„Eine hochverdiente Niederlage“
Wir haben die Stimmen nach der deutlichen Auswärtsniederlage beim KSC zusammengefasst.
Der SV Darmstadt 98 reist am Sonntag nach Kaiserslautern in das Fritz-Walter-Stadion. Wie beurteilt Cheftrainer Florian Kohfeldt die Stimmung auf dem Betze? Was macht das Stadion so besonders? Und wie schätzt er den Gegner insgesamt ein? Wir haben die wichtigsten Aussagen der Pressekonferenz am Freitag (29.8.) für Euch zusammengefasst.
Personalupdate: Paul Will und Matthias Bader fallen weiterhin aus. Alle anderen Spieler sind einsatzbereit.
Ich glaube, die letzten Spiele bedeuten gar nichts für das Spiel am Sonntag, weil ein Auswärtsspiel auf dem Betze immer etwas Besonderes ist. Kaiserslautern spielt zuhause anders als auswärts. Das sieht man auch daran, dass sie saisonübergreifend von den letzten 18 Punkten 17 zuhause geholt haben. Das Heimspiel von Lautern gegen Schalke war super energetisch – da haben sie die Kraft des Betzenbergs voll ausgenutzt. Dennoch kommen wir mit drei Siegen und einem Unentschieden aus einer Phase, in der wir sagen können, dass wir Vertrauen in das haben, was wir tun – auch in die Abläufe, die wir seit letzter Saison spielen können. Dass Sergio wieder voll fit ist, gibt uns zudem mehr Optionen auf der Rechtsverteidiger-Position. Wir freuen uns auf das Auswärtsspiel.
Der Betzenberg ist eines der stimmungsvollsten Stadien in Deutschland. Er erzeugt eine Atmosphäre, die gerade durch die Bauart der Tribünen besonders ist und so nicht häufig vorkommt. Auch die Anreise ist sehr speziell – erst den Berg hinauf, dann mit dem gläsernen Fahrstuhl durch den VIP-Bereich in die Kabine. Das sind alles Dinge, die man in anderen Stadien nicht hat. Zudem liegen die Kabinen sehr eng beieinander. Diese Aspekte machen das Stadion einzigartig – jedoch in alle Richtungen: Dieses Stadion kann auch sehr viel Druck erzeugen, auch für die Heimmannschaft. An guten Tagen ist es ein Riesenvorteil für das Team, aber es ist auch ein Publikum, das schnell viel Energie auf dem Platz einfordert.
Ich glaube, einer der Gründe, warum manche Lilien-Trainer danach Lautern-Trainer werden, ist, damit sie auch mal auf dem Betzenberg gewinnen – weil Darmstadt dort bisher noch nie gewinnen konnte (lacht). Ehrlich gesagt weiß ich nicht, welche Gründe es hat, dass Darmstadt dort noch nie gewinnen konnte. Mit Sicherheit ist dieses Stadion eine Wucht und ein Vorteil. Deswegen bin ich froh, dass viele unserer Spieler das Stadion im Mai schon gesehen haben. Wir sind keine unerfahrene Mannschaft mehr, wenn es darum geht, in solch stimmungsvollen Stadien zu spielen – das war letztes Jahr aufgrund vieler Neuzugänge aus der 3. Liga und dem Ausland noch anders. Was die Atmosphäre angeht, ist die zweite Liga einzigartig, und in solchen Stadien muss man erst einmal ein bisschen Erfahrung sammeln. Diese haben wir aber letzte Saison gesammelt. Deswegen wird es etwas Besonderes sein, auf dem Betze zu spielen – aber nichts Einschüchterndes.
Lautern zeigt zuhause und auswärts zwei unterschiedliche Gesichter. Zuhause treten sie sehr offensiv auf, versuchen früh Mannorientierung herzustellen und lassen keine Zwischenräume zu, damit der Gegner nicht aufdrehen kann. Sie haben durch die Bank mit Mahir Emreli, Ivan Prtajin oder auch Fabian Kunze nur Topspieler verpflichtet. Zudem haben sie mit Paul Joly einen Spieler geholt, der 26 Einsätze in der Ligue 1 vorweisen kann – da sieht man, in welchem Regal sie zugreifen. Deshalb wird es eine Herausforderung, ihre individuelle Qualität zu verteidigen. Gleichzeitig ist es ganz wichtig, dass wir dem Stress, den sie versuchen zu verursachen, entgehen. Dann eröffnen sich mit Sicherheit Möglichkeiten für uns, über Gegenbewegungen zu arbeiten.
Ich glaube, der Verkauf von Clemens Riedel ist für den Verein Darmstadt 98 eine Erfolgsgeschichte. Der Club hat einen Spieler über sechs Jahre hinweg entwickelt, ihn durch die ein oder andere Phase begleitet und zu einem sehr wichtigen Spieler geformt, der viel über Führungsverantwortung, Mannschaftsführung, aber auch über fußballerische Dinge gelernt hat. Ich denke, dass diese Geschichte nur Gewinner hervorgebracht hat. Clemens hat mit Barcelona in der La Liga eine großartige Herausforderung vor sich – allein schon dort im Fokus eines Vereins zu stehen, ist eine Auszeichnung. Ich bin überzeugt, dass ihn diese Auslandserfahrung nicht nur als Fußballer, sondern auch als Mensch weiterbringen wird. Und mit Barcelona hat er sich sicherlich nicht die schlechteste Stadt ausgesucht. Für den Verein ist es natürlich auch ein finanzielles Thema: Einen Spieler, der sich hier entwickeln durfte, für seine Leistungen finanziell entlohnt zu bekommen, ist wichtig. Ein großes Lob an Paul Fernie und seine Kaderplanung – dieser Abgang war schon im Mai gedanklich mit einkalkuliert. Auch wenn ich gerne weiter mit ihm zusammengearbeitet hätte, waren wir vorbereitet und fühlen uns trotz seines Wechsels gut aufgestellt. Alles Gute an Clemens! Ich glaube, dass der Schritt aus seiner Komfortzone in eine Stadt, in der er nicht mehr „unser Clemens“, sondern der „Herr Riedel“ ist, seiner Entwicklung guttun wird.
Wir werden die Länderspielpause nutzen, um den Jungs auch mal eine kleine Atempause zu geben. Jean-Paul Boëtius und Fabian Nürnberger sind mit der Nationalmannschaft unterwegs, die anderen werden im fußballspezifisch-athletischen Bereich trainieren. Das Ganze verbinden wir mit ein paar freien Tagen, um anschließend wieder normal in die Vorbereitung auf Braunschweig einzusteigen.