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12.04.2026 / Profis

Lücke in der Festungsmauer

Im 15. Heimspiel der Saison ist es passiert. Die Lilien haben auf eigenem Platz verloren. Verdientermaßen. Zwar versuchte der SV 98 gegen die Gäste aus Hannover bis zum Abpfiff alles, doch die Niedersachsen erwiesen sich am Samstagabend als zu stark. In unserer Analyse blicken wir noch einmal auf die Partie zurück.

Szene des Spiels:

In unser heutigen Analyse blicken wir auf keine typische „Szene des Spiels“, sondern auf eine eher symptomatische Sequenz. In der 92. Minute köpfte Fraser Hornby einen Freistoß von Marco Richter an den Querbalken. Ein paar Zentimeter vorbei an einem späten Anschlusstreffer, der mit Sicherheit für drei, vier aufgeladene und energetische Schlussminuten gesorgt hätte. „Es sollte heute nicht sein“, bilanzierte Marcel Schuhen und Florian Kohfeldt erklärte kurz und knapp: „Das passt zu diesem Tag.“ 

Damit traf der Cheftrainer der Lilien den Nagel auf den Kopf. Denn dem SV 98 fehlte nicht nur in diesem Moment ein kleiner Tick. Hannover hatte – speziell im ersten Durchgang – in den direkten Duellen die Nase vorne, sie waren ein Stück präziser im Passspiel und bei zwei Gelegenheiten effizienter. 

Vor seinem Lattentreffer hatte der Angreifer bereits zwei weitere Gelegenheiten nicht nutzen können, ebenso verpassten Fynn Lakenmacher und Yosuku Furukawa in einer durchaus stürmischen Schlussphase den Anschlusstreffer. Den verdienten Erfolg der Hannoveraner wollte an diesem Abend niemand abstreiten, viel eher ließ sich der Samstagabend und die erste Heimniederlage des SV 98 seit dem 3. Mai 2025 so zusammenfassen: Die Lilien probierten viel, gegen starke Hannoveraner reichte es aber nicht aus. Auch dafür stand der Hornby-Kopfball sinnblildlich. 

Das lief gut:

Wir bleiben bei der Schlussphase. Trotz des 0:2-Rückstands und der starken Performance der Gäste drängten die Lilien in den letzten Minuten auf den Anschlusstreffer. Ein Umstand, den Florian Kohfeldt auf der Pressekonferenz nach dem Spiel noch einmal hervorhob: „Nach dem zweiten Treffer kam das Gefühl auf, dass es jetzt sehr schwierig werden würde. Aber eine Charaktereigenschaft meiner Mannschaft lässt sich sehr positiv hervorheben: Wir hören nicht auf!“ 

Diese Phase verdeutlichte zudem, dass der Glauben des SV 98 an die eigene Stärke auch in solchen Momenten absolut vorhanden ist. „Wir hatten alle das Gefühl, wenn wir das 2:1 machen, dann geht hier wieder was“, so Marcel Schuhen, der ergänzte: „Das ist die Überzeugung, die wir nach der bisherigen Saison haben.“

Es sollte an diesem Samstagabend nicht sein. Verdientermaßen, da Hannover über den gesamten Spieleverlauf die bessere Mannschaft war. Und dennoch lässt sich die Schlussphase positiv hervorheben und die Mentalität der Mannschaft als wichtiges Attribut für die verbleibenden fünf Spiele mitnehmen. 

Der Support der Lilienfans: Nach dem Abpfiff stand Florian Kohfeldt gemeinsam mit seinem Team direkt vor der Südtribüne und war Teil des traditionellen S-V-D-Einklatschens. Der Cheftrainer des SV 98 überlässt diese Momente normalerweise seinem Team, insbesondere wenn es um das gemeinsame Feiern von Siegen geht. Nach der Partie gegen Hannover war es dem 43-Jährigen ein Anliegen, auf diese Art und Weise in dieses Spieltagsritual involviert zu sein: „Es war heute eine super Unterstützung unserer Fans. Es war mir ein Bedürfnis, Nähe bei den Fans zu zeigen, weil ich die Verbundenheit spüre. Wir würdigen es sehr, wie sie uns heute und die ganze Saison unterstützt haben. Ich freue mich auf die nächsten Wochen mit ihnen.“

Das lief nicht gut:

Die direkten Duelle: „In der ersten Halbzeit hat Hannover nahezu jedes direkte Duell gewonnen, offensiv und defensiv.“ Was Florian Kohfeldt nach dem Spiel gewohnt ehrlich und deutlich ansprach, war in den ersten 45 Minuten in der Tat sehr deutlich geworden. Hannover entschied die entscheidenen Duelle für sich, war einen kleinen Tick wacher und cleverer. Auf das gesamte Spiel gesehen hatten die Lilien sogar die bessere Zweikampfbilanz (52%), es gelang ihnen aber erst in der Schlussviertelstunde, speziell die offensiven Duelle für sich zu entscheiden. Hannover schaffte es hingegen von Beginn an in einer gewissen Regelmäßigkeit, aus Eins-gegen-eins-Situationen als Sieger hervorzugehen und dadurch Gefahr zu erzeugen. Die extrem Qualität ihrer Flügelspieler ist das vielleicht größte Plus der Hannoveraner. Das wurde auch am 29. Spieltag deutlich. Und es sorgt in jeder Partie dafür, dass der Gegner eine genau Risikoabwägung treffen muss, wie Marcel Schuhen erklärte: „Heute haben wir gegen eine Top-Mannschaft gespielt. Auch nach dem 0:1 darf man nicht aufmachen gegen so ein Team, dafür sind die Flügelspieler zu stark.“ 

Das 0:2: „Da pennen wir ein wenig“, gestand Schuhen beim Blick auf den Treffer von Thordarson in der 56. Minute ein. Zwar gab es nach dem Treffer zunächst einige Proteste der Lilien angesichts der schnellen Ausführung des Freistoßes, regeltechnisch war aber alles in Ordnung. Und so ließ sich die Situation eher auf das herunterbrechen, was der Lilien-Kapitän prägnant in einem Satz zusammenfasste: „Da müssen wir clever sein.“ Diesen Schuss Cleverness und Schnelligkeit im Denken besaßen in diesem Moment die Gäste und nutzen ihn gandenlos für die Vorentscheidung. 

Zitat des Tages:

Wir haben Lilien gesehen, die alles probiert haben. Das ist die Basis an diesem Standort.

Florian Kohfeldt

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