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Gegen alle Widerstände

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Abgefälscht. Vom Rücken. Und von dort geradeaus unhaltbar ins Tor. Ein Slapstick-Tor, eine kalte Dusche, ein echter Schock. Ausgerechnet wieder ein Gegentor nach einem Standard. "Geht das jetzt schon wieder los?", mag wohl dem einen oder anderen durch den Kopf gegangen sein. Es war der denkbar schlechteste Beginn in einem Spiel für die Lilien, die rund 20 Minuten brauchten, um diesen bitteren Gegentreffer aus den aufgrund der vergangenen Wochen nicht gerade mit Selbstvertrauen gefüllten Kleidern zu schütteln. Aber: Die Südhessen wehrten sich, bissen sich Stück für Stück in das Spiel, nahmen die schwierige Situation an. "Kampf, Wille und Überzeugung waren heute ausschlaggebend, dass wir das Spiel gedreht haben", fasste Cheftrainer Markus Anfang die 90 Minuten und das 2:1 gegen den SV Sandhausen zusammen.

Foto: Joaquim Ferreira

Dass sie sich wehren mussten, dass sie den Dreier auch mal erzwingen mussten, das war allen Beteiligten im Anschluss an eine mit 18 Punkten nicht zufriedenstellenden Hinrunde bewusst. Aber: Es galt, die erste Hälfte der Saison abzuhaken. Nicht zu hadern, sondern sich der Situation zu stellen. "Über die Vergangenheit zu reden, bringt uns nicht weiter. Wir brauchen nicht mehr nach hinten gucken, wir müssen nach vorne schauen", hatte Anfang noch auf der Pressekonferenz vor dem Sandhausen-Spiel gefordert.

Abhaken, neustarten

Zwischen dem Hinrundenabschluss – einer 0:2-Niederlage gegen Holstein Kiel – und dem erfolgreichen Rückrundenauftakt gegen den SV Sandhausen lagen gerade einmal drei Tage. Drei Tage, die die Lilien dafür nutzten, um sich auf die verbleibenden 17 Spieltage einzuschwören. Ein langes Gespräch zwischen Trainerteam und Mannschaft habe es gegeben, wie Marvin Mehlem nach dem 2:1-Heimsieg des SV 98 gegen die Kurpfälzer verriet. Ein Gespräch, in welchem es darum ging, die Hinrunde abzuhaken und in der Rückserie neu durchzustarten. Einen Cut setzen, neu angreifen. Gegen alle Widerstände, so wie dieses so bittere Gegentor des SV Sandhausen nach 33 Sekunden, welches sich auf die vorangegangenen vier Niederlagen in Folge türmte.

Marvin Mehlem: "Wir sind sehr schlecht ins Spiel gekommen und haben die ersten zehn, 15 Minuten verschlafen." Die Lilien hatten im Anschluss an den frühen Nackenschlag die eine oder andere brenzlige Situation zu überstehen. Doch spätestens nach dem Lattentreffer von Tobias Kempe in der Mitte des ersten Durchgangs war die anfängliche Unsicherheit aus den blau-weißen Trikots verfolgen.

Grundtugenden und spielerische Mittel

Der SV 98 brachte das auf den Rasen, was es braucht, um in der unteren Tabellenhälfte gegen direkte Konkurrenten zu punkten. Die Lilien fighteten, nahmen die Zweikämpfe an und wehrten sich gegen einen Gegner, der sich fast seit Saisonbeginn in den unteren Regionen aufhält und damit schon abstiegskampferprobt ist.

Doch es war nicht nur allein der pure Kampf, der den Darmstädtern den ersten Dreier des Kalenderjahres bescherte. Eine 72-prozentige Ballbesitzquote, eine Passquote von 82 Prozent und 17 zu 11 Torschüsse untermauerten, dass es nicht nur mit der fußballerischen Brechstange Hoch-und-weit probiert wurde. Kampf, Wille und Überzeugung gepaart mit der fußballerischen Qualität, die die Lilien ohne Frage auszeichnet. Genau die Mischung braucht es auch für die kommenden Herausforderungen.

Denn was bleibt, ist nur ein Sieg. Ein Erfolg, der zwar dank des Zustandekommens enorm wertvoll für das Selbstvertrauen der Mannschaft war. Doch ein Dreier, auf den zwingend weitere folgen müssen.

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