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09.09.2024 / Profis

Kohfeldt: „Habe mich danach gesehnt“

In einer Pressekonferenz am Montag (9.9.) wurde Florian Kohfeldt offiziell als neuer Cheftrainer des SV 98 vorgestellt. Der 41-Jährige gab dabei Einblicke in seine Spielidee und berichtete von seinen ersten Eindrücken. Zudem sprachen Präsident Rüdiger Fritsch und Sportdirektor Paul Fernie über den Prozess der Trainersuche und den Blick nach vorne. Wir haben die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Rüdiger Fritsch

… zum Abschied von Torsten Lieberknecht:

Hinter uns liegen Monate mit großen Emotionen. Zunächst der Aufstieg in die Bundesliga, dann eine eher verkorkste Saison und nun der schwierige Start in die Zweitliga-Saison. Das endete in der Entscheidung von Torsten Lieberknecht, den Weg frei zu machen und neue Impulse zu ermöglichen. Unser Respekt für diese Entscheidung an Torsten. Er hat nicht nur sportliche Fußstapfen hinterlassen, sondern auch menschliche. Im Verein und in der Stadt. Diese werden noch lange nachwirken. Dafür ganz offiziell noch einmal ein ganz großes Dankeschön an Torsten Lieberknecht.

 

… zum Blick nach vorne:

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um einen Appell an alle zu richten: Lasst und das Zurückblicken beenden. Das tut dem Verein nicht gut. Wir sollten viel eher nach vorne schauen, ein neues Kapitel aufschlagen und die Tugenden von Darmstadt 98 leben. Das Thema heißt: Neues anpacken. Damit beginnen wir bestenfalls am Samstag gegen Braunschweig. Dafür ist nun Florian Kohfeldt verantwortlich. Herzlich willkommen in Darmstadt.

Paul Fernie

… zum zeitlichen Ablauf der Trainerwahl:

Ich hatte am Sonntagabend erstmals telefonischen Kontakt mit Florian und wir haben vereinbart, uns am Dienstag persönlich zu treffen. Wir saßen dann knapp vier Stunden zusammen und haben über alles geredet. Es war inhaltlich ein Top-Gespräch, wir waren schnell auf einer Wellenlänge. Florian hat mich wirklich beeindruckt. Wir haben die nächsten Tage wieder telefoniert und dann habe ich am Freitag eine größere Runde im Verein eingebunden, der sich Florian vorgestellt hat. Danach waren wir uns schnell alle einig, dass Florian unser neuer Trainer werden soll. Und wir sind sehr happy darüber. Er war unser absoluter Wunschkandidat. 

… zu den Gesprächen mit Florian Kohfeldt:

„Ich wusste vorher, dass Flo und seine Spielidee zu uns passen könnten. Aber vor den Gesprächen wusste ich nicht genau, wie er seine Ideen umsetzen möchte. Und wie der Mensch tickt. Mir wurde aber schnell deutlich, dass Florian sehr strukturiert ist und viel Klarheit besitzt. Wir haben über alles geredet. Über Trainingsinhalte bis hin zu der Gestaltung einer Halbzeitpause. Auch seine Einschätzung zu unserem Kader war überragend. Wir sind überzeugt, dass Florian genau der Trainer ist, den wir in diesem Moment brauchen. 

… zu Veränderungen im Trainerteam:

Ovid Hajou ist gestern von uns freigestellt worden. Martin Heck stößt als Co-Trainer neu dazu, Darius Scholtysik bleibt im Team. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um Ovid für seine hervorragende Arbeit in den letzten Jahren zu danken.

