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29.01.2023 / Profis

Jäger und Sammler

Wir müssen weit zurückblicken, sehr weit zurück. Bis in die Altsteinzeit. Genau in die Phase menschlichen Lebens, als die Nahrungssuche aus Jagen und Sammeln bestand. Jagd gemacht wurde auf Wildtiere, Fischfang betrieb man mit einfachsten Mitteln. Hinzukam das Sammeln von Pflanzen oder Kleintieren. Bis ca. 10.000 Jahre vor Christus lebten die Menschen einst auf diese Weise. Und heute - abertausende Jahre später - hat die Zweitliga-Saison 2022/23 erneut Jäger und Sammler hervorgebracht. Doch sie jagen nicht nach Tieren, sammeln auch keine wildwachsenden Pflanzen ein. Nein, die Spieler des SV Darmstadt 98 jagen nach Punkten. Stets mit dem Ziel vor Augen, die maximale Zählerausbeute einzusammeln.

Foto: DC-Fotos

Januar 2023. Als Cheftrainer des Tabellenführers des deutschen Fußball-Unterhauses muss man sich natürlich auch Fragen die sportliche Situation betreffend gefallen lassen. Wie es sich anfühle, nun der Gejagte in der 2. Bundesliga zu sein, wurde Torsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz vor dem Rückrundenstart gegen den SSV Jahn Regensburg gefragt. Doch dass die Lilien jetzt in eine andere Rolle schlüpften und fortan die Gejagten des Wettbewerbs seien, davon wollte der Cheftrainer des SV 98 nichts wissen. “Für uns geht es nur darum, nach Punkten jagen zu wollen”, antwortete der 49-Jährige am vergangenen Donnerstag (26.1.) und betonte wenige Sätze später noch einmal ausdrücklich: “Wir jagen weiterhin nach Punkten und bleiben der Jäger nach Punkten.”

Kein Zufall

Genau mit dieser Einstellung schickte Lieberknecht seine Mannen zwei Tage später auf den Rasen im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Und die Lilien zeigten, dass sie diese Herangehensweise verinnerlicht hatten. Zwar brauchten die Mannschaft einige Minuten, um ins Spiel hineinzufinden, besonders in den ersten zehn Minuten stotterte der Lilien-Motor noch. Dank einer jedoch im Anschluss abgeklärten sowie über weite Strecken doch souveränen Leistung, aber auch mit dem nötigen Spielglück schlug der SV Darmstadt 98 den SSV Jahn Regensburg mit 2:0 und legte sich damit drei weitere Punkte in das mit nun 39 Zählern gefüllte Körbchen. Auch wenn die Darmstädter nervös ins Spiel kamen, zeigten sie sich im weiteren Verlauf des ersten Durchgang gerade in den entscheidenden Situationen hellwach. Klar ging dem südhessischen Führungstreffer ein Abwehrfehler des Gegners voraus, forciert von den Hausherren. Doch das dieser ausgenutzt wurde, war kein Zufallsprodukt. Bereits in der Analyse vor dem Duell wies das Trainerteam auf den Ansatz der Regensburger hin, im Spielaufbau vermehrt spielerischen Lösungen zu suchen. “Daher wollten wir sie ohnehin gut zustellen und ordentlich pressen”, verriet Lieberknecht nach Abpfiff.

Zwischen Freude und Selbstkritik

Ein hohes Maß an Flexibilität, Anpassungsfähigkeit also und spezielle Kenntnisse: Das erforderte bereits die Lebensweise als Jäger und Sammler in der Steinzeit. Es sind Eigenschaften, die aber eben auch die Mannschaft des SV Darmstadt 98 im Duell mit Regensburg verkörperte sowie im Verlauf der Saison 2022/23 bereits an den Tag legte. Und auch wenn bei der ersten Punktejagd im neuen Jahr noch nicht alles perfekt lief, so war es dennoch “vom Ergebnis her ein super Rückrundenauftakt”, wie Fabian Holland feststellte. Doch ehrt es die Lilien, dass sie auch im Moment des Sieges Selbstkritik walten lassen und Verbesserungspotential erkennen. So forderte der Kapitän: “Grundsätzlich können wir alles noch sauberer machen. Das Passspiel, die Ballannahme oder auch beim Herausspielen von Chancen. Das sind Dinge, an denen wir noch arbeiten können und arbeiten werden.”

Auch Fabian Schnellhardt wies auf ähnliche Stellschrauben hin, die es in den kommenden Wochen zu verbessern gelte. Sein Fazit: “Es hat nicht alles geglänzt, aber am Ende stehen die drei Punkte.” Auch der nun elfte Saisonsieg steht zu Buche, ebenso wie das insgesamt siebte Zweitliga-Duell, in welchem die Lilien ohne Gegentor blieben. Positiv zudem: Seit dem ersten Spieltag gegen den Jahn erzielten die Südhessen gegen jeden Gegner immer mindestens ein Tor – inklusive Pokalspiele, inklusive Testspiele. Gerade nach einer extrem langen Winterpause, nach der nicht genau klar wer, auf welchem Leistungsstand alle Zweitligisten den Ligabetrieb wieder aufnehmen würden. “Wir sind sehr froh darüber, das wir einen schwierigen Gegner zum Auftakt besiegen konnten”, betonte Lieberknecht.

Seine Aufgabe ist es nun, die Mannschaft auf die kommenden Aufgaben einzuschwören. Schließlich geht es für die Südhessen nach langer Pause direkt in die Vollen. Schon am Freitag (3.2./18.30 Uhr) reist der Lilien-Tross zum SV Sandhausen. Die nächste knifflige Aufgabe gegen ein Team, das sich ähnlich wie Regensburg in den letzten Jahren zu einem Gesicht dieser 2. Liga entwickelt hat. Doch auch im Hardtwald wollen die Darmstädter wieder auf Punktejagd gehen. Denn es war schon in der Hinrunde so und so bleibt es auch in der zweiten Saisonhälfte: Die Lilien, sie sind die Jäger nach Punkten. Stets mit dem Ziel vor Augen, die maximale Zählerausbeute einzusammeln.

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