesem Bereich beim Hamburger SV sammeln. Somit ist er für uns die ideale Besetzung für diese Position. Eine wichtige Rolle kommt weiterhin auf Pascal Pellowski zu, der als Übergangskoordinator die enge Schnittstelle zwischen Nachwuchs- und Profibereich darstellt. Der jetzige U17-Trainer, Patrick Kurt, wird ab Sommer für die U19 verantwortlich sein. Als Trainer der U17 wird fortan Max Lieberknecht fungieren, der aktuell noch Co-Trainer der U19 ist. Da wir auf eine U16 verzichten werden, wird Max sich ganz eng mit unserem U15 Trainer Eric Ledwina abstimmen müssen, weil wir Spieler aus der U15 ohne den Zwischenschritt U16 in die U17 übernehmen.  Wir haben also ein tolles Trainerteam in diesem Bereich, das sich nicht nur gut versteht, sondern auch weiterhin sehr eng im Austausch stehen wird. Darüber hinaus leisten alle Trainerteams der U10 – U14 und das gesamte Personal des NLZ unfassbare Arbeit. Insgesamt kann man mit der Entwicklung des NLZ zufrieden sein. Es warten jedoch viele weitere Aufgaben und Projekte durch sämtliche Altersklassen hindurch. Die Erläuterungen dazu würde den Rahmen hier allerdings sprengen.

Wie wird sich die Mannschaft zusammensetzen? Werden nur Spieler aus dem NLZ an den Start gehen oder wird man auch einige wenige erfahrene Spieler für sich gewinnen wollen?

Die Mannschaft wird mit vielen Spielern aus unserer U19 bestückt sein. Unser Ansinnen ist es, viele Spieler des älteren U19-Jahrgangs an uns zu binden und ihnen weitere Zeit der Ausbildung bei uns zu ermöglichen und ihre Entwicklung bei uns weiter zu fördern. Wir gründen die Mannschaft allerdings neu. Das heißt, dass uns der 2004er-Jahrgang als Grundstock fehlt – das sind die Jungs, die jetzt schon in ihrem ersten Herrenjahr sind. Daher müssen wir auch zwangsläufig Spieler von außen hinzunehmen. Wir sind uns bewusst, dass wir von der Anzahl aber auch von der Erfahrung her einige wenige Gerüstspieler benötigen, um in der Hessenliga gegen erfahrene Fußballer im Seniorenbereich bestehen zu können. Das macht es notwendig, auch Spieler von außen hinzuzuholen. Wir werden aber keinen komplett neuen Kader von außen auf die Beine stellen, denn das würde unser Konzept unterminieren. Es wird sich auf einige wenige Spieler beschränken.

Hier und da war der Vorwurf zu hören, dass man mit dem Start in der Hessenliga den sportlichen Wettbewerb außer Kraft setzt, weil man ohne die Qualifikation über sportliche Aufstiege in die Spielklasse eingegliedert wird. Auch wurde die Befürchtung geäußert, dass dann möglicherweise ein Team mehr in der kommenden Saison absteigen wird. Was entgegnest du diesen kritischen Stimmen?

In unserem Antrag haben wir immer dargelegt, dass es unser Ansinnen ist, dass niemand wegen uns weichen oder ein zusätzliches Team absteigen muss. Wir wollen ein vollwertiges Mitglied dieser Oberliga Hessen werden und stellen uns dort auch dem sportlichen Wettkampf mit all seinen tabellarischen Regelungen. Dass wir dort eingliedert werden konnten, sehen die Statuten vor. Ich kann die kritischen Stimmen verstehen, die fragen, warum unsere Mannschaft nicht einfach in der untersten Klasse starten könne und erstmal Aufstiege zu bewerkstelligen habe. Das würde aber nicht mit dem Gedanken der Talentförderung einhergehen. Unsere Talente aus der U19 würden wir in einer unteren Spielklasse nicht halten können.

Besteht für andere Hessenliga-Vereine die Sorge, dass das Top-Talente-Team ihnen Spieler wegnehmen könnte?

Das Gegenteil wird über die Jahre  der Fall sein. Wir führen eher Spieler dem System Hessenliga hinzu. Die Spieler, die vielleicht nach ein, zwei oder drei Jahren im Top-Talente-Team den Sprung zu unseren Profis nicht schaffen, werden absolut attraktiv für Vereine aus der Region. Sie haben bis dahin schließlich eine Ausbildung im NLZ genossen und bereits Erfahrung über mitunter mehrere Jahre im Seniorenfußball gemacht. Damit sind diese Spieler sicherlich sogar attraktiver als Jungs, die direkt und ohne Zwischenstufe aus der U19 in den Herrenbereich kommen. Dass Spieler aus der Region dennoch zu uns stoßen, können wir natürlich nicht ausschließen. Das ist nun mal die normale Situation im Fußball. Unser Fokus liegt, wie geschildert, auf den in unserem NLZ ausgebildeten Spielern.

Bestünde auch situativ die Möglichkeit, Spielern aus der ersten Mannschaft im Top-Talente-Team Spielzeit zu verschaffen, damit diese Spielpraxis erhalten?

In erster Linie besteht die Möglichkeit für unsere Nachwuchsspieler, die als fester Bestandteil im Trainingsbetriebs der Profis verankert sind, Spielpraxis auf diesem Niveau zu erhalten. Das sind pro Saison zwei oder drei Jungs, die als U19-Spieler jede Trainingseinheit bei den Profis mitmachen, vielleicht aber noch nicht auf Einsätze bei den Profis kommen. Diese werden in der Top-Talente-Mannschaft spielen und dort wertvolle Erfahrungen  sammeln können. Wir erhoffen uns dabei ähnliche Karriereverläufe wie diese von Clemens Riedel oder aktuell  von Fabio Torsiello oder Asaf Arania. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass Torsten Lieberknecht gerade Rekonvaleszenten Spielzeit in unserem neuen Team geben kann. Das geschieht  jeweils in enger Absprache, wird dabei aber auch nur eine punktuelle Möglichkeit sein.

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