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22.09.2025 / Profis

Fortuna-Fluch gebrochen

"Schöne Grüße an Uwe Kuhl!". Mit einem breiten Grinsen winkte Marcel Schuhen nach Abpfiff in die Kamera und sendete eine Botschaft an den heutigen Präsidiumsvertreter der Lilien, der im September 1988 beim letzten Auswärtserfolg der Lilien in Düsseldorf einen Treffer erzielt hatte. Fast genau 37 Jahre später siegte der SV 98 nun endlich wieder bei der Fortuna. Hochverdient wohlgemerkt. Insbesondere aufgrund einer bärenstarken zweiten Halbzeit. Wir blicken in unserer Analyse etwas genauer auf diesen nahezu historischen Erfolg.

Szene des Spiels:

Neun Minuten. Zwischen der 65. und der 74. erzielten die Lilien gleich vier Treffer, von denen drei auch den Weg auf die Anzeigetafel fanden. Hiroki Akiyama, Fabian Nürnberger und Isac Lidberg entschieden in diesem Zeitraum das Auswärtsspiel in Düsseldorf. „Wir haben die Fehler genutzt und eiskalt die Tore gemacht“, bilanzierte Marcel Schuhen, der diesen „Rausch“ aus rund 100 Metern Entfernung beobachten konnte und den Dreierpack auch in den Gesamtkontext der zweiten Hälfte setzte: „Nach der Pause haben wir viele Dinge sehr gut gemacht.“ 

Cheftrainer Florian Kohfeldt sprach sogar von „der besten Halbzeit der Saison“, die durch die drei Treffer ihre verdiente Krönung fand. „Düsseldorf hat uns nach dem 1:0 etwas größere Räume gegeben, dann wurde ein Angriff nach dem anderen von uns gefährlich“, resümmierte Nürnberger am SKY-Mikrofon und erklärte wenig später mit einem breiten Grinsen in der Mixed-Zone: „Es macht einfach Spaß mit dieser Mannschaft.“ 

Schuhens Parade. Die erste Halbzeit war auch eine Partie der Torhüter. Florian Kastenmeier verhinderte gegen Hornby und Patric Pfeiffer mit sensationellen Reaktionen einen Rückstand, doch auch Marcel Schuhen hatte in der 33. Minute seinen großen Auftritt. Den Volleyschuss von Zan Celar fischte der Schlussmann noch so eben von der Torlinie. „Letzte Woche habe ich mir einen reingeworfen, heute war ich da. Das ist meine Aufgabe“, so der 32-Jährige lapidar, während Nürnberger ein dickes Lob für seinen Kapitän parat hatte: „Ich weiß nicht, ob den jeder hält. Das war schon überragend.“ 

Das lief gut:

Die Reaktion auf den aberkannten Lidberg-Treffer. Bereits in der 8. Spielminute jubelten die Lilien erstmals über einen eigenen Treffer, Isac Lidberg hatte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie befördert. Knappe zwei Minuten später folgte die Ernüchterung. Nach VAR-Eingriff wurde auf eine knappe Abseitspositon entschieden, das Tor entsprechend zurückgenommen. Ein Moment, der den SV 98 in diesem schweren Auswärtsspiel ins Wanken hätte bringen können. „Das war bitter, aber dann haben wir die passende Mentalität gezeigt, einfach weitergemacht und uns in der 2. Halbzeit belohnt“, fasste Nürnberger zusammen, was alle Zuschauer am Sonntag beobachten konnten. Zwar zeigten sich die Lilien durchaus selbstkritisch mit Phasen der ersten Halbzeit, die Kritik fußte aber keineswegs auf einer Unsicherheit aufgrund des aberkannten Tores. Angesprochen auf diese Situation brachte es Schuhen in seiner gewohnten Art auf den Punkt: „Das war uns völlig egal.“ Die Lilien blieben im Nachgang das tonangebende Team, justierten in der Halbzeit nach und zogen die Partie dann auf ihre Seite. Ein weiterer Indiz für das starke Mindset der Südhessen: Auch das scheinbare 3:0 von Fraser Hornby in der 70. Minute wurde annuliert. Lidberg antwortete keine drei Minuten später mit seinem Treffer. 

Die 2. Hälfte. Wenn Florian Kohfeldt von der „besten Halbzeit der Saison“ spricht, dann hat dies auch am 6. Spieltag schon eine gewisse Bedeutung. In allen Interviews nach dem Spielende gab der Cheftrainer einen Einblick in die Halbzeitansprache, in der er durchaus ein wenig lauter geworden war und zu einer Mannschaft gesprochen hatte, die sich selbst nicht wirklich zufrieden mit der Darbietung des ersten Durchgangs gezeigt habe. Dabei hätten die Lilien bereits zum Halbzeitpfiff eine Führung durchaus verdient gehabt, besaßen sie doch in Person von Hornby und Pfeiffer dicke Möglichkeiten auf ein 1:0. Doch nicht nur Kohfeldt hatte in der ersten Halbzeit Räume erkannt, die seine Mannschaft noch besser hätte nutzen und bespielen können, um noch zwingender und zielstrebiger das Tor der Fortuna in Gefahr zu bringen. Die Ansprache in Verbindung mit den inhaltlichen Anmerkungen zur Pause entfaltete nach dem Seitenwechsel die volle Wirkung. „Da haben wir unser Spiel aufgezogen“, erklärte Marcel Schuhen mit Blick auf die zweiten 45 Minuten, die schlussendlich für den „hochverdienten“ Sieg sorgten. 

 

Das lief nicht gut:

Phasen der 1. Halbzeit. Dieser Punkt lässt sich nahezu komplett mit der Einordung von Florian Kohfeldt zusammenfassen: „Die Minuten 30 bis 35 haben mir überhaupt nicht gefallen. Da haben wir ein wenig die Nerven verloren und nicht daran geglaubt, dass zum Erfolg führen wird, was wir zuvor gemacht haben. Da wollten wir etwas verändern, obwohl das überhaupt nicht nötig war. Das haben wir in der Halbzeit nochmal deutlich angesprochen.“

Dabei zeigte sich der Cheftrainer berechtigterweise einverstanden mit der Anfangsphase der Partie: „Die Jungs haben in den ersten 20 Minuten auf dem Platz selbst erkannt, was nötig ist. Daran mussten wir sie in der Pause nochmal erinnern.“ 

Es spricht für die Lilien, dass sie nach der Partie unisono selbstkritisch über den ersten Durchgang sprachen, der keinswegs schlecht war, aber die ehrgeizigen Südhessen nicht zufrieden stellte. „Da hätten wir besser spielen können“, so Nürnberger und Schuhen ergänzte: „In der Pause waren wir richtig unzufrieden.“ 

Umso beeindruckender, dass die Lilien die 15 Minuten derart konstruktiv nutzten, dass sie nach dem Seitenwechsel eindrucksvoll auf die Siegerstarße einbogen. 

Zitat des Tages

"Die Jungs haben in den ersten 20 Minuten auf dem Platz selbst erkannt, was nötig ist. Daran mussten wir sie in der Pause nochmal erinnern und dann haben wir die beste Halbzeit der Saison gespielt."

Florian Kohfeldt nach dem Spiel

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