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28.02.2022 / Allgemein

Einer der geilsten Siege

“Die Menge tobt und wartet auf ein Lilien-Tor”, lautet eine Textzeile in der Vereinshymne des SV Darmstadt 98. Und manchmal, ja da warten die Darmstädter Fans eben auch mal bis zur 93. Spielminute. So wie am Samstagabend im Rudolf-Harbig-Stadion: Die Nachspielzeit ist weit fortgeschritten, nicht mehr lange auf der Uhr. Nochmal alles nach vorne werfen. Tief in der gegnerischen Hälfte im Gegenpressing den Ball erobern. Pass in den Sechzehner. Raus gelegt auf Außen. Pass in die Mitte. Fußspitze reingehalten. Drin. Die blau-weiße Menge tobt.

Foto: Stefan Holtzem

“Das sind die geilsten Siege”, frohlockte ein überglücklicher Mathias Honsak nach Spielschluss. Er war es, der kurz zuvor mit seinem entscheidenden Siegtor für drei Punkte beim 1:0-Sieg der Lilien in Dresden sorgte, beim Jubel die richtige Seite wählte und mit ausgebreiteten Armen geradezu auf den ausrastenden Gästeblock zusteuerte. “In der 90. Minute den Siegtreffer zu schießen, ist einer der besten Momente als Stürmer. Das waren pure Emotionen und die pure Freude, mit den Fans und der Mannschaft zu feiern”, so die Nummer 18 der Darmstädter weiter.

Volles Risiko, Mut zahlt sich aus

Sein Tor, es war der Inbegriff von Willensstärke und Leidenschaft. Auch in einem engen und intensiven Duell nie die Nerven zu verlieren, war einer der Schlüssel zum Erfolg. Schließlich gab es auf beiden Seiten genug Möglichkeiten, die Partie für sich zu entscheiden. Auch Dynamo Dresden hätte mit der größten schwarz-gelben Chance in der 89. Minute für den Last-Minute-Treffer sorgen können. Das Spielglück aber, es war auf Seiten der Darmstädter. “Wir sind heute der glückliche Sieger”, so Torsten Lieberknecht, der erklärend anfügte: “Glücklich darum, weil der Zeitpunkt des Tores so spät war.”

Und doch war es am Ende aber auch ein Sieg, den die Lilien unbedingt wollten. Den Beweis dazu lieferten Lieberknecht und sein Trainerteam bereits 13 Zeigerumdrehungen vor dem spielentscheidenden Honsak-Treffer. Nämlich in der 80. Minute, als sie Aaron Seydel für Klaus Gjasula auf den Dresdner Rasen schickten. “Wir haben ein Zeichen gesetzt, in dem wir einen Sechser geopfert und dafür einen weiteren Stürmer gebracht haben. Damit sind wir volles Risiko gegangen”, verdeutlichte der Cheftrainer des SV 98. Der Darmstädter Mut, er zahlte sich aus. Drei Auswärtspunkte, sie waren die Belohnung.

Auswärtsstärke einer stabilen Truppe

Ein weiterer Auswärtserfolg also, der für bemerkenswerte Zahlen sorgte. Seit September des letzten Jahres haben die Lilien kein Duell mehr vor fremder Kulisse verloren. Das macht neun ungeschlagene Auswärtsspiele am Stück. Eine Serie, die dem SV 98 so in seiner Zweitliga-Historie nur in der Spielzeit 2014/15 gelang. Vor Anpfiff der Sonntagsspiele in der 2. Bundesliga sind die Blau-Weißen der Anführer der Auswärtstabelle, weil sie auf den vergangenen neun fremden Plätzen beeindruckende 23 von 27 möglichen Zählern einheimsten.

Es sind Zahlen, die für eine gefestigte Mannschaft sprechen. Ein Team, das erst vor wenigen Wochen mit der Heimpleite gegen den Hamburger SV einen satten Seitenhieb wegstecken musste. Es sollte die bis dato einzige Niederlage in diesem Kalenderjahr bleiben: Es folgten ein 2:2 in Hannover sowie ein 1:1 zuhause gegen Rostock. Und nun natürlich der Auswärtsdreier in Dresden. Und Lieberknecht hatte bereits auf der Pressekonferenz vor dem Duell in der sächsischen Landeshauptstadt verkündet: “Wir sind stabil. Wir kommen nach Niederlagen wieder zurück und haben Antworten.” Richtig. Beobachtbar in Dresden. Daher betonte auch Marcel Schuhen, dass sich der Erfolg “nach drei Spielen ohne Sieg erst einmal extrem wichtig anfühlt”.

Das 1:0 in Dresden sorgte dafür, dass sich die Lilien aus den bisherigen sieben Rückrunden-Begegnungen bereits zwölf Zähler aufs Punktekonto packten. Das sind gleich zwei mehr als zum selben Zeitpunkt in der Hinserie. Daran gilt es nun, Woche für Woche weiter anzuknüpfen. Die Möglichkeit dazu bieten gleich zwei aufeinanderfolgende Heimspiele, die der SV 98 nun vor der Brust hat. Das erste findet bereits am kommenden Freitag (4.3./18.30 Uhr) gegen den 1. FC Heidenheim statt – vor einer dann wieder ordentlich gefüllten Hütte im Merck-Stadion am Böllenfalltor, 75 Prozent beträgt die Stadionauslastung. Und am Bölle wird sie dann auch wieder erklingen, die Vereinshymne des SV Darmstadt 98. Mit dieser einen Textzeile. “Die Menge tobt und wartet auf ein Lilien-Tor.”

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