27.01.2025 / Verein
„Nie wieder!“ – Gedenkveranstaltung des SV 98
Am 27. Januar jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 80. Mal. Der SV Darmstadt 98 veranstaltete in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus einen Gedenkspaziergang vom Schlossgartenplatz zum Dr.-Karl-Heß-Platz. Dort fand eine Kranzniederlegung samt verschiedener Redebeiträge statt.
Der Gedenkspaziergang der Lilien startete um 17.15 Uhr am Schlossgartenplatz in Darmstadt, dem Gründungsort des SV 98. Begrüßt wurden die 70 Teilnehmenden von Peter Schmidt (Ältestenrat SV Darmstadt 98) und Marc Balbaschewski (Vereinshistorisches Referat SV Darmstadt 98), die im Anschluss auch auf sehr fachkundige und interessante Art und Weise durch die verschiedenen Stationen bis zum Zielort, dem Dr.-Karl-Hess-Platz am Merck-Stadion, führten.
Der Weg führte dann weiter durch die Ernst-Ludwig-Straße, die Holzstraße, am Jugendstilbad vorbei, über die Hochstraße zum Endpunkt. Auf seiner Route machte der Gedenkspaziergang an verschiedenen Stolpersteinen Halt, an denen an 98er erinnert wurde, die während der NS-Zeit gedemütigt, verfolgt oder ermordet wurden. Die Teilnehmenden erfuhren während des knapp zweistündigen Fußmarsches so eine Menge über einige der jüdischen Vereinsmitglieder des SV 98, die in den Vereinschroniken lange Zeit keinerlei Beachtung fanden. Eine Übersicht über bislang bekannte jüdische Vereinsmitglieder mitsamt eines kurzen Steckbriefes, ist hier abrufbar.
Während des Gedenkspaziergangs schilderte Schmidt (Jahrgang 1938) eindrucksvoll die Entwicklungen innerhalb Darmstadts während der NS-Zeit und erklärte mit Blick auf die vertriebenen und ausgegrenzten Mitglieder: „Trotz des Ausschlusses sind sie immer am Verein interessiert geblieben und haben den SV 98 im Herzen behalten.“
Balbaschewski, der sich seit Jahren mit der Geschichte der Lilien und insbesondere dem Kapitel während des Nationalsozialmus auseinandersetzt, erklärte mit Blick auf den SV 98: „Leider hat der Verein sehr schnell den Arierparagraph eingeführt, sodass es nur neun Monate nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler keinerlei jüdische Vereinsmitglieder beim SV 98 gab.“
Umso wichtiger sei daher nun die Auseinandersetzung mit diesem Teil der Vereinschronik, verbunden mit Gedenkverantaltungen, wie sie an diesem Montagabend durchgeführt wurde.
Einen sehr einprägsamen Satz wählte Schmidt, der während des Spaziergangs und mit Blick auf die Vergangenheit und die Lehren der Geschichte sagte: „Bei jedem Handeln sollte man sich immer vornehmen: Sei ein Mensch!“
Angekommen auf dem Dr.-Karl-Heß-Platz vor dem Merck-Stadion am Böllenfalltor sprachen dann neben Schmidt und Balbaschewski auch Oberbürgermeister Hanno Benz und Alexander Stoler (Kulturreferent der Jüdischen Gemeinde Darmstadt) zu den nunmehr rund 170 anwesenden Personen.
Während seiner Rede zeigte sich Schmidt „unheimlich froh und dankbar darüber“, dass sein Verein an diesem Abend und zum 80. Jahrestag der Befreiung von Ausschwitz eine derartige Veranstaltung durchführe. Ähnliche Worte wählte auch OB Benz in seiner Ansprache: „Ich finde es toll, dass sich der SV 98 in das Gedenken der Stadt Darmstadt mit einer Vielzahl an Veranstaltungen einreiht. Es ist wichtig, dass wir das Gedenken konkret machen. Hinter jeder Zahl steht ein Name. Jeder dieser Menschen hatte Träume und Ziele, die duch die Nationalsozialisten zerstört wurden. Deswegen ist es so wichtig, dass auch der SV 98 an seine jüdischen Mitglieder erinnert. Und es geht darum, diese Erinnerung zu nutzen, um zu sagen: Nie wieder!“
Stoler appelierte an alle: „Lasst uns gemeinsam Haltung zeigen. Lasst uns klare Grenzen gegen jede Form von Hass ziehen. Lasst uns auch den Fußball nutzen, um zu vereinen. Und nicht, um zu spalten. Und lassen sie uns diese Botschaft gemeinsam hinaustragen.“
Im Anschluss an die Redebeiträge legten sowohl der SV 98 als auch die Fanszene einen Kranz im Zeichen des Erinnerns am Gedenkstein auf dem Dr.-Karl-Heß-Platz nieder.