Florian Kohfeldt

…über seine ersten Eindrücken und Gespräche:

Ich bin seit gestern hier in Darmstadt, hatte direkt einen intensiven Tag und habe gespürt, dass ich hier in einem sehr familiären, harmonischen aber gleichzeitig sehr professionellen Verein bin. Ich war zuletzt vor neun Jahren als Co-Trainer von Werder Bremen hier im Stadion, da sah es noch ganz anders aus. Die Infrastruktur ist nun auffällig positiv. Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, wie es ist, einen Verein zu trainieren, der einer Stadt und einer Region enorm viel bedeutet. Ich habe mich danach gesehnt, so etwas wieder zu spüren.

Ich habe bereits erste Gespräche mit dem Staff geführt. Heute haben auch die Spielergespräche begonnen. Ich möchte in dieser Woche bestenfalls mit allen Spielern sprechen. Bislang waren das positive Gespräche. Sie waren von Zuversicht geprägt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Verzweiflung herrscht. Ich habe viel Energie gespürt. Alle wollen. Alle haben Lust auf Siege. Ich habe schon versucht, mir zu jedem Spieler vorab ein Bild zu machen. Einige Spieler kannte ich natürlich, weil ich mich generell mit Fußball beschäftigt habe. Trotzdem ist es wichtig, dass wir uns nun alle schnell kennenlernen.

… zu seiner Spielidee:

Wir wollen eine klare Idee davon vermitteln, wie wir spielen wollen. Aber auch das Emotionale im Blick haben, wenn in den Spielen spezielle Momente passieren. Wir werden den Fußball hier sicherlich an unsere Vorstellungen anpassen. Aber es gibt eine bestehende Basis, auf die ich aufbauen kann. Zusammengefasst ist meine Idee zielgerichteter, dominanter Ballbesitzfußball. Immer auf der Suche nach Tempoaktionen. Und mit dem Ziel, den Ball so schnell wie möglich wiederzubekommen. 

Natürlich wird es eine gewisse Zeit dauern, bis unsere Idee komplett verinnerlicht ist. Aber ich möchte nicht jetzt schon Entschuldigungen suchen. Ich hoffe schon, dass wir am Samstag in Grundzügen sehen, wofür diese Mannschaft stehen soll. Wir werden heute und morgen insgesamt drei Einheiten absolvieren. Losgelöst von Braunschweig werden wir uns nur mit uns beschäftigen, um diese Grundzüge unserer Idee ins Team zu bringen.

… zum Kader:

Im Kader stehen viele Spieler mit Entwicklungspotenzial, die ihr Potenzial sicherlich auch noch nicht ausgeschöpft haben. Es gibt viele spielstarke Spieler, dazu eine facettenreiche Offensive. In der Defensive ist die individuelle Qualität ist sicherlich nicht das Problem, wir müssen es aber schaffen, eine generelle Stabilität auf den Platz bekommen. 

… zur eigenen Karriere:

Es ist legitim, dass es Fragezeichen gibt, warum meine beiden vergangenen Stationen eher kurz waren. Ich habe mir aber abgewöhnt, alles zu erklären, weil es leider oftmals nicht durchdringt. Ich habe die vergangenen Jahre nicht als Karriere-Abschwung empfunden, sondern ich habe viele und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Ich habe bei der Entscheidung für Darmstadt 98 keine Sekunde daran gedacht, was das für meine Karriere bedeutet. Ich habe nur mich nur gefragt: „Passt dieser Verein zu mir?“, „Habe ich Lust auf diese Aufgabe?“ und „Kann ich dem Verein etwas geben, was ihm hilft?“ Ich konnte alle drei Fragen mit „Ja“ beantworten.

Es ist immer wichtig, sich zu reflektieren. Ich habe versucht, mich in der Zeit ohne Trainerjob fortzubilden. Ich habe meine vergangenen Stationen reflektiert. Alle Erfahrungen, die ich auf meinem bisherigen Weg gesammelt habe, werden mir helfen, dass ich jetzt ein besserer Trainer bin als vor einigen Jahren. Aber ab jetzt ist egal, was gestern oder vor fünf Jahren war. Ab jetzt zählt, was wir ab Samstag mit der Mannschaft auf den Platz bringen.

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