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21.08.2025 / Verein

Gedenkspaziergang des SV 98

Der SV Darmstadt 98 veranstaltete am Mittwoch (20.8.) einen Gedenkspaziergang vom Schlossgartenplatz zum Dr.-Karl-Heß-Platz, um den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken. Auf dem Weg durch die Stadt führte die Route vorbei an zahlreichen „Stolpersteinen“, die an verschiedene Darmstädter und Darmstädterinnen sowie ehemalige 98er erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Im Rahmen des Gedenkens wurden die Stolpersteine zudem sorgfältig gereinigt und aufpoliert.

Die Gruppe steht vor dem Jugendstilbad.
Foto: SV 98

Der Gedenkspaziergang der Lilien begann am Mittwoch um 17 Uhr am Schlossgartenplatz in Darmstadt – dem historischen Gründungsort des SV 98. Begrüßt wurden die rund 20 Teilnehmenden von Peter Schmidt (Ältestenrat des SV Darmstadt 98) und Dr. Marc Balbaschewski (Vereinshistorisches Referat). Beide führten die Gruppe anschließend kenntnisreich und eindrucksvoll durch die verschiedenen Stationen bis zum Dr.-Karl-Hess-Platz am Merck-Stadion.

Die Route verlief über die Wilhelminenstraße, die Ernst-Ludwig-Straße und die Holzstraße, vorbei am Jugendstilbad, über die Anna- und Hochstraße bis zum Dr. Karl-Heß-Platz. Unterwegs hielt die Gruppe an mehreren Stolpersteinen, die an 98er erinnern, die während der NS-Zeit gedemütigt, verfolgt oder ermordet wurden. Einige Teilnehmende hatten Tücher und Poliermittel mitgebracht und befreiten die Steine von Schmutz, der sich über die Jahre angesammelt hatte.

So verband sich der Gedenkspaziergang mit einer sichtbaren Form der Erinnerungskultur: Die Teilnehmenden erfuhren während des knapp zweistündigen Weges viel über jüdische Vereinsmitglieder des SV 98, die in den Vereinschroniken lange Zeit keine Beachtung fanden.

„Wir haben erst kürzlich wieder im DFB-Pokal einige rassistische Ausfälle erlebt“, erklärte Balbaschweski mit Blick auf die Wichtigkeit solcher Erinnerungsveranstaltungen. „Die Sportvereine waren damals eine der ersten Organisationen, die die Juden aus der Gesellschaft und aus den Vereinen hinausgedrängt haben – und der SV Darmstadt 98 war dort einst sehr früh mit dabei. Deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Geschichte weiter aufarbeiten und immer wieder an sie erinnern“, so der Vereinshistorische Archivar weiter.

In Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus

In der Wilhelminenstraße erfuhren die Teilnehmenden vom Leben des Hugo Berger – einst Leichtathlet und Vereinsarzt des SV 98. „Hugo Berger, der mit der Schwester meines besten Freundes Horst Greser verheiratet war, wanderte 1932 nach Israel aus und starb später in Nieder-Beerbach, nachdem er in den 1960er Jahren nach seiner Pensionierung nach Deutschland zurückgekehrt war“, berichtete Zeitzeuge Schmidt. In der Ernst-Ludwig-Straße wurde zudem die tragischen Schicksale von Bergers Mutter und Schwester thematisiert, die 1942 deportiert und vermutlich ermordet wurden.

Auch die Holzstraße 8 stand im Fokus: Dort lebten die jüdische Familie Wieseneck, die eine Metzgerei betrieben. Herbert, Moritz und Frenzel Wieseneck waren zudem Mitglieder des SV 98, mussten den Verein jedoch bereits im September 1933 verlassen, weil sie Juden waren. Die zwei Brüder mit der eingeheirateten Frenzel emigrierten in die USA, während ihre Eltern den Holocaust nicht überlebten.

Am Jugendstilbad, auf der Hochstraße und weiteren Stationen erfuhren die Teilnehmenden zahlreiche weitere Geschichten von NS-Opfern mit Bezug zum SV Darmstadt 98. Am Zielpunkt, dem Dr.-Karl-Heß-Platz vor dem Merck-Stadion am Böllenfalltor, stand schließlich das Leben von Dr. Karl Heß im Mittelpunkt. Der engagierte Funktionär wurde bereits mit 24 Jahren Vizepräsident und mit 28 Jahren sogar Vorsitzender des SV 98. „Im Sommer 1933 emigrierte er mit seiner Frau zunächst nach Frankreich, später nach Brasilien. In den 1960er Jahren kehrte er nach Darmstadt zurück, wurde jedoch nach eigenen Angaben nie wieder richtig heimisch. 1973 ging er zurück nach Brasilien, wo er kurz darauf verstarb“, erläuterte Balbaschewski. An diesem besonderen Ort, der heute an Karl Heß erinnert, endete der rund zweistündige Gedenkspaziergang in persönlicher und bewegender Atmosphäre.

Peter Schmidt erzählt der Gruppe etwas. Foto: SV 98
Marc Balbaschewski hört einer Teilnehmerin gespannt zu. Foto: SV 98
Ein Stolperstein mit der Aufschrift Foto: SV 98
Marc Balbaschewski unterhält sich mit einer Teilnehmerin. Foto: SV 98
Ein Stolperstein wird poliert. Foto: SV 98
Die Gruppe hört gespannt zu. Foto: SV 98
Marc Balbaschewski erklärt etwas Foto: SV 98
Eine Gedenktafel auf dem Dr.-Karl-Hess-Platz wird poliert. Foto: SV 98
Marc Balbaschewski erklärt etwas Foto: SV 98

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