11.10.2026 / Profis
Mit Mentalität und einer positiven Entwicklung
Die Lilien drehen einen frühen Rückstand und feiern gegen Energie Cottbus einen 3:1-Heimsieg. Ein Erfolg, der Selbstvertrauen gibt und die Fortschritte bestätigt. Warum dennoch Arbeit bleibt und welche positiven Dinge der SV 98 mitnimmt, lest Ihr in unserer Analyse.
Szene des Spiels:
Vukotics Antwort. Weil sie sinnbildlich für den Charakter der Mannschaft in der aktuell schwierigen Phase steht. Beim 0:1 nach vier Minuten hatte der Innenverteidiger noch nicht gut ausgesehen, doch er ackerte sich in die Partie. Und belohnte seine Bemühungen mit dem wichtigen 2:1-Führungstreffer im zweiten Durchgang. Zwei Situationen, die seinen Nachmittag, aber auch den des Teams prägten. Und die zeigten, wie wichtig es ist, nach einem Fehler im Spiel zu bleiben. Vukotic und seine Mannschaftskameraden zogen sich am eigenen Schopfe aus dem frühen Schlamassel. „Für mich ist es entscheidend, wie ich nach einem Fehler reagiere“, erklärte der Serbe nach Abpfiff. Eine Eigenschaft, die auch sein Trainer hervorhob: „Ich mag Spieler, die nach Fehlern nicht komplett wegbrechen.“ Der Chefcoach benannte den Fehler beim Gegentor klar, stellte sich aber ebenso klar hinter seinen Innenverteidiger. Weil zur Bewertung eines Spiels eben auch gehört, wie ein Spieler mit einem Rückschlag umgeht.
Das lief gut:
Die Reaktion auf den Rückstand. Vier Minuten waren gespielt, schon lagen die Lilien hinten. Ein Start, der angesichts der bisherigen Saison zusätzliche Unruhe hätte bringen können. Zumal die Gäste ehrlicherweise weitere Möglichkeiten hatten. Doch die Darmstädter hielten sich im Spiel und fanden durch Noah Weißhaupt noch vor der Pause zurück. Marcel Schuhen brachte einen entscheidenden Aspekt auf den Punkt: „Nach einem sehr frühen Rückstand haben wir trotzdem nicht den Kopf verloren.“ Genau diese Widerstandsfähigkeit brauchten die Südhessen. Denn der Weg zum Heimsieg verlief keineswegs geradlinig. Die schnelle Ausgleichschance durch Marco Richter blieb ungenutzt, die Anfangsphase stellte die Hausherren vor Probleme. Doch der SV 98 blieb wehrhaft und hätte bereits Mitte des ersten Durchgangs durch einen Nachschuss von Hojae Lee den Spielstand egalisieren können. Und fand spätestens nach dem 1:1 zu seinem Rhythmus.
Spielkontrolle & Gamemanagement. Und genau für diesen Rhythmus investierten die Lilien enorm viel. Um die 30. Minute herum bekam man die starke Offensive um Butler und Cigerci besser in den Griff. Spätestens nach dem Seitenwechsel funktionierte das Zusammenspiel im Zentrum. Die Folge: Die in dieser Saison im Angriffsspiel so überzeugenden Lausitzer kamen im zweiten Durchgang kaum noch zur Entfaltung. Auch die Einwechslungen griffen und unterstrichen die Kaderqualität. Hiroki Akiyama und Lance Duijvestijn taten dem Spiel der Hausherren sichtlich gut, auch Yannik Lührs hatte mit seinem 3:1-Jokertreffer einen Anteil an einer aus Darmstädter Sicht recht angenehmen Schlussphase. Die Lilien konnten nachlegen, die Partie für sich entscheiden und damit etwas mitnehmen, das in ihrer aktuellen Situation besonders wertvoll ist: Punkte und Überzeugung in die eigene Entwicklung. „Zwei Siege aus den letzten drei Spielen, das gibt nun schon ein gutes Vertrauen“, bilanzierte Kohfeldt nach dem „verdienten Sieg“.
Das lief nicht gut:
Die defensive Abstimmung zu Beginn. Der Sieg änderte nichts daran, dass die Lilien den Gästen in der ersten Halbzeit zu viel Raum ließen. Dem frühen Gegentor ging ein individueller Fehler voraus, auch im Pressing passten die Abläufe noch nicht ausreichend zusammen. Kohfeldt sah insbesondere beim Nachschieben der zweiten Reihe Verbesserungsbedarf. Die Szenen aus dem ersten Durchgang seien deshalb auch Anschauungsmaterial für die weitere Arbeit: „Das ist gutes Lehrvideo, wie man presst und wie man nicht presst.“
An der Konstanz muss noch gearbeitet werden. Eine in Sachen Entwicklung wichtige Länderspielpause, ein verdienter Heimsieg, zwei Erfolge aus den vergangenen drei Partien: Es gab gute Gründe, zufrieden aus dem Stadion zu gehen. Dennoch hielten die Lilien-Akteure und insbesondere auch ihr Cheftrainer in der Analyse einen klaren Blick auf die Begegnung. „Unsere Entwicklung ist bei weitem noch nicht abgeschlossen. Und haben wir hier ein Top-Spiel und 90 Minuten gemacht? Auf gar keinen Fall“, merkte Kohfeldt an, der im selben Atemzug betonte: „Aber die Phasen werden länger und wir schaffen es, über diese Phasen Punkte und Ergebnisse zu holen. Und das ist echt eine gute Idee in der zweiten Liga: Erstmal Punkte zu holen und dann über Entwicklung reden.“
Zitat des Tages
Auf jeden Fall bin ich erleichtert. Alles andere wäre Quatsch. Es gibt solche Spiele, da weißt du vorher: Die solltest du gewinnen. Heute war so eins. Wir haben es gewonnen, wir haben es auch verdient gewonnen.